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Terror-Kirche: Kirchen-Terror - Gott war nicht dabei (Teil 3)

Rom: Vatikans Dienstmädchen als Mafia-Braut im Grab des Mafioso - Ö: Massenhafter Kindsmissbrauch im katholischen Stift Kremsmünster - Jesus starb nur noch für viele und nicht mehr für alle - Ö: Massenhafter Kindsmissbrauch im katholischen Kloster Mehrerau - NL: Terror-Kirche liess an mutigen, wahrheitsliebenden Buben Kastrationen durchführen, die sich z.T. gegen Kindsmissbrauch wehrten - Rom: 7 Missbrauchsfälle bei den "Legionäre Christi" - Vatikan: Das "Dienstmädchen" musste an einer Sexparty "Dienst" tun und wurde dann getötet - katholische Logik: Mord wird vergeben, aber eine zweite Ehe nicht: Abendmahl wird verweigert - Chile: Priester des Widerstands gegen Pinochet war ein Massenvergewaltiger -- Freiheitsberaubung im kirchlichen Kinderheim -- über 600 offizielle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche von Australien, inoffiziell 10.000 -- immer mehr Kirchenaustritte in Österreich -- deutsche Telefonhotline bringt das Kalkül katholischer Priester bei fast 8500 Fällen von Kindsmissbrauch ans Licht -- katholische Sklaverei in Irland in "Wäschereien" -- Ö: Pädophil-krimineller Pater und pädophil-krimineller Kinderarzt -- "USA": Finanzangestellte entlassen, weil sie Sex vor der Ehe hatte --

Die terroristische Kirche handelte und handelt bis heute gegen den Grossen Geist.

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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20 minuten online, Logo

20.4.2012: Vatikans Dienstmädchen im Grab eines Mafioso

aus: 20 minuten online: Eine päpstliche Affäre: Der Vatikan - der Gangster und das Mädchen; 20.4.2012;
http://www.20min.ch/ausland/news/story/Der-Vatikan--der-Gangster-und-das-Maedchen-28896127

<von P. Blunschi
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Ein mysteriöser Fall wühlt Italien auf: Die seit 29 Jahren vermisste Papstdiener-Tochter Emanuela Orlandi liegt angeblich in einer römischen Basilika – im Grab eines Mafioso.

Ein Mann betrachtet ein Suchplakat für Emanuela Orlandi, das am 22. Juni 2008 in Rom aufgehängt wurde - genau 25 Jahre nach ihrem Verschwinden. (Bild: Keystone/AP/Plinio Lepri)manuela Orlandi war nicht irgendein Mädchen – ihr Vater war Hofdiener von Papst Johannes Paul II. Am 22. Juni 1983 verschwand die damals 15-Jährige auf dem Heimweg vom Musikunterricht in Rom. Seither fehlt von ihr jede Spur, dafür blühen die Verschwörungstheorien.

Eine davon beinhaltet einen ebenso bizarren wie furchtbaren Verdacht: Emanuela Orlandi soll im gleichen Grab liegen wie der 1990 erschossene Gangsterboss Enrico De Pedis. Dieses befindet sich nicht auf irgendeinem Friedhof, sondern in der ehrwürdigen Basilika Sant’Appollinare neben der Piazza Navona. Dort dürften eigentlich nur hohe kirchliche Würdenträger beigesetzt werden. Wie kommt eine Unterweltfigur zu dieser Ehre?

Enrico De Pedis war Chef der berüchtigten Magliana-Bande, die in den 1980er-Jahren in Rom im Drogen- und Waffenhandel tätig war. 1990 geriet er beim Campo dei Fiori in einen Hinterhalt und wurde getötet. Seine Beisetzung in der Basilika Sant’Appollinare wurde erst sieben Jahre später von einem Journalisten enthüllt. De Pedis – Spitzname Renatino – liegt offenbar in der Krypta in einem Marmorgrab, ähnlich jenem der Päpste. Der damalige Pfarrer verteidigte sich mit dem Argument, der Gangsterboss sei «ein grosser Wohltäter» gewesen, der ihn beim Betrieb von Suppenküchen für die Armen unterstützt habe.

Entführt auf Befehl des Erzbischofs?

Zu rührend, um wahr zu sein? Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Beisetzung von Kardinal Ugo Poletti, dem damaligen Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz, genehmigt worden war – «in einem offensichtlichen Verstoss gegen das kanonische Recht», wie der «Guardian» schreibt. Der Grund soll in einem der grössten Skandale in der jüngeren Geschichte des Kirchenstaats zu suchen sein: Dem Zusammenbruch des Banco Ambrosiano im Jahr 1982. Die Mailänder Privatbank hatte nicht nur mit der Mafia und südamerikanischen Drogenbanden Geschäfte gemacht, sondern auch mit der Vatikanbank.

Diese wurde vom amerikanischen Erzbischof Paul Marcinkus geleitet, einer umstrittenen Figur, die tief in die schmutzigen Geschäfte des Banco Ambrosiano verwickelt war. Der Heilige Stuhl zahlte dessen Gläubigern schliesslich «freiwillig» 224 Millionen Dollar Schadenersatz. Und hier kommt die verschwundene Emanuela Orlandi ins Spiel, denn eine ehemalige Geliebte von Enrico De Pedis hatte 2006 behauptet, das Mädchen sei von der Magliana-Bande entführt und ermordet worden, und zwar auf Geheiss von Erzbischof Marcinkus.

Der Vatikan wies diese Anschuldigungen als «infam und unbegründet» zurück. Doch letztes Jahr präsentierte das ehemalige Bandenmitglied Antonio Mancini eine weitere Variante: Emanuela sei gekidnappt worden, um die Vatikanbank zu erpressen. De Pedis habe dort einige Millionen deponiert und befürchtet, das Geld nach dem Ambrosiano-Crash nicht mehr wiederzusehen. Schliesslich habe der Boss entschieden, das Geld abzuschreiben, sagte Mancini. Als Gegenleistung sei ihm das Begräbnis in seiner Lieblingskirche zugesichert worden.

Anonymer Anrufer gab den Tipp

Wurde Emanuela Orlandi als Folge dieses «Deals» beseitigt? Die Story bleibt abenteuerlich. Und selbst wenn, so stellt sich die Frage, wie und warum sie ausgerechnet ins Grab des Mafiosos gekommen sein soll. Die These geht zurück auf einen anonymen Anruf im Jahr 2005 bei der Redaktion der Fernsehsendung «Chi l'ha Visto» (eine Art italienisches «Aktenzeichen XY»), wonach Kardinal Poletti für die Entführung verantwortlich war und «des Rätsels Lösung sich in einem Grab in Sant'Apollinare befindet».

«Hinweise» dieser Art gab es seit 1983 immer wieder, die meisten erwiesen sich als wertlos. Dennoch wurden Rufe laut, den Fall wieder aufzurollen. Römische Staatsanwälte behaupten, der Vatikan verweigere die Zusammenarbeit bei den Ermittlungen mit der Begründung, die Basilika sei «exterritorialer Besitz» des Kirchenstaats – was jedoch nicht zutrifft. Unter dem wachsenden Druck – kürzlich kam es zu einer Mahnwache vor der Kirche – sah sich der Vatikan zu einer Stellungnahme gezwungen: Der Heilige Stuhl habe den Behörden «alle seine Erkenntnisse zugänglich gemacht», betonte Sprecher Federico Lombardi.

Grab soll geöffnet werden

Eine Öffnung des Grabes soll nun Klarheit schaffen. Die Kirche habe «nichts gegen eine Untersuchung des Sarkophags», sagte Lombardi. Pietro Orlandi, der Bruder der Verschwundenen, hofft, der Aufklärung des Falles einen Schritt näher zu kommen. Er sei zwar «nicht gänzlich überzeugt», im Grab Hinweise zu seiner Schwester zu finden, räumte er ein. Aber man dürfte nichts unversucht lassen.

Während langer Zeit war das Verschwinden von Emanuela Orlandi auch in Zusammenhang mit dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. zwei Jahre zuvor gebracht worden. Bei der Familie und im Vatikan gingen damals mehrere anonyme Anrufe ein, die im Austausch für das Mädchen die Freilassung des türkischen Papst-Attentäters Mehmet Ali Agca forderten. Eine konkrete Spur ergab sich jedoch nie. Immer wieder gab es auch Behauptungen, Emanuela sei gesehen worden, sogar innerhalb des Vatikans. Der Fall bleibt ungelöst.>

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Kirchen-Terror 21.4.2012: Grausame Kindheit im "Stift" Kremsmünster - die "Methodik" der katholischen, "schweinische Sachen"

aus: Der Standard online: Stift Kremsmünster: Meine grausame Kindheit; 21.4.2012;
http://derstandard.at/1334795804341/Stift-Kremsmuenster-Meine-grausame-Kindheit

<Leopold Federmair

Dass die Mönche im Stift Kremsmünster so schweinische Sachen treiben könnten, ging über das Vorstellungsvermögen der Mutter hinaus - das hätte ihr ganzes katholisches Weltbild zusammenstürzen lassen.

"Immer war beides möglich, Liebkosung, Gewalt", sagt Autor Leopold Federmair über die Zeit im Internat.

Müssen wir denn kämpfen? Brauchen wir den Widerstand? Ich gestehe, Mutter, ich bin missbraucht worden. Meine Erfahrungen mit Klosterbrüdern und dem schwulen Fußballtrainer.

Warum nicht ich? Diese Frage stelle ich mir im Nachhinein, Jahrzehnte später, jetzt, wo alle von dem reden, worüber jahrzehntelang niemand zu reden wagte, auch nicht die Opfer, die Geschädigten oder die, die im Nachhinein einen Grund dafür finden, warum es ihnen im Leben schlecht ergeht. Der Mönch, der sie im Kindesalter missbraucht hat, ist schuld. Da ist ihnen unverhofft eine Erklärung zugeflogen, die immer in Reichweite war.

Ich bin nicht missbraucht worden. Warum nicht? - Ja, hätte dir das denn gefallen? Auch die Gegenfrage muss ich mir stellen, auf die weiß ich sogar eine Antwort (aus Schaden wird man klug): Nein, das hätte mir nicht gefallen. Der alte Mann, den alle aus Scham, oder weil es die Rechtsprechungsgepflogenheiten so wollen, Pater A. nennen, leitete damals den Knabenchor, und ich hätte in diesem Chor gern mitgesungen. Der Pater, auch als Musiklehrer tätig, nahm mich nicht auf, obwohl ich, wenn ich mir alte Fotos ansehe, doch ein hübscher Junge mit weichen Zügen war: genau die Art, die nach dem Geschmack von Pädophilen vom Schlage des Paters sind.

"Untersuchung" auf rotem Sofa

Die Schüler redeten untereinander über die schwulen Patres: Erfahrungen, Vermutungen, Gerüchte, manchen tat man sicher unrecht. Es gab ein Wort, das auf dem Land gern verwendet wurde: "warm". Der ist ein Warmer, hörte man, und ein Elf-, Zwölfjähriger, der noch nicht eingeweiht war, fragte sich beunruhigt, was es damit auf sich haben mochte. Anspielungen und Gekicher: "Ein warmer Leberkäs ..." Die Schüler redeten, aber wenn es einen erwischte, wenn man im Zimmer des Musiklehrers auf dem roten Sofa "untersucht" worden war, gestand man es nicht direkt, und das hieß: Er konnte sich nicht wehren. Die Scham der Opfer wirkte auch bei uns, bei den Kleinen, die gern groß gewesen wären.

Wahrscheinlich war ich kein guter Sänger, obwohl ich mir einbildete, in der Gruppe ohne weiteres mitsingen zu können. Wie ich auch kein guter Fußballspieler war: Das redete mir der Betreuer ein, um mich bei der Stange zu halten. Aber ich hätte gern gesungen, und ich spielte gern Fußball. Im Musikunterricht kam es vor, vielleicht nicht jede Stunde, aber doch ziemlich oft, dass einer der Schüler nach vorn zum Pult des Lehrers musste, um eine Ohrfeige in Empfang zu nehmen.

Ohrfeige in der Musikstunde

Wir fürchteten uns davor, die Prozedur war grausam, und oft war es unverständlich, warum es diesen traf und jenen nicht. Warum ich? Warum nicht ich? Genießerische Willkür von Macht und Grausamkeit. Macht ist gleich Grausamkeit, das prägte sich mir damals ein. Der Pater saß auf einem Stuhl, der ausgewählte Schüler ließ sich auf seinem Oberschenkel nieder, und auf dem runden Gesicht des Paters verzogen sich die wulstigen - oft feuchten, wie mir die Erinnerung sagt - Lippen zu einem breiten Grinsen.

Der Kopf des Knaben lag in der riesigen Handmuschel des Paters, der mit der anderen Hand ausholte, eine Sekunde verstreichen ließ, zehn Sekunden, die Situation genießend, zwanzig Sekunden, und dann langsam die Hand herabsinken ließ, um die Wange des Knaben eine Weile zu streicheln, zu liebkosen. Das war's, der Knabe durfte aufstehen und gehen, zurück auf seinen Platz.

Liebkosung und Gewalt

Nein, so war es nicht immer. Genauso oft sauste die Riesenhand des Paters nieder und traf das Kind mit voller Wucht. Der da vorn wie in einer Pietà-Szene auf dem Schoß des Paters saß oder an seiner Brust lehnte, konnte niemals sicher sein, dass ihn die Liebkosung treffen würde und nicht die Gewalt. Glaubte er, noch einmal davongekommen zu sein, und lachte er über die Scherze, die während des Rituals über die Lippen des Paters kamen, wuchs die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Pater am Ende doch noch fürs Zuschlagen entschied. Ganz sicher konnte man nie sein, immer war beides möglich, Liebkosung, Gewalt.

Damals wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, der Pater könne in seinem Präfektenzimmer im Schrank hinter dem roten Sofa Schusswaffen aufbewahren. Ein Priester und solche Waffen? Nein, wenn es auf der Welt Hüter des Friedens gab, dann sie, unsere Pfarrer, Lehrer, Erzieher. Als ich im September 2010 zufällig eine Zeitungsnotiz über den "Pumpgun-Pater von Kremsmünster" las, wunderte ich mich nicht. Der Artikel, im Stil der berüchtigten Kronen Zeitung-Poesie gehalten, bezog sich auf den mittlerweile berüchtigten Pater A. Dass Leute wie er nur allzu gern mit der Gewalt spielen, wusste ich aus eigener Erfahrung. Wer das Austeilen von Ohrfeigen genießt, bekommt früher oder später Lust auf einen stärkeren Kitzel.

Kein Talent als Anführer

Aber ... Warum nicht ich? Die Frage steht immer noch im Raum, und ich taste nach einer Antwort, und während ich taste, beginne ich zu glauben, dass sie nicht nur mich betrifft, sie ist nicht nur mein persönliches Problem. Weil mir der Pater, der bestimmt feinfühlig war, mehr als die anderen, die sich an niemandem vergriffen haben - weil mir der Pater ansah, dass ich störrisch war. Weil er meinen Widerstandsgeist spürte, mit dem ich nichts anzufangen wusste, außer dass ich mich irgendwie querstellte, abwandte in den entscheidenden Augenblicken, ohne das Talent, zu einem Anführer zu werden und eine Masse, eine Klasse hinter mir zu versammeln.

Kein kleiner Volksheld, nur eben dieses Störrische, das die feuchten Hände erkalten ließ, wenn sie über die Wange des Knaben strichen. So einen Knaben konnte der Musiklehrer in seinem Chor nicht brauchen. Wenn dieser Knabe krank war, verschwieg er es, um der "Untersuchung" zu entgehen. Dieser Schlaumeier und Drückeberger! Mit zwölf, dreizehn Jahren war mein Gesicht noch nicht entstellt, ich hatte noch nicht die schwere Akne bekommen, unter der ich während der Pubertät und noch Jahre danach litt.

Störrisches Wesen und Literatur

Mit fünfzehn, sechzehn hätte ich verstanden, dass mich der Pater nicht auf sein Sofa holte. Aber da war ich ohnehin schon zu groß, kein Knabe mehr, und das Singenwollen war mir auch vergangen, die Stimme gebrochen. Nur noch Fußball spielen und Bücher lesen. Letzteres ein einsames Vergnügen, das mich - auch wenn es seltsam klingt - mehr als mein störrisches Wesen mit der Ordnung des Internats in Konflikt brachte. Aber vielleicht hängt das zusammen: störrisches Wesen und Literatur.

Fußball spielte ich nicht auf dem Sportplatz des Stifts, sondern in meinem wenige Kilometer entfernten Heimatort. Im Konvikt mussten wir die meiste Zeit Handball spielen, weil der Sportlehrer ein Nostalgiker war und auf dieser damals im Aussterben begriffenen Sportart bestand. Dieser Lehrer war weder Priester noch schwul, sondern nur gewalttätig, ohne Zärtlichkeiten, und seine Nostalgie bezog sich nicht nur auf Handball, sondern auch auf die Nazizeit, in der er einmal den Führer aus dem brennenden Berlin herausgeholt habe, wie er erzählte, wenn er bei Laune war. Der Mann war auch Lehrer für Geschichte, aber er neigte dazu, Fakten und Fantasie zu vermischen.

Vom Regen in die Traufe

Nein, zum Fußball holte mich ein Mann ab, der gleich hinter den Klostermauern bei seiner alten Mutter wohnte und unter seinem Bett eine Unmenge von Sexheften aufbewahrte, mit schwarz-weißen Fotos auf Zeitungspapier. Nachtexpress hieß, glaube ich, eine dieser Zeitschriften. Der Mann war ein sanftmütiger Schwuler, natürlich unverheiratet und in der Bezirkshauptstadt in irgendeinem staatlichen Büro angestellt, obwohl er nicht einmal Schreibmaschine schreiben konnte. Vom Regen in die Traufe: vom Kloster auf den Fußballplatz. In der Traufe gefiel es mir besser.

Der schwule Betreuer holte mich mit seinem Wagen vor den Klostermauern ab, brachte mich zum Training oder zum Spiel, danach wieder zurück ins Internat. Ich verbrachte viel Zeit in diesem Wagen, der auch andere Kinder durch die Gegend kutschierte, zum Beispiel Bauernkinder, die fern vom Ortszentrum wohnten. (Die Bauern begannen sich damals erst langsam für Fußball zu interessieren.)

Eine Zeitlang litt ich unter Leistenzerrungen: gefundenes Fressen für einen schwulen Betreuer, der gern die Penisse seiner Schützlinge betrachtet und manchmal betastet. Wir fuhren in ein entfernter gelegenes Krankenhaus, wo ein sogenannter Sportarzt wirkte, der mir, nachdem er mit einem Kugelschreiber einen winzigen Kreis neben meine Hoden gezeichnet hatte, eine Spritze versetzte, und das ziemlich oft, Leistenzerrungen sind hartnäckig.

Der "leidenschaftlichere" Bruder

Es kam vor, dass mich der schwule Betreuer unterwegs betastete. In seinem schon ein wenig klapperigen Wagen fuhr er so langsam, dass ich Angst hatte, irgendwann würde uns einer von hinten rammen, und knöpfte mir die Hose auf. Seine Finger waren mir unangenehm, aber ich sagte nichts. Ich wehrte mich innerlich dagegen, aber schließlich ejakulierte ich - zu meinem Erstaunen. Das Aufseufzen des Betreuers habe ich immer noch im Ohr. Er nannte den Namen meines Bruders und sagte, der sei "leidenschaftlicher" als ich. Oder ein ähnliches Wort, das ich selbst nie gebrauchte.

Ich verstand, dass er meine Widerstandskraft meinte, die er schließlich doch noch gebrochen hatte, bevor wir die Klostermauern erreichten. Der Betreuer fuhr mich noch oft zum Sportplatz oder ins Krankenhaus, er heftete seine Augen noch oft auf meinen Penis, und noch heute behauptet er, ich sei ein großes Fußballtalent gewesen, aber die Hose hat er mir nicht mehr aufgeknöpft. Warum nicht? Seltsam, diese Frage treibt mich nicht um.

Sie wollte ein Geständnis

Die Welt der Erziehung und des Kindersports war und ist voll von Schwulen, das wird sich nicht ändern. Man soll nicht etwas ändern wollen, was nicht zu ändern ist. Man soll auch keine Drogen verbieten, wenn man weiß, dass kein Mensch ohne Drogen auskommen kann (vielleicht ein paar Mönche hinter Klostermauern ...). Man soll die Sexualität nicht verbieten und nicht verdrängen, wenn man weiß, dass so gut wie jeder sie auf seine Weise ausleben muss (außer vielleicht ein paar Mönche hinter Klostermauern ...).

Dass mein Fußballbetreuer schwul ist, wusste meine Mutter, und ich glaube, alle im Ort wussten es, jedenfalls behauptete sie: "Das wissen doch alle, dass er ein Warmer ist." Warum redete sie aber so auf mich ein, wenn sie ohnehin alles wusste? Sie wollte von mir ein Geständnis. Sie wollte aus meinem Mund hören, dass der Betreuer mich verführt hatte. Sie wollte, dass ich sage, was sie wusste. Vorher war sie nicht zufrieden.

Zum Schwulsein bekehren

Sie drang in mich, sie bearbeitete mich mit ihren Sätzen. Ich erinnere mich ganz genau an den Ort, die sogenannte Gaststube, eigentlich ein kleiner Saal, der an den meisten Tagen geschlossen war und den wir, mein Bruder und ich, zum Ballspielen nützten, Stürmer und Tormann, Tormann und Stürmer. Die türkisgrünen Bodenfliesen. Ich sehe mich, am Ende des Verhörs meiner Mutter, auf diesen Bodenfliesen liegen, erschöpft. Ich hatte widerstanden. Ich hatte nichts gesagt. Ich hatte nicht Nein gesagt, aber auch nicht zugegeben, dass mich der Betreuer verführt hatte.

Schließlich war er ein Freund. Ich sah und sehe ihn immer noch, Jahrzehnte danach, als Freund, obwohl - nein: weil ich mich nicht zum Schwulsein habe bekehren lassen. Gibt es das überhaupt, jemanden zum Schwulsein bekehren? Genießen die Pädophilen, die Liebhaber der Knaben, nicht gerade die Überwindung des Widerstands? Ja, wenn er nicht zu stark ist ...

"Die Warmen sind die Pfaffen"

In jenem Kampf mit meiner Mutter konnte ich siegen, weil ich ihr am Höhepunkt der Verzweiflung mit einer Waffe kam, gegen die sie machtlos war. "Die Warmen, das sind die Pfaffen. Deine Pfarrer, Mutter, die sind doch alle warm." Dagegen wusste sie kein Argument. Ich sehe ihren offen stehenden Mund und dann, zwei Sekunden später, die Tränen, das hervorbrechende Schluchzen.

Wir hätten miteinander weinen können, aber sie zog es vor, die Gaststube zu verlassen. Sie schoss regelrecht durch die Schwingtür, durch die an Tagen, wenn ein Autobus kam oder eine Veranstaltung war (zum Beispiel vom Sportverein), die Speisen und Getränke getragen wurden. Keine Versöhnung, der Kampf endete mit meinem kommentarlosen Sieg.

Dass die Pfarrer, die Mönche, die sie grundsätzlich verehrte, so schweinische Sachen treiben könnten, ging über ihr Vorstellungsvermögen. Die Vorstellung davon hätte ihr ganzes katholisches Weltbild zusammenstürzen lassen. Im Krieg, auf dem Bauernhof, als sie ein Mädchen war und auf dem Feld arbeitete, während die Brüder in Russland fielen, hatte die Familie einen widerständigen Pfarrer vor den Nazis versteckt, und nach dem Krieg, vor ihrer Heirat, hatte sie im Stift Kremsmünster als Köchin gearbeitet, und den ersten Sohn weihte sie Gott, sie hätte ihn am liebsten in einer schwarzen Kutte an dem Ort gesehen, an dem sie gedient hatte. Im Internat, wenn wir unserem Hass gegen sie Ausdruck geben wollten, nannten wir sie "die Schwarzen". Die warmen Schwarzen.

Erotische Anziehung als Grundlage für Lehre

Mein Schwuler gegen die deinen, Mutter. Mein Fußballschwuler gegen deine Gotteswarmen. Wer ist stärker? Kommt das alles nicht auf dasselbe hinaus? Müssen wir denn kämpfen? Brauchen wir den Widerstand? Ich gestehe, Mutter, ich bin missbraucht worden. Und ich gestehe, ich habe Widerstand geleistet. Meinen Fußballschwulen aber, den verrate ich nicht, weder dir noch den anderen. Es kommt vor, dass ich ihn treffe, auf einen Kaffee im Gasthaus meines ... Nein, diese Details verrate ich nicht. Heute ist er ein alter, zuweilen fröhlicher, immer noch aktiver Mann, und er lebt immer noch in der Wohnung seiner Mutter, die inzwischen gestorben ist. Wir reden ein wenig über Fußball und Fußballknaben, über den und jenen, die alten Zeiten, etwas anderes interessiert ihn nicht.

Ich könnte ihm sagen, dass dort, wo ich unterrichte, hin und wieder Professoren wegen sexueller Belästigung von Studentinnen entlassen werden, alles in allem zu meinem Bedauern, denn die Universitäten werden auf diese Weise auch nicht besser. Ich würde sagen, dass ich immer noch Sympathien hege für die alte griechische Idee und Praxis, erotische Anziehung, diese unauslöschliche Energie, als Grundlage jeder Lehre und Erziehung zu betrachten.

Da sollten wir nicht schweigen

Ich selbst versuche das zu praktizieren: Umwandlung erotischer in pädagogische Energie, dieses Widerspiel, diese leise Spannung, die man besser nützen als aus rotten sollte. Übertragungsliebe, würde ich sagen, hat Freud das genannt ... Richtig, das ist nicht dasselbe, insofern diese Liebe vom Untergebenen ausgeht. Und doch ein verwandtes Phänomen. Man sollte die Liebe, die Energie, den Eros nicht ablehnen, nicht wegschauen, sondern sich die Energie zunutze machen.

Der Lehrer sollte so sein, sich so verhalten, meinetwegen auch: so aus gebildet werden, dass ihn die Schüler lieben können. Dass die Liebe erwacht, auch die erotische. Was ich hingegen nicht schätze, würde ich zu meinem sanftmütigen Betreuer sagen, ist Gewaltanwendung und Machtmissbrauch. Ein bisschen vielleicht, einverstanden, man kommt ja nicht drum herum. Aber keine Ohrfeigen, keine Penetrationen, kein Gewehr im Schrank. Das ist dann doch etwas anderes.

Da würde ich auch nicht schweigen. Da sollten wir jedenfalls nicht schweigen ...  (Leopold Federmair, Album, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

Leopold Federmair, geboren 1957 in OÖ, war fünf Jahre lang Internatszögling im Stift Kremsmünster. Er lebt als Autor, Übersetzer und Lehrer in Hiroshima. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Letzte Buchveröffentlichungen: "Erinnerung an das, was wir nicht waren" (Roman, Otto-Müller- Verlag 2010); "Der Bedeutende und sein Fachmann" (Essays, Klever-Verlag 2011).>

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Der Kirchen-Terror wird ein bisschen abgemildert:

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24.4.2012: Papst ändert den Text: Der Jude "Jesus" starb nicht mehr für alle, sondern nur noch "für viele"

aus: n-tv online: Papst ändert WandlungsworteJesus starb nicht mehr "für alle"; 24.4.2012;
http://www.n-tv.de/panorama/Jesus-starb-nicht-mehr-fuer-alle-article6104446.html

<Die bei der Kommunion gesprochenen Worte vom Blut Jesus', das "für alle" vergossen worden sei, werden geändert: Künftig lautet diese Stelle, Christi Blut sei "für viele" vergossen werden. Der Papst begründet die Änderung mit dem lateinischen Original, eine inhaltliche Änderung stehe nicht dahinter, betont er.

Papst Benedikt XVI. hat die Deutsche Bischofskonferenz angewiesen, die deutsche Übersetzung der Messworte in einem theologisch zentralen Punkt zu ändern. So soll es in den Wandlungsworten der Eucharistie nicht mehr heißen, dass Jesus  "für alle" Menschen gestorben ist, sondern "für viele".

Der Papst begründete dies mit einer möglichst wörtlichen Übersetzung der in der Bibel überlieferten Worte "pro multis". In seinem von der Bischofskonferenz veröffentlichten Schreiben vom 14. April räumte Benedikt ein, dass seine Anweisung für den normalen Besucher des Gottesdienstes "fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen" erscheinen werde.

Bislang lautet die entsprechende Stelle, die bei der Eucharistie vom Pfarrer gesprochen wird: "Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neues und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis."

Der Papst hielt in seinem Brief trotz der geänderten Übersetzung an der bisherigen theologischen Deutung fest, dass Jesus Christus für alle Menschen gestorben sei. Dies begründet er in seinem Brief damit, dass der Ausdruck in den Evangelien von Markus und Matthäus auf eine hebräische Formulierung beim Propheten Jesaja zurückgehe und damit ein "Semitismus" sei. Benedikt schreibt weiter: "Die Wiedergabe von 'pro multis' mit 'für alle' war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist."

Bereits im Jahr 2006 hatte Rom die Bischofskonferenzen in aller Welt aufgefordert, die Messworte entsprechend zu ändern. Die Deutsche Bischofskonferenz setzte diese Aufforderung bislang jedoch nicht um.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete in einer Stellungnahme den Brief als "Klärung und Abschluss einer Diskussion".

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa>



Dasselbe Thema kam auch im Standard aus Wien:

24.4.2012: < Weisung des Papstes zu Messworten: Jesus nicht mehr "für alle", sondern "für viele" Menschen gestorben>

aus: Der Standard online; 24.4.2012;
http://derstandard.at/1334796132362/Weisung-des-Papstes-Jesus-nicht-mehr-fuer-alle-sondern-fuer-viele-Menschen-gestorben

<Bischöfe müssen Messworte ändern.

Bonn/Rom - Papst Benedikt XVI. hat die Deutsche Bischofskonferenz angewiesen, die deutsche Übersetzung der Messworte in einem theologisch zentralen Punkt zu ändern. So soll es in den Wandlungsworten der Eucharistie nicht mehr heißen, dass Jesus "für alle" Menschen gestorben ist, sondern "für viele". Der Papst begründete dies mit einer möglichst wörtlichen Übersetzung der in der Bibel überlieferten Worte "pro multis".

In seinem am Dienstag von der Bischofskonferenz veröffentlichten Schreiben vom 14. April räumte Benedikt ein, dass seine Anweisung für den normalen Besucher des Gottesdienstes "fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen" erscheinen werde. Der Papst hielt in seinem Brief trotz der geänderten Übersetzung an der bisherigen theologischen Deutung fest, dass sich Jesus Christus für alle Menschen hingegeben hat.

Bereits im Jahr 2006 hatte Rom die Bischofskonferenzen in aller Welt aufgefordert, die Messworte entsprechend zu ändern. Die Deutsche Bischofskonferenz setzte diese Aufforderung bisher jedoch nicht um. (APA, 24.04.2012)>

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26.4.2012: Österreich: Kloster Mehrerau will für Missbrauchsfälle nicht haften

aus: Der Standard online: Missbrauchsprozess: Kloster will für Missbrauch nicht haften; 26.4.2012;
http://derstandard.at/1334796337194/Missbrauchsprozess-Kloster-will-fuer-Missbrauch-nicht-haften

<Jutta Berger

Dem Abt des Bregenzer Klosters Mehrerau, Anselm van der Linde, war die Begegnung mit Gewaltopfern vor Gericht unangenehm.leich zweimal saß der Abt des Zisterzienserklosters Mehrerau, Anselm van der Linde, am Donnerstag vor Gericht. Zwei Opfer sexueller Gewalt fordern vom Kloster zivilrechtlich Schadenersatz.

Feldkirch - Eines hatten die Kläger und der Abt beim Zivilrechtsprozess Missbrauchsopfer kontra Kloster Mehrerau gemeinsam: Alle drei Männer waren angespannt, die Situation war ihnen sichtlich unangenehm. Das war es dann aber auch schon: "Kein Vergleich, wir bleiben bei unserer Haltung", stellte der Anwalt des Klosters, Bertram Grass, klar. Schadenersatzforderungen, im ersten Fall 200.000 Euro, im zweiten 135. 000 Euro, werden wegen Verjährung abgelehnt. Die Opfer sollten sich an die Klasnic-Kommission wenden.

Zwei ehemalige Schüler, beide geben an, von Pater Johannes, ihrem Lehrer und Erzieher, über Jahre missbraucht worden zu sein, klagten das Kloster unabhängig voneinander. Der Einfachheit halber wurde hintereinander verhandelt.

Das erste Verfahren strengte ein 58-Jähriger an. In seinem Fall muss nun das Gericht klären, wann die Verjährungsfrist beginnt. Mit dem Tatzeitraum oder, wie der Betroffene meint, ab dem Zeitpunkt, als ihm der Schaden bewusst wurde. Und das war nach einem Fernsehbericht über Missbrauchsfälle in der Mehrerau 2010. "Warum nicht früher?", will Richterin Birgit Vetter wissen. "Über all die Jahre hat der Teil in mir, der dafür verantwortlich ist, dass ich überhaupt noch lebe, das Geschehen in die Tiefe gelegt", sagt der Kläger. "Sie haben das Ganze verdrängt?", übersetzt die Richterin. Der Mann weint.

Unerwartet verkündet Anwalt Grass einen Gesinnungswandel: Er ziehe die Außerstreitstellung zurück, der Kläger sei nicht glaubwürdig. Bisher hatte das Kloster die sexuellen Übergriffe nicht bestritten, sich aber gegen die Haftung gewehrt. Der Kläger reagiert mit einer Schimpftirade. Die Richterin vertagt, zur Frage der Traumatisierung und Verdrängung wird ein psychologisches Gutachten eingeholt.

Schweigen im Kloster

Im Vergleich zum ersten Kläger wird der zweite vom Klosteranwalt mit Respekt behandelt. Der 46-jährige Mann war als Schüler vom selben Pater sexuell misshandelt worden. Die Intervention seiner Eltern führte 1982 zur Versetzung des Priesters und zur kurzfristigen Suspension.

Die Befragung des Abtes zeigte augenscheinlich, wie von seinen Vorgängern Gewalttaten des Paters vertuscht wurden. Weder eine rechtskräftige Verurteilung aus 1967 noch die Tat oder Suspension 1982 seien im Personalakt, den einzig der Abt führe, vermerkt, sagte van der Linde. Ihm, der seit 1994 im Kloster und seit 2010 Abt sei, waren Gerüchte über den Priester nicht bekannt.

Zur nächsten Tagsatzung wird Altabt Kassian Lauterer geladen. Für das Gericht gilt es die Haftungsfrage zu klären, herauszufinden, wer die Verantwortung trägt. Aussagen soll auch der beschuldigte Priester. Vorausgesetzt, die Ladung kann ihm zugestellt werden. Van der Linde: "Er ist schwer depressiv und suizidgefährdet, er hat mich gebeten, seinen Aufenthaltsort nicht zu sagen."(Jutta Berger, DER STANDARD, 27.4.2012)>

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27.4.2012: Kirchen-Terror: Missbrauch im Kloster Mehrerau in Vorarlberg - und das Schweigen ist nun gebrochen

aus: Der Standard online: Vorarlberg: Kloster Mehrerau: Über Missbrauch "einfach geschwiegen"; 27.4.2012;
http://derstandard.at/1334796455638/Vorarlberg-Kloster-Mehrerau-Ueber-Missbrauch-einfach-geschwiegen

<Jutta Berger,
27. April 2012, 18:48

Für Missbrauch durch einen Pater am Privatgymnasium und Internat Mehrerau muss nun Abt Anselm van der Linde vor Gericht geradestehen.

Trotz bekannter Missbrauchsfälle durfte ein Pater mehrere Jahre am Gymnasium unterrichten. Kloster und Schulbehörde zeigten nicht an.

Bregenz - Eintragungen über einen Missbrauchsfall verschwinden aus dem Personalakt, ein Gerichtsakt ist zwar in aller Munde, aber keiner hat ihn gesehen. Die Schadenersatzprozesse gegen das Kloster Mehrerau werfen immer mehr Fragen auf. Etwa jene, ob die Schulbehörde informiert wurde. Schließlich sind lehrende Patres des Privatgymnasiums mit Öffentlichkeitsrecht Gehaltsempfänger des Landesschulrats.

Pater Johannes, der seine pädophile Neigung und mehrere Übergriffe auf Schüler 2004 bei Polizeieinvernahmen eingestand, unterrichtete im katholischen Elitegymnasium Biologie und Chemie, obwohl er das Studium nie abgeschlossen hatte und obwohl sexuelle Übergriffe und seine Neigung zu körperlicher Gewalt seit 1967 bekannt waren. 1981 wurde er sogar zum Regens, Leiter des Internats, bestellt.

Pater nach Tirol versetzt

1982, nachdem Eltern den Missbrauch ihres Sohnes beim Abt anzeigten, wurde der Pater nach Tirol versetzt, war bis zu seiner Suspension 2010 Pfarrer in Sautens, bis 2002 unterrichtete er an der Volksschule Religion.

Ein Disziplinarverfahren der Schulbehörde wurde nicht durchgeführt. Nach heutigem Recht würde die Handlungsweise des Lehrers zur sofortigen Kündigung führen. "Früher waren die Amts- und Standespflichten mindestens so streng", sagte Jurist Gebhard Heinzle und verweist darauf, dass "die Dienstbehörde grundsätzlich ein Verfahren nachholen könnte". Das Argument Verjährung gelte hier nicht.

Heute, da zwei Gewaltopfer Schadenersatz in der Gesamthöhe von 335.000 Euro einklagen, will man im Kloster von Ermittlungen und einer früheren Verurteilung des beschuldigten Paters nichts wissen.

Schweigen im Kloster

Noch 2004 gab der damalige Abt Kassian Lauterer zu Protokoll, laut Personalakt habe die Polizei 1967 gegen den Pater ermittelt, "weil er sich sexuell an Buben herangemacht hatte". Im März ließ er den PR-Beauftragten des Klosters aussenden: "In den Personalakten gab es keinerlei Unterlagen oder Hinweise." Damals habe man über "derartige Ereignisse einfach geschwiegen". Der amtierende Abt Anselm van der Linde sagte am Donnerstag vor Gericht aus, im Personalakt sei nichts zu finden. Löschungen könne nur der jeweilige Abt vornehmen, antwortete er auf Nachfrage der Richterin.

Nicht auffindbar scheint auch jener Gerichtsakt zu sein, der über die Verurteilung des Priesters Ende der 1960er-Jahre Aufschluss geben könnte. Den Akt anzufordern sei im Zivilverfahren Sache der Parteien, sagt Reinhard Flatz Sprecher des Landesgerichts Feldkirch. "Das ist Aufgabe der Gegenseite, sagt Kloster-Vertreter Ber-tram Grass. Der Anwalt der Kläger, Sanjay Doshi, widerspricht: "Da wir keine der damals involvierten Parteien vertreten, haben wir keine Möglichkeit, zu diesem Akt zu kommen." (Jutta Berger, DER STANDARD, 28./29.4.2012)>

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4.5.2012: <Niederlande: Kirche ließ Kastrationen durchführen> - Journalist Joep Dohmen präsentiert 10 Buben, die von der Kirche kastriert wurden - und die Fälle sind nicht im Deetman-Bericht aufgelistet

aus: Der Standard online; 4.5.2012;
http://derstandard.at/1334797071492/Niederlande-Kirche-liess-Kastrationen-durchfuehren

<Ein dunkles Kapitel der katholischen Kirche kam zutage. In den Niederlanden soll die katholische Kirche die Kastration von zehn Buben verantwortet haben. Die Fälle finden sich nicht im Bericht über die Missbrauchsfälle wieder - was nun Konsequenzen hat.

[Bub Henk H. wurde sexuell missbraucht und zeigte dies an - und wurde deswegen kastriert]

Amsterdam/Wien - Zehn Buben soll die niederländische katholische Kirche in den Fünfzigerjahren kastrieren haben lassen. Einer davon war Henk H., der fast sein ganzes Leben in Heimen verbracht hatte, bis er mit Anfang 20 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Er hatte als Bub im Jahr 1956 Geistliche wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, kurz danach wurde er in ein Spital im niederländischen Veghel eingeliefert und kastriert.

Den Fall hat ein niederländischer Journalist namens Joep Dohmen in der Zeitung NRC Handelsblad aufgedeckt. Zwei Zeugen sollen sich an das Blatt gewandt haben. Die heute um die 80 Jahre alten Männer beteuern, ihnen habe früher keiner glauben wollen. Spiegel Online zitierte Dohmen am Freitag mit den Worten: "Man dachte, der Junge hat die Geistlichen verführt." Ein Medizingeschichte-Experte sagt, es sei damals ein weitverbreiteter Irrglaube gewesen, Sexualität durch Kastrationen " heilen" zu können.

Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung

H.s Geschichte ist der am besten dokumentierte dieser erschreckenden Fälle, doch sie findet sich nicht im Deetman-Bericht wieder. Darin sind 800 Priester und Mönche verzeichnet, die Kinder zwischen 1945 und 1985 missbrauchten - laut Bericht auch Bischöfe. Mitglieder der "Kommission Deetman" wehrten sich gegen den Vorwurf, sie seien über die Kastrationen informiert worden, hätten diese aber nicht publiziert. Es habe kaum Anhaltspunkte für Nachforschungen gegeben. Aufdecker Dohmen bezeichnet diese Begründung als "unverständlich".

In dem Bericht wird auch etwas anderes ausgespart: Die Rolle von Vic Marijnen, 1975 verstorbener Politiker der Katholischen Volkspartei, der 1963 bis 1965 niederländischer Premier war. Er leitete bis 1959 jene Einrichtung, in der H. missbraucht wurde.

Das NRC Handelsblad berichtet, Marijnen habe beim Königshaus versucht zu verhindern, dass Priester, die Kinder missbrauchten, Haftstrafen bekamen. Die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung wurde immer lauter. Nun soll laut Dohmen eine Kommission aus Experten gebildet werden, die herausfinden soll, ob Kastrationen in den Niederlanden öfter vorkamen, berichtet Spiegel Online. (spri, DER STANDARD, 5./6.5 2012)>

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Rom 11.5.2012: "Christlicher" Extremismus: 7 mutmassliche Missbrauchsfälle bei den "Legionäre Christi"

aus: Rom: Legionäre Christi meldeten sieben mutmaßliche Missbrauchsfälle; 11.5.2012;
http://derstandard.at/1336696643181/Rom-Legionaere-Christi-meldeten-sieben-mutmassliche-Missbrauchsfaelle

<Ultrakonservativer Orden äußerte sich gegenüber Vatikan.

Rom - Der ultrakonservative katholische Orden Legionäre Christi hat dem Vatikan nach eigenen Angaben sieben mutmaßliche Fälle von Kindesmissbrauch in seinen Reihen gemeldet. Sechs der Fälle lägen "Jahrzehnte zurück", einer beziehe sich jedoch auf "aktuelle Ereignisse", erklärte der Orden am Freitag. Verdächtige Priester seien vom Dienst entbunden worden. Der Orden gab an, Hinweise auf Missbrauch "in mehreren Ländern" erhalten zu haben. Die sieben gemeldeten Fälle würden "anscheinend stimmen". Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, sagte, die Legionäre Christi folgten mit ihrer Meldung "geltenden Regelungen".

Tausende Missbrauchsfälle in mehreren Ländern hatten die katholische Kirche in den vergangenen Jahren in eine Krise gestürzt. Dem inzwischen verstorbenen Gründer der Legionäre Christi, dem Mexikaner Marcial Maciel, wird vorgeworfen, eine uneheliche Tochter gezeugt und mehrere Seminaristen missbraucht zu haben.

Kritik gibt es in diesem Zusammenhang auch an Papst Benedikt XVI., dem vorgeworfen wird, in seiner Zeit als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandals um Maciel behindert zu haben. Den Legionären Christi gehören etwa 800 katholische Priester in 22 Ländern an. (APA. 11.5.2012)>


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24.5.2012: Dienstmädchen im Vatikan: <Emanuela Orlandi: 15-Jährige soll nach Sexpartys im Vatikan getötet worden sein>

aus: Spiegel online;
24.5.2112;
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-emanuela-orlandi-nach-sexpartys-im-vatikan-verschwunden-a-834962.html

<Katholischer Chef-Exorzist Gabriele Amorth: "Nie an die internationale Spur geglaubt"

Vor fast 30 Jahren verschwand Emanuela Orlandi spurlos aus dem Vatikan. Jetzt berichtet der Chef-Exorzist der katholischen Kirche, die junge Frau sei von Gendarmen der Vatikan-Polizei für Sexpartys vermittelt und später ermordet worden.

Hamburg - "Es ist ein Verbrechen mit sexuellem Hintergrund", da ist sich Gabriele Amorth sicher. Als "globales Oberhaupt der Exorzisten" in der katholischen Kirche genießt der greise Priester das Vertrauen von Papst Benedikt XVI. und rühmt sich, mindestens 70.000 erfolgreiche Teufelsaustreibungen vorgenommen zu haben. Der italienischen Tageszeitung "La Stampa" erzählte er seine Version des rätselhaften Verschwindens der damals 15-jährigen Emanuela Orlandi.

Das im Vatikan lebende Mädchen hatte am 22. Juni 1983 wie gewohnt ihre Musikschule besucht und war dann spurlos verschwunden. Ihr Vater war Ercole Orlandi, Hofdiener von Johannes Paul II. Der Papst selbst appellierte damals an mögliche Entführer, das Kind freizugeben - vergeblich. Seitdem kursieren zahlreiche Mythen und Hypothesen um den ungelösten Fall.

Erst vor kurzem hatte man das Grab des römischen Mafioso Enrico De Pedis in der Basilika Sant'Appolinare ausgehoben. Zeugen hatten zuvor angedeutet, die berüchtigte Magliana-Bande sei in den Fall verwickelt, habe das Mädchen getötet und ihre Leiche in einer Betonmischmaschine entsorgt. Beweise dafür gibt es nicht.

"Ich glaube, dass man innerhalb des Vatikans suchen muss"

Chef-Exorzist Amorth berief sich nun auf einen namhaften Archivar, der behauptet, im Kirchenstaat habe es fragwürdige Feste gegeben, an denen auch ein Gendarm der Vatikanpolizei als "Mädchen-Rekrutierer" beteiligt gewesen sei. "Ich gehe davon aus, dass Emanuela in diesem Umfeld gelandet ist", sagte Amorth. "Zu diesem Kreis gehörten auch Diplomaten einer ausländischen Vertretung im Vatikan."

"Ich habe nie an die internationale Spur geglaubt", so der Priester weiter. Er habe Grund zu der Annahme, dass es sich um einen Fall sexueller Ausbeutung mit anschließendem Mord handele. Die Leiche habe man entsorgt.

Schon in seinem Buch "Der letzte Exorzist", das im Januar herauskam, hatte Amorth bezweifelt, dass Orlandi nach dem Flötenunterricht zu einem Unbekannten ins Auto gestiegen sein könnte, wie es kolportiert worden war. Nur jemand, den das Mädchen gut kannte, hätte sie dazu bringen könne: "Ich glaube, dass man innerhalb und nicht außerhalb des Vatikans suchen muss", so der Priester.

Jahre nach dem Verschwinden ermittelt die Polizei weiter

Amorths Hypothesen stimmen mit dem Inhalt eines anonymen Briefs überein, den Orlandis Mutter erhielt. Darin ist die Rede von einer "Falle", die dem Mädchen in der Sakristei der Kirche Sant'Apollinare gestellt worden sei.

Der damalige Pfarrer der Basilika, Monsignor Pietro Vergari, hatte sich einst dafür ausgesprochen, den verdächtigen Mafioso Enrico De Pedis in der Vatikan-Kirche bestatten zu lassen, und ihn als "Wohltäter" bezeichnet. Die staatlichen Ermittler glauben, dass er eine Rolle bei der Entführung gespielt haben könnte. Er selbst hat das stets von sich gewiesen: "Ich bin ganz ruhig, ich habe nichts zu verbergen."

Bei der Exhumierung der Mafioso-Grabes vor einer Woche hatte die Polizei wider Erwarten keine Mädchenleiche gefunden - allerdings jede Menge einzelner Menschenknochen. Diese werden jetzt in einem Mailänder Labor untersucht und mit der DNA von Orlandi und einem weiteren Mädchen verglichen, das ebenfalls vor 29 Jahren in Rom verschwand. "Sie ermitteln weiter, aber ich sehe nicht, was sie da noch finden könnten", sagte Vergari. Der Geistliche gilt neben vier weiteren Personen als tatverdächtig und wird in Kürze von der Staatsanwaltschaft angehört werden.

Der Bruder des Mädchens, Pietro Orlandi, sagte, die Leiterin der Musikschule habe ihre Mädchen stets davor gewarnt, sich Vergari zu nähern: "Suor Dolores ließ sie nicht zur Messe oder zum Singen in die Kirche Sant'Apollinare gehen (…) weil sie eine schlechte Meinung von Monsignor Vergari hatte und ihm misstraute."

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Rom 14.6.2012: Bei einer zweiten Ehe wird weiterhin das Abendmahl verweigert - <Katholische Kirche "Mord wird verziehen, eine zweite Ehe nicht">

aus: Spiegel online; 14.6.2012;
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-interview-mit-pfarrer-konrad-irslinger-a-838908.html

Papst Benedikt XVI, wiederverheirateter Seehofer: Streitfrage Kommunion

Mehr als 180 Priester und Diakone fordern, wiederverheirateten Geschiedenen das Abendmahl zu gewähren. Unter katholischen Geistlichen wächst die Zustimmung, Bischof Zollitsch hat die Gruppe nun zu einem Treffen eingeladen. Ein Gespräch mit Mitinitiator Konrad Irslinger.

Berlin - Der Ungehorsam unter katholischen Priestern greift weiter um sich. Im Erzbistum Köln hat jetzt ebenso wie in Freiburg eine Gruppe Geistlicher, darunter der ehemalige Caritas-Direktor, Forderungen nach grundlegenden Reformen erhoben. Auch in Bistümern wie Würzburg und Stuttgart-Rottenburg haben sich Priestergruppen als Unterstützer geoutet.

Die Kölner Priester schickten ihren Brief direkt an Kardinal Joachim Meisner. Der musste nun lesen, dass seine Untergebenen den österreichischen "Aufruf zum Ungehorsam" voll und ganz unterstützen. Eine Reaktion Meisners steht noch aus.

In Freiburg hatten sich 177 Priester und Diakone offen zum Ungehorsam bekannt. Ihnen geht es vor allem darum, dass Katholiken, die nach einer Scheidung erneut geheiratet haben, das Abendmahl empfangen dürfen. An diesem Donnerstag hat der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck die Initiatoren der Erklärung zu einem Gespräch eingeladen, an dem auch Erzbischof Robert Zollitsch teilnehmen wird.

Konservative Geistliche vom "Netzwerk katholischer Priester" übten heftige Kritik an der Initiative: "Ein derartiges Vorgehen verdunkelt das Eintreten der Kirche für die sakramentale und unauflösliche Ehe, es trägt Verwirrung und Spaltung in die Pfarreien und ist ein schwerwiegender Angriff gegen jene Ehegatten, die sich nach einer schmerzlichen Trennungserfahrung um ein Leben nach den Weisungen der Kirche bemühen."

Es gebe sehr viel Zustimmung, aber auch einige Belehrungen aus anderen Bistümern, sagt Pfarrer Konrad Irslinger, 63, einer der Initiatoren des Freiburger Aufrufs. Im Interview spricht er über den schwierigen Umgang mit der verbotenen Kommunion.

SPIEGEL ONLINE: Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Brief Sie und alle Unterzeichner der Freiburger Erklärung zum Gehorsam aufgerufen. Werden Sie wieder gehorchen?

Pfarrer Irslinger: Das Wort Gehorsam ist ein schwieriges Wort. Aber unabhängig vom Gehorsam gegenüber dem Bischof gibt es auch einen Gehorsam gegenüber dem Evangelium.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie auf den Druck von oben etwa nicht reagieren?

Irslinger: Der Brief erfordert keine Reaktion von uns. Nur: Jeder soll jetzt entscheiden, ob er seine Unterschrift zurückzieht. Die Überzeugung, dass wir als Pfarrer unserem Gewissen zu folgen haben, ist aber bei den nunmehr schon fast 200 Unterzeichnern größer als der äußere Gehorsam zum formalen Kirchenrecht. Es sind also noch mehr Unterzeichner geworden.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Pfarrer aus anderen Bistümern auf ihre Initiative?

Irslinger: Sehr viele sagen, Gott sei Dank wird das, was uns Pfarrern seit Jahrzehnten unter den Nägeln brennt, endlich öffentlich. Es gibt sehr viel Zustimmung und Anfragen, ob sie bei uns mitmachen können. Wir sagen dann: Fangt doch bitte in eurem Bistum selber an! Wir bekommen natürlich auch einige Belehrungen, wir seien auf dem falschen Weg.

SPIEGEL ONLINE: Papst Benedikt XVI. sagte kürzlich, die Kirche habe keine Patentrezepte für das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen.

Irslinger: Der römische Gedanke ist folgender: Die Ehe ist ein Sakrament und damit unauflöslich. Will jemand eine zweite Ehe schließen, dann zerbricht diese Bindung in der Realität. Aber das Sakrament der Ehe kann man nach Ansicht der Kirche nicht zerbrechen, weil sie unauflöslich ist. Das heißt, er oder sie geht eine neue Beziehung ein und lebt damit in Sünde. Ausnahme: Wenn Sie versprechen, dass die neue Ehe sexuell enthaltsam, das heißt ohne Kinder, bleibt. Nur das erlaubt das Kirchenrecht. Dann lebt man nicht in Sünde.

SPIEGEL ONLINE: Nun kann ja jedem Sünder vergeben werden...

Irslinger: Das ist das Schwierige. Sogar für Mord gibt es Absolution. Eine zweite Ehe kann dagegen nicht bereut und nicht vergeben werden, das ist unlösbar. Wiederverheiratete Katholiken leben so bis an ihr Lebensende in Sünde und wir Pfarrer sollen ihnen alle Sakramente verwehren.

SPIEGEL ONLINE: Und das nehmen die Gläubigen hin?

Irslinger: Die einen sagen, dann rutscht mir doch den Buckel runter, dann habe ich nichts mehr mit dieser Kirche zu tun. Andere leiden darunter und sagen: Wenn die offizielle Kirche das so will, dann ist das recht, aber ich habe mit meinem Pfarrer gesprochen und der sieht das anders. So erteilen viele Kollegen verbotenerweise die Kommunion. Manche entscheiden das für sich alleine und gehen einfach ohne, dass man es als Pfarrer weiß, zur Kommunion.

SPIEGEL ONLINE: Klingt ziemlich verfahren.

Irslinger: Mir hat dabei die ganze Zeit über folgendes geholfen: Während meines Studiums gab es einen jungen Professor namens Ratzinger, der schon vor 40 Jahren einen Lösungsversuch hatte. Ratzinger, der heute Papst ist, erinnerte daran, dass jede Ehe, die außerhalb der katholischen Kirche geschlossen wird, zwar kein Sakrament sei. Aber sie ist ein Sacrum, etwas Heiliges und müsse als solches anerkannt werden. Diese Ratzinger-Aussage hat vielen Menschen geholfen. Ich verstehe nicht, warum er diesen Gedanken als Papst nicht weiter entwickelt hat.

Epilog: Als Benedikt XVI. noch Joseph Ratzinger hieß, schrieb er 1972 in einem Aufsatz zum Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene die rhetorische Frage:

"Wird das Anders-Können hier nicht zur Pflicht der Barmherzigkeit, des recht verstandenen 'Evangeliums'? Wo eine erste Ehe seit langem und in einer für beide Seiten irreparablen Weise zerbrochen ist; wo umgekehrt eine zweite Ehe sich über einen längeren Zeitraum hin als sittliche Realität bewährt hat und mit dem Geist des Glaubens, besonders auch in der Erziehung der Kinder, erfüllt worden ist (so dass die Zerstörung dieser zweiten Ehe eine sittliche Größe zerstören und moralischen Schaden anrichten würde), da sollte auf einem außergerichtlichen Weg auf das Zeugnis des Pfarrers und von Gemeindemitgliedern hin die Zulassung der in einer solchen zweiten Ehe Lebenden zur Kommunion gewährt werden.">

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El Ojo del Perú
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Chile 29-06-2012: denuncias por abuso sexual múltiple contra un sacerdote de la resistencia contra Pinochet: Cristián Precht


Chile 29.6.2012: Anzeigen wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs gegen einen Priester des Widerstands gegen Pinochet: Cristián Precht

de / aus: El Ojo del Perú online: Cura héroe era un diablo; 29.6.2012; Übersetzung von Michael Palomino;
http://ojo.pe/ojo/nota.php?t=cura-heroe-era-un-diablo&txtSecci_parent=0&txtSecci_id=5&txtNota_id=700973

<Sacerdote chileno que enfrentó a Pinochet acusado de abusos sexuales.

La Iglesia Católica chilena anunció que considera "verosímiles" las denuncias por abusos sexuales formuladas contra el sacerdote Cristián Precht, símbolo de la defensa de los derechos humanos durante la dictadura de Augusto Pinochet.

El caso será enviado a la Congregación para la Doctrina de la Fe, dijo el arzobispo de Santiago, Ricardo Ezzati.

Una investigación canónica abierta en octubre del año pasado llegó a la conclusión de que existen "noticias verosímiles de conductas abusivas con mayores y menores de edad" que cometió Precht en los ochenta.

Ezzati indicó que la Iglesia emitió el mismo veredicto ante unas denuncias recibidas también contra el presbítero argentino Alfredo Soiza-Piñeiro, aunque no dio más detalles de cuándo se habrían producido esos abusos sexuales.

Ricardo Ezzati explicó que recibió una de las denuncias contra Precht a finales de agosto del año pasado por supuestos abusos sexuales cometidos contra Patricio Vela, un psicólogo que se suicidó a los 29 años de edad en Estados Unidos.

Cristián Precht difundió una declaración en la que señaló que acoge "con mucho dolor" las conclusiones de la investigación y mostró su disposición a "contribuir con total transparencia" en la indagatoria que realizará la Congregación para la Doctrina de la Fe.

Precht ejerció un destacado papel en defensa de los derechos humanos durante la dictadura de Augusto Pinochet (1973-1990), a la cabeza de instituciones como la Secretaría Ejecutiva del Comité Pro Paz y la Vicaría de la Solidaridad.>


<Chilenischer Priester, der sich gegen Pinochet stellte, wird des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

Die chilenisch-katholische Kirche verkündete, dass sie die Anzeigen weben sexuellen Missbrauchs gegen den Priester Cristián Precht für "glaubwürdig" hät. Er war ein Symbol für die Verteidigung der Menschenrechte während der Diktatur von Augusto Pinochet.

Der Fall wird an die Vereningung der Vertrauensdoktrin geschickt werden, sagte der Erzbischof von Santiago, Ricardo Ezzati.

Eine offene, kirchlische Untersuchungim vergangenen Jahr kam zum Schluss, dass "glaubwürdige Meldungen von Missbrauchsverhalten an Erwachsenen und Minderjährigen" bestehen, die Precht in den 1980er Jahren begangen hat.

Ezzati gab an, dass die Kirche auch gegen den argentinischen Presbyterianer Alfredo Soiza-Piñeiro Meldungen mit dem selben Verdikt vorliegen, obwohl noch keine Details bekannt sind, wann sich die sexuellen Missbrauchsfälle ereignet haben.

Ricardo Ezzati erklärte, dass er Ende August des vergangenen Jahres eine der Anzeigen gegen Precht erhalten habe, worin angeblicher sexueller Missbrauch angezeigt wird, mit Patricio Vela als Opfer, ein Psychologe, der sich mit 29 Jahren in den Vereinigten Staaten das Leben nahm.

Cristián Precht hat eine Erklärung verbreitet, in der er verlauten liess, dass er "mit grossem Schmerz" den Abschlussbericht der Untersuchung zur Kenntnis nehmen werde. Ausserdemo bot er an, bei der Untersuchung "mit voller Transparenz seinen Teil beizutragen", die bei der Vereinigung der Vertrauensdoktrin vor sich geht.

Während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) war Precht einer der Führer bei der Verteidigung der Menschenrechte, z.B. bei Institutionen wie dem Sekretariats des Exekutivkomitees "Für Frieden" und "Vikariat der Solidarität".>


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Salzburg 28.8.2012: <Ehemaliges Heimkind wirft Salzburger Kloster Freiheitsberaubung vor>

aus: Der Standard online; 28.8.2012;
http://derstandard.at/1345165540339/Ehemaliges-Heimkind-wirft-Salzburger-Kloster-Freiheitsberaubung-vor

<Gerichtsbeschluss für Einweisung in Heim nach Volljährigkeit fehlt offenbar - Salzburgerin fordert Lohn für Arbeit im Kloster zurück.

Salzburg - Ein ehemaliges Heimkind wirft dem Kloster St. Josef in Salzburg-Nonntal "Freiheitsberaubung" vor. Die Frau war in den 1980er Jahren vom 14. bis zum 22. Lebensjahr in dem Kloster untergebracht. Für die Jahre nach ihrer Volljährigkeit habe es für die Einweisung in das Heim keinen dafür erforderlichen Gerichtsbeschluss gegeben, erklärte die Salzburgerin gegenüber dem ORF Salzburg.

Seitens der Kongregation der "Schwestern vom Guten Hirten", die für das Kloster zuständig ist, hieß es, dass den Vorwürfen nachgegangen werde und mögliche Ansprüche geprüft würden. "Wenn von unserer Seite ein Fehlverhalten vorliegen sollte, dann bin ich gerne gewillt, mich im Namen der Schwestern zu entschuldigen", sagte Schwester Maria Gratia Schneeweiß gegenüber dem ORF. Das Kloster hatte 1992 das Heim geschlossen.

Keinen Lohn für Arbeit erhalten

Das Heim St. Josef galt damals als geschlossene Erziehungsanstalt. Die Mädchen wurden von der Jugendwohlfahrt und davor über die Fürsorge eingewiesen. Für einen Verbleib über die Volljährigkeit hinaus war ein Gerichtsbeschluss nötig. Die Salzburgerin hatte Einsicht in ihren persönlichen Akt bekommen, fand aber keinen derartigen Beschluss. "Ich bin um einen normalen Berufsstart betrogen worden, weil ich die Welt draußen überhaupt nicht gekannt habe. Ich fühle mich mehrfach betrogen - zum Beispiel um meine Karriere und um meine Pension."

Die Salzburgerin fordert jenen Lohn zurück, den ihren Angaben zufolge das Kloster einbehalten habe. In einem Tagebuch dokumentierte sie, wie sie in den 1980er Jahren putzen gehen und für das Kloster arbeiten musste, ohne dafür Geld zu bekommen. Innerhalb der Klostermauern seien das 40-Stunden-Wochen gewesen, erklärte die Frau. Für diese Arbeitszeiten sei sie auch nicht angemeldet gewesen, und diese Zeiten gingen ihr jetzt als Pensionszeiten ab. Das Geld, das sie für Arbeiten in einer Konditorei außerhalb des Klosters vom Konditor erhalten habe, habe sie im Kloster abgeben müssen. "Aber das Geld habe ich nie gesehen", schilderte die Betroffene, die mit 14 Jahren nach Salzburg gekommen ist und vorher bereits in zwei Heimen in Klöstern untergebracht war.

Wiedergutmachung gefordert

Die Frau wurde bereits von der Klasnic-Kommission als Opfer anerkannt. Darüber hinaus erwarte sie sich an Wiedergutmachung die Rückgabe des abgenommenes Geldes und ihrer Aufzeichnungen sowie eine Entschuldigung. Die Zeit im Kloster St. Josef bezeichnete sie als schrecklich: Alles sei versperrt gewesen, die Fenster vergittert.

Aus der Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch hieß es am Mittwoch, es seien in den vergangenen Tagen Meldungen über körperlichen und sexuellen Missbrauch im Kontext mit der katholischen Kirche eingelangt, aber nicht bezüglich des Klosters St. Josef. (APA, 29.8.2012)>

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Crónica viva del Perú
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22-09-2012: Más de 600 abusos oficiales en la iglesia católica de Australia - cifra inoficial 10.000


22.9.2012: Über 600 offizielle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche von Australien - inoffiziell 10.000
aus: Crónica viva del Perú online: Australia: 600 casos de pederastia de la Iglesia católica ; 22.9.2012;
http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/resto-del-mundo/50702-australia-600-casos-de-abuso-sexual-de-sacerdotes-catolicos

<VICTORIA.- La Iglesia católica romana en Australia ha confirmado que más de 600 niños fueron abusados sexualmente por sacerdotes y que alguno de esos casos se remontan a la década de 1930.

El arzobispo de Melbourne, Denis Hart, dijo que las cifras eran horribles y vergonzosas.

Esta información fue dada a conocer en acatamiento de una investigación parlamentaria sobre los casos de abuso sexual de menores.

Activistas dicen que el verdadero número de abusados podría ascender a 10.000.

Durante su visita a Australia en 2008, el papa Benedicto XVI se reunió con algunas de las víctimas de abuso y pidió disculpas públicas.>



<VICTORIA. - Die katholisch-römische Kirche von Australien hat bestätigt, dass über 600 Kinder sexuellen Missbrauch durch Priester erlitten haben, und dass einige dieser Fälle sich in den 1930er Jahren ereignet haben.

Der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, sagte, dass die Zahlen schlimm und beschämend seien.

Diese Information wurde nach einer parlamentarischen Untersuchung über Missbrauchsfälle an Minderjährigen bekanntgegeben.

Aktivisten meinen, dass die wirkliche Zahl der Missbrauchsfälle aber um die 10.000 sei.

Während des Besuchts in Australien im Jahre 2008 hatte sich Papst Benedikt XVI mit einigen der Opfer getroffen und öffentlich eine Entschuldigung agbegeben.>

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14.10.2012: Immer mehr Kirchenaustritte in Österreich

Bericht von Susanne Scheele aus Wien, 14.10.2012

<Wie gläubige Menschen ticken, ist im nach wie vor katholischen Österreich bekannt, weniger bekannt ist die Gedankenwelt der Atheisten. Der Anteil der Gottlosen an der österreichischen Bevölkerung lässt sich nur schätzen. Laut dem im Vorjahr vom Bundeskanzleramt herausgegebenen Bericht „Religionen in Österreich“ gehören hierzulande etwa 5,9 Millionen Menschen der römisch-katholischen sowie assoziierten Kirchen an, etwa 376.000 den evangelischen Kirchen, rund 340.000 der islamischen Glaubensgemeinschaft, etwa 240.000 sind Mitglieder orthodoxer oder anderer christlicher Kirchen. Gut 960.000 kreuzten bei der letzten Volkszählung den Punkt „ohne religiöses Bekenntnis“ an, etwa 160.000 machten dazu keine Angaben.

Aber die offiziellen Bekenntnisse geben über Glauben oder Nichtglauben nur bedingt Auskunft. Tatsache ist, dass die Zahl der Kirchgänger in vielen Ländern dramatisch sinkt, so auch in Österreich. Besuchten im Jahr 1970 noch 40 Prozent der Katholiken die Sonntagsmesse, so waren es im Jahr 1990 nur noch 27 Prozent, zehn Jahre später gerade noch 18 Prozent. Andererseits: Zum Weltjugendtag samt Papstmesse in Madrid kamen im vergangenen August an die zwei Millionen Jungkatholiken.

Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der antireligiösen, der Aufklärung und dem Humanismus verpflichteten deutschen Giordano-Bruno-Stiftung, registriert zugleich mit der sinkenden Zahl von Kirchenmitgliedern und Kirchgängern ein weltweites Anwachsen von fundamentalistischen christlichen Strömungen – nicht nur in den USA, sondern auch in Lateinamerika und Afrika, aber auch in Europa. Als Beispiel nennt er den von der Presse als „Mähdrescher Gottes“ titulierten evangelikalen deutschen Prediger Reinhard Bonnke, der bei seinen Auftritten in Afrika dreimal so viele Zuhörer anlocke wie der Papst. Auf reges Publikumsinteresse stoße auch die Internetplattform „idea.de“. Das christliche Nachrichtenportal steht der Evangelischen Allianz nahe, einer weltweit aktiven Vereinigung christlicher Gruppen, die sich allein der Bibel verpflichtet fühlen.

Seit einigen Jahren gewinnt aber auch der Atheismus an Boden, wie der deutsche Religionswissenschafter Hubertus Mynarek in seinem 2010 erschienenen Buch „Die neuen Atheisten“ registriert. Mynarek beobachtet ein neues Phänomen im deutschen Literaturbetrieb: „Bücher dezidiert atheistischen Inhalts landen auf den Bestsellerlisten, atheistische Autoren sind gern gesehene Gäste in Talkshows, Verlage, die bisher vornehmlich Bücher christlicher oder dem Christentum nahestehender Autoren verlegten, bemühen sich eifrig um die Bestseller ausländischer Autoren, wenn deren Programm der Atheismus ist.“

Mynarek ist kein einseitiger Beobachter. Er rebellierte schon 1972 als Dekan der katholischen Fakultät der Uni Wien in einem offenen Brief an den Papst gegen den Zölibat, forderte eine Kirchenreform, heiratete, trat als erster deutschsprachiger katholischer Theologe aus der Kirche aus, verlor seine Lehrbefugnis und wurde deshalb vom österreichischen Staat zwangspensioniert. Laut seinem Befund hat sich die Atmosphäre in Deutschland nachhaltig gewandelt. Atheismus werde nicht mehr mit Unmoral gleichgesetzt, Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, würden keine erschrockenen oder verächtlichen Reaktionen mehr hervorrufen.

Diesen Einstellungswandel gegenüber Atheismus und Atheisten führt der Religionswissenschafter auf den fortschreitenden Erosionsprozess zurück, den die beiden Großkirchen in Deutschland und Österreich, aber auch in vielen anderen ­Ländern durchmachen. Zudem erscheint das christliche Welt- und Menschenbild immer verschwommener, was Mynarek auf die zunehmende Säkularisierung der ­postmodernen Gesellschaft zurückführt, die trotz der so genannten neuen religiösen Bewegungen unberirrt weiter fortschreite.

Die Säkularisierung macht auch vor bekennenden Christen nicht halt. Selbst wenn sie den Gottesdienst besuchen, verhalten sie sich im Alltags- und Berufsleben so, als ob es Gott nicht gebe. Sie verlassen sich mehr auf die Segnungen des Sozialstaats und der Versicherungen als auf Gottes Hilfe. Auf diese Weise praktizieren die meisten Menschen eine keineswegs fanatische oder gehässige Gottlosigkeit, sondern eine eher indifferente Abkehr von Gott, indem sie kaum noch Gedanken an ihn verschwenden, außer vielleicht an großen kirchlichen Feiertagen oder bei familiären Ereignissen, die man wie Hochzeit oder Begräbnis mit gewohnten kultischen Handlungen verbindet.

Über diesen hausgemachten, schleichenden Wandel schwappt eine Welle des Atheismus, die vor allem im angloamerikanischen Raum ihren Ausgang nahm. Autoren wie Daniel C. Dennett, Sam Harris und Christopher Hitchens, besonders aber der Brite Richard Dawkins legten in den vergangenen Jahren Bücher vor, die einen viel prononcierteren, frecheren Atheismus propagieren als der, den man bis dahin aus deutschsprachigen Medien kannte.

Die atheistische deutsche Giordano-Bruno-Stiftung lud Dawkins zu einem Vortrag in die Frankfurter Universität und verlieh ihm bei dieser Gelegenheit einen Ehrenpreis. Das mediale Echo der Veranstaltung trug dazu bei, dass Dawkins’ Buch „Der Gotteswahn“ wie zuvor in anderen Ländern auch in Deutschland auf die Bestsellerlisten kletterte.

Die Aggressivität dieses neuen Atheismus ist aber aus der speziellen Situation in den USA viel eher verständlich als aus europäischem Blickwinkel. Denn der amerikanische Atheismus sieht sich einer ­fanatischen christlichen Rechten gegenüber, die danach trachtet, den Staat in eine Quasi­theokratie zu verwandeln. Umso überraschender war der Enthusiasmus, mit dem deutsche Intellektuelle den neuen Atheismus aus Übersee begrüßten. Sie taten dies weniger aus antifundamentalistischen Gründen, sondern vielmehr, weil die Medien bis dahin nur sehr verhalten und kleinlaut über die religionskritische Literatur berichtet hatten. Das triumphale Selbstbewusstsein und der wissenschaftliche Anspruch, mit denen die Autoren aus Übersee ihren Atheismus vortrugen, machten ihnen Mut.

Manche Zeitungskommentatoren überschlugen sich vor Begeisterung. Die „Welt am Sonntag“ schrieb im September 2007 über den „Gotteswahn“, Dawkins habe „das aufregendste Buch des Jahres geschrieben: eine Generalabrechnung mit der Religion.“ Über Christopher Hitchens’ Buch „Der Herr ist kein Hirte“ urteilte der „Spiegel“: „Scharfzüngig, quecksilbrig und klug!“ Die „Süddeutsche“: „Christopher Hitchens zerpflückt mit rhetorischer Brillanz die Mythen von Glauben und Religiosität.“ Und der „Münchner Merkur“ über das Buch „Wir brauchen keinen Gott“ des Franzosen Michel Onfray: „Man muss kein Atheist sein, um dieses brillante Buch zu würdigen – aber man könnte es nach der Lektüre werden.“

Religionswissenschafter Mynarek kommt nach eingehender Textanalyse freilich zu einem anderen Schluss: Bei aller Forschheit des vorgetragenen Atheismus ließen die Autoren bei fast jeder These, die sie aufstellen, genügend Raum für Einwände und Einschränkungen und gäben durchaus auch zu, vieles nicht zu wissen und für manches noch keine Lösung zu besitzen. Jeder, der sich systematisch mit den Schriften der neuen Atheisten befasse, würde darin auf manches stoßen, „das die zweifelsfreie Überzeugung von der Wahrheit des Atheismus ins Wanken bringen kann“.

Inzwischen sind Ausläufer des neu gewonnenen Selbstbewusstseins auch bei Österreichs Atheisten zu erkennen, wenngleich die heimische Szene in vielen Fragen uneins und organisatorisch zersplittert ist. Die Bandbreite reicht von liberalen, Aufklärung, Humanismus und Wissenschaftlichkeit propagierenden bis zu teils aggressiv antireligiösen und antikirchlichen Gruppen. Sie bezeichnen sich als konfessions- oder gottlos, als Agnostiker oder Atheisten. Der Agnostiker weiß, dass er nicht wissen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht. Der Atheist hingegen glaubt zu wissen, dass es keinen Gott gibt. Dawkins bezeichnet sich aus wissenschaftlicher Sicht als Agnostiker, aber eigentlich sei er Atheist, weil er die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes als äußerst gering einschätzt und auch danach lebt.

Der im vergangenen Dezember verstorbene Hitchens und sein Landsmann Sam Harris sind in ihren Büchern noch viel radikaler. Hitchens bezeichnet die Religion als Virus, das die Welt vergifte. Zur Existenz Gottes sagt er: „Was ohne Beweise behauptet werden kann, kann auch ohne Beweise verworfen werden.“ Harris nennt jede Religion eine tickende Zeitbombe, die den inneren Konsens einer Gesellschaft gefährde und den Weltfrieden bedrohe.

So radikal wollen die meisten österreichischen Atheisten gar nicht sein. Gerhard Engelmayer, seit wenigen Wochen neuer Vorsitzender des Freidenkerbundes Österreichs, kritisiert vor allem die „Einbahnstraße Religion“, in die Menschen schon im Babyalter hineingezwungen werden. Aufgrund der gesellschaftlichen Zwänge sei es viel leichter, den Atheismus zu verlassen als Religion und Kirche. Der Freidenkerbund ist die älteste und größte Atheistenorganisation Österreichs, die in der frühen Arbeiterbewegung wurzelt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert traten areli­giöse oder atheistische Gruppen für die Trennung von Kirche und Staat, für die Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen und für eine Zulassung der Feuerbestattung ein. Aus dem im Jahr 1887 in Wien gegründeten „Verein der Konfessionslosen“ ging 1921 der „Freidenkerbund Österreichs“ hervor, der auf 65.000 Mitglieder anwuchs, ehe er 1933 als erste sozialdemokratische Kulturorganisation vom austrofaschistischen Dollfuß-Regime per Notverordnung verboten wurde.

Der 1948 wieder gegründete Verein erhielt aber keine Unterstützung seitens der neuen SPÖ, da diese auf gute Kontakte zur ÖVP bedacht war. Wenngleich offiziell parteiunabhängig, galten die Freidenker aber noch lange als Vorfeldorganisation der SPÖ. Heute gibt es nur sporadische Kontakte zu einzelnen roten und grünen Abgeordneten, allerdings fern der Öffentlichkeit, „weil wenn’s um die Kirche geht, geht jeder in die Knie“, sagt Vereinsvorsitzender Engelmayer. Laut seinen Angaben zählen zu den Vereinsmitgliedern „auch hohe Repräsentanten des Staats, aber ich darf nicht sagen, wer“.

Neben den Freidenkern hat sich eine bunte Szene von Gruppen, Grüppchen und Einzelkämpfern gebildet. Die meisten Aktivisten verfügen über eine akademische Ausbildung und beteuern, manchmal erst auf Nachfrage, ihre Toleranz gegenüber Religion, solange sie Privatsache bleibt, sie bestehen jedenfalls aber auf strenger Trennung von Kirche und Staat. Häufig anzutreffende Berufe sind Naturwissenschafter, Historiker, Philosophen, Künstler.

Manche von ihnen entwickeln bei ihren Aktionen durchaus Kreativität und Witz. Der Wiener Werbefachmann Niko Alm, 36, Vorsitzender des Vereins „Die Konfessionslosen“ sowie Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Österreich, suchte und fand eine Lücke im Gesetz, die es ihm erlaubte, seinen Führerschein mit einem ungewöhnlichen Foto zu schmücken. Im Jahr 2008 fiel ihm ein Folder des ehemaligen FPÖ-Verkehrsministers Hubert Gorbach in die Hände, in dem es hieß, auf Führerscheinfotos seien nur religiöse Kopfbedeckungen erlaubt. Alm ließ sich mit einem metallenen Nudelsieb auf dem Kopf ablichten und schaffte es nach langem Kampf, dass dieses Foto nunmehr seine Lenkerlizenz schmücken darf.

Ein auffallendes Merkmal vieler Atheisten ist, dass sie eine katholische Schule besuchten, teils gepaart mit einem liberalen Elternhaus. Die beiden Pole führten irgendwann, häufig noch in der Pubertät, zu einem „Erweckungserlebnis“, so der Freidenker Ronald Bilik, das ihnen die Augen geöffnet habe gegenüber einer Realität, in der Kirche und Staat viel enger miteinander verknüpft sind, als das allgemein wahrgenommen wird.

Hermann Geyer, studierter Elektrotechniker aus Sulz im Wienerwald, der zwei Jahre lang im Priesterseminar war, um sich dann „aus tiefster Überzeugung“ von Religion und Kirche abzuwenden, schreibt fallweise auf „derstandard.at“ Leserkommentare. Er kritisiert die „religiöse Indoktrination und die Privilegien der Kirche“, aber auch das teilweise „niveaulose Herumgeschimpfe“ von Atheisten, die Szene komme ihm „noch immer erbärmlich“ vor. Trotz Kritik an manchen seiner Mitstreiter beobachtet aber auch Geyer, dass die Aktivitäten der „non prophet organizations“ zugenommen haben.

Ein zentraler Punkt für die Atheistenszene ist nach wie vor die Einführung eines konfessionsfreien Ethikunterrichts anstelle des Religionsunterrichts in Schulen. Im Mai des Vorjahrs wurde dazu eine parlamentarische Enquete unter dem Titel „Werteerziehung durch Religions- u. Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft“ abgehalten. Weil zu der Enquete alle gesellschaftlichen, nur nicht atheistische Gruppen eingeladen waren, schmuggelten die Freidenker den Wiener Physiker Heinz Oberhummer „im grünen Talar“ in die parlamentarische Diskussionsrunde.

Ein praktisches Ergebnis der Aktion steht aber noch aus. Denn nach wie vor herrscht um den aus Steuermitteln finanzierten Religionsunterricht Verwirrung. Eine Mutter: „Meine Tochter nahm in der Volksschule aus Interesse am Religionsunterricht teil. Alle bekamen im Zeugnis einen Einser, sie nur einen Strich, weil sie nicht getauft ist.“ Die Schulsprecherin eines Wiener Gymnasiums durfte den Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der die Schule besuchte, nicht begrüßen, weil sie konfessionslos ist.

Unterdessen sammeln die Aktivisten Unterschriften für die Einleitung eines „Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien“ wie etwa das verpflichtende Kruzifix in Klassenzimmern, teils per Landesgesetz verpflichtende religöse Erziehung in Kindergärten, steuerliche Absetzbarkeit von Kirchenbeiträgen, Befreiung von kirchlichem Besitz von der Grundsteuer, Bezahlung katholischer Lehrer und universitärer Theologen aus Staatsmitteln. In Briefen und teils auch mit Klagen versuchen sie gegen die enge Verquickung von Kirche und Staat vorzugehen. Die Wiener Rechtsanwalts-Partnerschaft Pfletschinger- Renzl brachte im Namen von 120 antireligiösen Aktivisten eine Verfassungsklage gegen die Bevorzugung kirchlicher Organisationen im ORF ein.

In Briefen an Politiker wollen die Atheisten wissen, warum die Kirchen geschätzte zwei Milliarden Euro jährliche Subventionen aus Steuermitteln bekommen, Konfessionsfreie aber nichts. Staatliche Gelder sollten nur für die Erhaltung der Kulturgüter fließen, betont Niko Alm, der schon mal für die Erhaltung des Stephansdoms spendet. Im September wollen die Freidenker mit einer Großveranstaltung am Campus des Wiener Alten AKH an die Öffentlichkeit treten. Doch ihr neuer Vorsitzender Engelmayer beteuert, der Eindruck, dass Atheisten auch gegen private Religiosität seien, sei falsch: „Meine älteste Tochter hat sich als Erwachsene für den Glauben entschieden und taufen lassen. Ich habe ihr dazu gratuliert.“ >

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Deutschland 17.1.2013: Deutsche Telefonhotline bringt das Kalkül katholischer Priester bei fast 8500 Fällen von Kindsmissbrauch ans Licht

aus: n-tv online: Opfer-Hotline offenbart AbgründePriester nutzten schamlos Macht
http://www.n-tv.de/politik/Priester-nutzten-schamlos-Macht-article9965741.html

<Fast 8500 Menschen wählen in den vergangenen zwei Jahren die Nummer der Hotline für Missbrauchsopfer der katholischen Kirche. Was sie berichten, lässt erschauern. Ein vollständiger Bericht über die Anrufe liegt jetzt vor. Trotz aller Bestürzung über die Aussagen der Opfer wird die Telefonnummer stillgelegt.

Katholische Priester haben ihre sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche genau geplant. Das sei eines der "erschütternden Ergebnisse", die die Auswertung der Gespräche bei der Hotline für Missbrauchsopfer erbracht habe, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Triers Bischof Stephan Ackermann. Priester und Diakone hätten "sich das Vertrauen von Kindern erschlichen und diese dann auf schändliche Weise missbraucht" - in der Kirche, in Heimen und in Internaten.

Fast 8500 Gespräche waren bei der Opfer-Hotline der katholischen Kirche geführt worden, die von Ende März 2010 bis Ende 2012 geschaltet war. Die Bewegung "Wir sind Kirche" bedauerte die Einstellung der Telefon-Hotline.

Nach den Gesprächen mit Opfern, die meist über Vorfälle aus dem Zeitraum zwischen 1950 und 1980 berichteten, habe es keine Hinweise auf "zufalls- oder überfallartige Taten" gegeben, sagte Ackermann. Die Täter hätten oftmals "die psychische Wirkung von Riten" wie Gebeten oder Beichten ausgenutzt, um sich an den Kindern zu vergehen.

Aufklärung soll weitergehen

"Besonders erschüttert hat mich, dass die Täter den Minderjährigen vortäuschten, ihre Handlungen seien ein Ausdruck liebender Verbundenheit mit Gott", sagte Ackermann. Mehr als 60 Prozent der Anrufer gaben an, Opfer sexueller Gewalt gewesen zu sein. Die meisten von ihnen waren Männer.

Der Bischof kündigte an, die Aufklärung des Missbrauchsskandals werde auch nach dem Ende der Hotline fortgesetzt. "Wir wollen das Vertrauen nutzen, um mit allen Kräften heute und in Zukunft das Verbrechen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu verhindern." Die Bischöfe würden sich "weiterhin mit gleichbleibender Intensität und Konsequenz um eine gründliche und transparente Aufarbeitung bemühen". Die Kirche geht von insgesamt rund 1200 Opfern aus.

Leiter berichtet: Kaum mehr Anrufe

Zwar sei der Stopp der Missbrauchsstudie in der vergangenen Woche "ein herber Rückschlag" bei der Aufarbeitung gewesen. Die Studie werde aber "zeitnah und solide" neu angegangen, sagte Ackermann. Es gebe bereits mehrere Interessenten. "Ich werde an dem Thema dranbleiben", sagte Ackermann, der seit fast drei Jahren für die katholische Kirche Missbrauchsbeauftragter ist. Vergangene Woche hatte die katholische Kirche eine wissenschaftliche Studie des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer gestoppt. Er warf der Kirche Zensur und Aktenvernichtung vor, was diese zurückwies.

Die Opfer-Hotline gehörte zu einem Maßnahmenpaket, das die Kirche nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im Frühjahr 2010 geschnürt hatte. Sie war als erste Anlaufstelle für Opfer und Angehörige gedacht - und wurde abgeschaltet, weil es zuletzt kaum mehr Anrufe gab, wie der einstige Leiter, Andreas Zimmer, sagte. Die Betroffenen können sich jetzt an Beratungsstellen der einzelnen Diözesen wenden.

"Wir finden es sehr bedauerlich, dass die Hotline eingestellt wurde", sagte Christian Weisner von der Bewegung "Wir sind Kirche". Die Missbrauchserfahrungen beschäftigten die Opfer ein Leben lang und kämen immer wieder hoch. "Die Kirche braucht eine solche Zuhör-Nummer", sagte er. Es wäre ein gutes Zeichen gewesen, die Hotline geschaltet zu lassen, um zu zeigen: "Wir sind weiter bereit, auf Euch zu hören".

Quelle: n-tv.de , dpa>

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Irland 5.2.2013: Katholische Sklaverei in "Wäschereien"

aus: 20 minuten online: Ausbeutung: Missbrauch in katholischen «Wäschereien»; 5.2.2013;
http://www.20min.ch/ausland/news/story/27990110

<In den Jahren 1922 bis 1996 wurden in irischen Arbeitshäusern zehntausende junge Frauen missbraucht. Die irische Regierung hat sich nun dafür entschuldigt.

Irlands Ministerpräsident Enda Kenny hat sich am Dienstag für die Ausbeutung junger Frauen in katholischen Arbeitshäusern in Irland entschuldigt. In den Jahren 1922 bis 1996 wurden laut einem Regierungsbericht bis zu zehntausend Frauen in den Institutionen entrechtet und ausgebeutet.

Zeuginnen berichteten, ihnen seien von den dort tätigen Nonnen neue Namen gegeben worden und sie hätten von früh bis spät unentgeltlich arbeiten müssen. Kindern wurde jede Bildung vorenthalten. Nutzniesser der Arbeitshäuser, die «Wäschereien» genannt wurden, waren unter anderem die Regierung, die Armee und Privatunternehmen.

Schaurige Zeugenberichte

Dem Bericht zufolge gab es keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch. Zehn Prozent der Mädchen und Frauen wurden von ihren Familien in die Einrichtungen geschickt, 19 Prozent kamen auf eigenen Wunsch.

Allerdings gab es Zeugenberichte, wonach die Frauen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angelockt worden waren. Oft waren es unehelich geborene Mädchen, Mütter unehelicher Kinder oder Lernbehinderte.

Maureen Sullivan, einer der Betroffenen, sagte am Dienstag vor den Medien: «Es geht darum offenzulegen, wie furchtbar diese Orte waren, wie grausam sie waren.» Der Orden der Sisters of the Good Shepherd teilte mit, aufgrund von Datenschutz könne über individuelle Fälle keine Auskünfte gegeben werden.

(sda)>

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Stift Kremsmünster (Österreich) 9.2.2013: Pädophil-krimineller Pater und pädophil-krimineller Kinderarzt "arbeiteten zusammen"

aus: Der Standard online: Stift Kremsmünster: Pater arbeitete mit pädophilem Kinderarzt zusammen; 9.2.2013;
http://derstandard.at/1360161266656/Stift-Kremsmuenster-Verdaechtiger-Pater-arbeitete-mit-paedophilem-Kinderarzt-zusammen

<Franz Wurst hatte 40 Sexualdelikte begangen, seine Frau ermorden lassen und Genitalien von Schülern vermessen.

Kremsmünster/Klagenfurt - Jener ehemalige Pater des Stiftes Kremsmünster in Oberösterreich, der wegen Missbrauchs vor einer Anklage stehen dürfte, arbeitete in den 1970er-Jahren mit dem pädophilen und wegen Mordes verurteilten, mittlerweile verstorbenen Kinder- und Jugendpsychiater Franz Wurst, zusammen. Das ergeben Akten der Staatsanwaltschaft Steyr, aus denen die "Oberösterreichischen Nachrichten" in ihrer Samstag-Ausgabe zitierten und die auch der APA vorliegen. Ein erstes Ermittlungsverfahren nach Missbrauchsvorwürfen gegen den 79-Jährigen gab es offenbar bereits 2007.

Psychologische Tests an Schülern

Der Klagenfurter Dozent Wurst sei bei den psychologischen Tests, die an neuen Schülern durchgeführt wurden, sein "ständige Begleiter" gewesen, sagte der Ex-Pater laut den Protokollen aus. Er habe mit ihm oft längere Gespräche geführt. Wurst habe dabei die Ansicht vertreten, dass bei jedem Buben spätestens in der Pubertät untersucht werden müsse, "ob seine Genitalien medizinisch in Ordnung sind". Der Arzt habe auch in Kremsmünster die Genitalien von Schülern vermessen und ihn von der Nützlichkeit und Notwendigkeit dieser Maßnahme überzeugt. Nach Wursts Ausscheiden habe er gelegentlich, "wo es mir wünschenswert schien", dessen Rat weiter befolgt.

Pädophile Neigung

Der ehemalige Geistliche gibt auch zu, dass er eine "homoerotische" und eine pädophile Neigung habe. Die Untersuchungsmethoden Wursts hätten ihn aber höchstens unterbewusst erregt. Erste Ermittlungen gegen den Ex-Pater gab es bereits 2007, als im Zusammenhang mit einer anderen Causa Missbrauchsvorwürfe auftauchten. Das Verfahren wurde damals aber wegen Verjährung eingestellt. Die aktuellen Ermittlungen dürften allerdings schwererwiegende Vorwürfe ans Tageslicht gebracht haben. Eine Anklage könnte unmittelbar bevorstehen.

Der im Jahr 2008 verstorbene Franz Wurst war als Kinderarzt und Kinderneuropsychiater in Kärnten tätig. Nach einem tödlichen Treppensturz seiner 78-jährigen Frau, flog die ausgeprägte Pädophilie von Wurst auf. Bei Ermittlungen fand die Polizei heraus, dass ein 19-jähriger "Patensohn" von ihm angestiftet worden war, seine Frau zu ersticken.

Im Prozess 2002 wurden Wurst neben dem Mord auch insgesamt 40 schwere sexuelle Straftaten gegen Minderjährige zur Last gelegt, die er seit 1968 begangen hatte. Er wurde zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt, wegen Haftunfähigkeit aber bereits nach vier Jahren wieder entlassen. Er starb im April 2008. (APA, 9.2.2013)>

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"USA" 4.3.2013: Finanzangestellte entlassen, weil sie Sex vor der Ehe hatte - und nun soll der Richter entscheiden

aus: 20 minuten online: San Diego: Schule feuert Angestellte wegen Sex vor der Ehe; 4.3.2013;
http://www.20min.ch/panorama/news/story/17321212

<Eine christliche Schule hat eine Finanzspezialistin fristlos entlassen – weil sie vorehelich Geschlchtsverkehr gehabt hatte. Sie wehrt sich nun und zieht den Fall vor Gericht.

eri James arbeitete als Finanzspezialistin für ein christliches College im US-Bundesstaat San Diego. Vergangenen Oktober zitierte sie ihr Vorgesetzter in sein Büro und fragte sie geradeheraus: Sind Sie schwanger? Die 29-Jährige bejahte – und wurde fristlos entlassen. 

Denn die junge Frau war nicht nur schwanger, sondern auch unverheiratet. Das heisst, sie hat sich vorehelichem Sex hingegeben – ein klarer Verstoss gegen die Schulregeln. Sie hatte, wie alle anderen Angestellten des Colleges, eine Vereinbarung unterschrieben. Darin steht, dass sich Schüler und Angestellte Drogen, Alkohol und Tabak zu enthalten hätten, ebenso wie «ausfallendem Ärger, Böswilligkeit, Eifersucht, Lust, unmoralischem sexuellen Verhalten wie vorehelichem Sex, Ehebruch, Pornografie oder Homosexualität.»

Nicht der erste Fall

Nun wehrt sich Teri James mit einer Klage gegen ihre Entlassung, berichtet «Today». Sie sei diskriminiert worden. Sie habe die Vereinbarung zwar unterschrieben, aber nie damit gerechnet, dass sie ihre Stelle verlieren würde, sollte sie dagegen verstossen. Ausserdem habe die Schule ihrem damaligen Verlobten (mit dem sie jetzt verheiratet ist) eine Stelle angeboten, obwohl sie gewusst habe, dass auch er Sex vor der Ehe hatte. Er hat den Job nicht angenommen.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass in den USA eine Frau aus diesem Grund entlassen wird. Letztes Jahr entschied ein Berufungsgericht in Florida, dass eine Lehrerin ihre Schule verklagen könne, weil sie diese wegen vorehelichem Geschlechtsverkehr entlassen hatte. Die Richter kamen zum Schluss, die Schule habe sie loswerden wollen, weil sie keinen Ersatz für die Lehrerin während ihrer Schwangerschaftsabwesenheit suchen wollte, schreibt «Reuters».

Im Jahr 2011 wurde in Ohio eine Lehrerin wegen künstlicher Befruchtung gefeuert. Sie habe gegen die katholische Doktrin verstossen und somit ihren Vertrag nicht eingehalten. Sie wehrte sich vor Gericht, wurde aber abgewiesen.

Rechtliche Situation unklar

Vielleicht hat Teri James in San Diego mehr Erfolg. Sie hofft, dass der Gerichtsfall das Leben der Frauen verändert, die bei christlichen Organisationen angestellt sind. «Sie können Menschen doch nicht so behandeln, wenn sie behaupten, für Liebe und Barmherzigkeit einzustehen.»

Die rechtliche Situation ist schwammig. Die Gleichberechtigungs-Rechtlerin Christine Nazer sagt gegenüber «Today», Organisationen dürfen von einer Angestellten verlangen, keinen vorehelichen Sex zu haben – sie aber nicht entlassen, weil sie schwanger wird.

(rey)>

Kommentar: Und was hätte "Jesus" gesagt?

Was hätte denn "Jesus" selbst dazu gesagt? Damals wurde normalerweise schon mit 12 bis 13 Jahren geheiratet, und es gab keine Weltkriege so wie heute.

Michael Palomino, 4.3.2013


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