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England. Meldungen (Teil 1)

Kurioses und Eigenartiges

präsentiert von Michael Palomino

Ende 2014 wurde die Webseite www.geschichteinchronologie.ch in www.hist-chron.com umgewandelt.

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BLICK-Logo

19.7.2007: <Flut machte Grossbritannien zur Insel>

BLICK online, 19.07.2007; http://www.blick.ch/news/wissenschaftundtechnik/news29181
<PARIS – Grossbritannien ist einer Studie zufolge durch eine Flutkatastrophe vom europäischen Festland getrennt worden. Die Flut sei wahrscheinlich durch einen Dammbruch an der heutigen Meerenge zwischen Frankreich und England ausgelöst worden. Dadurch habe sich vom heutigen Nordseebecken ein grosser Gletschersee über ein Tal entleert. Es sei eine der grössten Fluten der jüngeren Erdgeschichte gewesen, heisst es in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Nature». Der Wissenschafter Sanjeev Gupta vom Londoner Imperial College und seine Kollegen untersuchten eine dreidimensionale Karte von Teilen des Ärmelkanals. Sie wurde mit Hilfe von hochauflösenden Sonaruntersuchungen erstellt, wie es in «Nature» hiess. Dabei hätten die Wissenschafter das Tal entdeckt, das Spuren einer starken Erosion durch Wasser aufweise. (SDA)>

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Spiegel
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3.10.2010: Druidentum wird als Götterglauben an Naturgötter anerkannt

Der Glaube an die Technik oder an immer dasselbe Buch hat ausgedient. Aber lesen Sie selbst:

aus: Spiegel online: Naturglauben: Briten erheben Druidentum zur Religion; 3.10.2010;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,720954,00.html  

<Sie himmeln die Sonne an und beschwören Geister, die aus Flüssen aufsteigen: Druiden glauben an Naturgötter. In Großbritannien dürfen sie ihr Heidentum jetzt offiziell als Religion leben - mit allen Steuervorteilen.

Druiden ähneln nicht selten Miraculix, dem Weißbärtigen aus den Asterix-Geschichten, der Zaubertränke anrührt. Auch die wirklichen Vertreter des Naturglaubens tragen häufig Bärte und Kutte. Viele Druiden treffen sich regelmäßig in Südengland am Steinkreis von Stonehenge. Sie beten die Sonne an, verehren die Kräfte der Natur wie Blitz und Donner.

In Großbritannien können sie ihren heidnischen Glauben jetzt offiziell als Religion ausleben. Die zuständige Kommission hat das Druidentum als gemeinnützig eingestuft. Die Verehrung von Naturgottheiten könne als "religiöse Aktivität" gesehen werden, urteilte die britische Charity Comission. Damit erhalten Druidengemeinschaften Steuerermäßigungen für Spenden; sie sind darin jetzt den christlichen Kirchen gleichgestellt. Die Entscheidung verschaffe der alten Tradition eine "neue Gültigkeit", sagte Phil Ryder, der Vorsitzende des Druidennetzwerks.

Jedoch sei das Einkommen der Gemeinschaften zu gering, als dass sich der Vorteil bemerkbar machen würde, erklärte das britische Druiden-Netzwerk: "Wir haben uns nicht deswegen um den Status beworben, sondern weil wir es aus rechtlichen Gründen mussten", sagte Ryder der BBC.

Fast fünf Jahre hatten Druiden für eine Anerkennung durch die Kommission für Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen gekämpft. Voraussetzung für die Anerkennung ist der Nachweis eines schlüssigen und ernsthaften Glaubens an höhere Wesen und einen moralischen Rahmen für die Gemeinschaft. Der Antrag war zunächst abgelehnt worden, in den vergangenen Tagen traf die Kommission dann jedoch eine positive Entscheidung.

Von anderen Religionen abgewandt

Das Druidentum spreche Menschen an, die sich von monotheistischen Religionen abwendeten, aber trotzdem Sehnsucht nach einem spirituellen Aspekt in ihrem Leben hätten, erklärt Adrian Rooke, Druide und Rechtsberater. Die alte Tradition "erhebt die Seele". Angesichts der zunehmenden Knappheit von Ressourcen werde es immer wichtiger, dass die Menschen eine Beziehung mit der Natur gestalten könnten.

Bei Druidenzeremonien kommen Rituale wie Tänze und Gesänge zum Einsatz. Manche Druiden beschwören Geister, die aus Bergen und Flüssen aufsteigen. In Großbritannien gibt es etwa 10.000 praktizierende Druiden - Tendenz steigend, wie die Mitglieder erklären.

Das Druidentum gilt als eine der ältesten spirituellen Aktivitäten der Menschheit. In vorchristlicher Zeit sollen Druiden bei den Kelten als religiöse Führer, Richter und Weise gewirkt haben - vor allem auf dem Gebiet der heutigen Länder Irland, Großbritannien und einem Teil Frankreichs, dem früheren Gallien.

Schriftliche Überlieferungen jedoch gibt es kaum, oder sie stammen aus zweifelhaften Quellen, von Historikern, die zu späteren Zeiten gelebt haben. Das Vorbild heutiger Druiden, sich in Kapuzenkutte zu kleiden, soll auf einen irischen Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert zurückgehen.

boj/dapd/dpa>

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Financial
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10.12.2010: Wikileaks enthüllt: Shell regiert faktisch Nigeria

aus: Financial Times Deutschland: Shells Einfluss in Nigeria; 10.12.2010;
http://www.ftd.de/politik/international/:wikileaks-splitter-was-shell-und-pfizer-in-nigeria-trieben/50203765.html

<Der Ölkonzern Shell  soll alle für seine Geschäfte relevanten Ministerien in Nigeria unterwandert haben. Die US-Diplomaten berichten von einem Treffen mit der Shell-Topmanagerin Ann Pickard. Sie habe ihnen einen Brief gezeigt habe, aus dem hervorgehe, dass Nigeria China aufgefordert habe, sich um Ölkonzessionen zu bewerben. "Sie sagte, die Regierung habe vergessen, dass Shell Abgesandte in allen wichtigen Ministerien habe und dass Shell folglich Zugang zu allem habe, was in diesen Ministerien passiere."

Nigeria ist Afrikas größtes Erdölexportland. Jahrzehntelang beherrschten Ölkonzerne wie Exxon Mobil , Total  und Shell den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes. Von Mitte 2006 bis zu einer Amnestie im vergangenen Jahr waren die Ölanlagen Ziel zahlreicher Anschläge.

Laut einer Depesche vom September 2008 wollte Pickard ihre Geheiminformationen mit den US-Vertretern teilen. Doch ganz geheuer war ihr das offenbar nicht: "Pickard hat uns wiederholt gesagt, sie spreche nicht gerne mit Vertretern der US-Regierung, weil es dort undichte Stellen gebe", heißt es in dem Dokument.
Der Ölkonzern bezeichnete die Berichte als unwahr. Shell werde sie nicht weiter kommentieren. (FTD.de)>


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E-mail to the parents of not found Maddie


INTERNATIONAL CRIMINAL PEDOPHILE CIRCLE HOSTED IN BASEL IN HIGH STREET BANK UBS AG WITH HIGH RANKED POLITICIANS AND BANKERS - mention this or publish it


to: investigation@findmadeleine.com


Hello parents of Maddie,

I am logic analist historian with my web site www.hist-chron.com from Switzerland, but I live 3 years in Peru allready.

Since 1 year there is a person from Basel justice (a daughter from Hungerbuehler family, the dad was Crown prosecutor) informing me step by step about real corrupt political life of Switzerland, and there is the following information since 6 months: There is a big criminal pedophile ring with high ranked politicians and bankers of whole Europe, hosted in Switzerland in Basel by the Basel part of high street bank UBS AG (this part was called "Bankverein" before 1999 before it merged with UBS in Zurich). They organize "parties" abusing children all over the world.

This criminal pedophile circle hosted in Basel uses black money from UBS to pay their victims which are not adult. The circle's name is "Animal Circle" (orig. German "Tierkreis") because the members are called like animals. So there is an "Eagle", there is a "Horse" and so on.

There were reports about this big criminal pedophile ring in the 1990s, translated in English here:

http://www.hist-chron.com/eu/ch/kr/criminal-pedophile-ring-Animal-Circle-Basel-news-ENGL.html

But at the end Swiss justice had not the power to publish the member's list and had not the power for detentions because there are absolutely high ranked politicians and bankers in this secret circle. There are also ex UBS employers in Swiss government  protecting UBS.

According to the Hungerbuehler daughter members in this circle are ex Federal Chancellor of Germany Schroeder, ex UBS banker Ospel, ex member of Swiss government Deiss and so on. These criminal acting persons were not detained yet because federal prosecutor's office of Switzerland was too weak.

It can be that your Maddie is within this criminal pedophile mafia living in Germany, this said my contact person of Basel justice from family Hungerbühler. And also other robbed children can be in this circle.

I made a short speech about Switzerland and mentioned this criminal pedophile circle which is a part of the "international relations" of Switzerland, and not only that is corrupt in Switzerland:

http://www.youtube.com/watch?v=8TwSwgs-c2A (German version)

and a friend made an English version here:

http://www.youtube.com/watch?v=X65MlY6wH6I&feature=iv&annotation_id=annotation_495619

Now, about 5 days later, my confidant of Basel justice from Hungerbuehler family is indicating that Swiss justice will begin with actions against this pedophile circle. And she writes, when you could mention or even publish a little bit about this criminal international pedophile circle hosted in Basel called "Animal Circle" on your web site or in other media or by English justice, so this would be good because Swiss justice can act faster when there is also power from abroad.

Kind regards, and also for all children robbed (I have also seen in Chile posters indicating "vanished" children).

Michael Palomino
http://www.hist-chron.com

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n-tv
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19.7.2011: Enthüllungsjournalist ist tot - er brachte den Abhörskandal von "News of the World" ans Licht

aus: n-tv online: "News of the World"-Skandal: Enthüllungsjournalist tot; 19.7.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Enthuellungsjournalist-tot-article3840361.html

<Sean Hoare hatte wohl nicht nur ein Problem.

Der Reporter Sean Hoare bringt brisante Informationen über die Arbeitsweise des Boulevardblatts "News of the World" ans Licht. Die Folgen sind bekannt: Medienmogul Murdoch gerät in Erklärungsnot, die Zeitung muss schließen, hochrangige Beamte treten zurück. Jetzt wird der Journalist tot in seiner Wohnung aufgefunden. "Nicht verdächtig", meint Scotland Yard, der selbst in die Affäre verwickelt ist.

Der Abhörskandal in Großbritannien wird immer dramatischer: Ein früherer Reporter des Boulevardblatts "News of the World", der brisante Details der Affäre öffentlich gemacht hatte, ist tot. Die Leiche des Enthüllungsjournalisten Sean Hoare sei in seinem Haus in Watford nördlich von London entdeckt worden, teilte Scotland Yard mit. Die Umstände des Todes erschienen jedoch nicht verdächtig. Laut der Zeitung "The Guardian" hatte Hoare seit Jahren Alkohol- und Drogenprobleme.

In Interviews hatte der Journalist im vergangenen Jahr behauptet, dass der frühere Chefredakteur der mittlerweile eingestellten Boulevardzeitung "News of the World" und spätere Pressechef von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, über das Abhören von Handys informiert gewesen sei.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hatte sich Anfang Juli zur Schließung des Blattes gezwungen gesehen, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten.

Scotland Yard selbst im Zwielicht

Zuletzt war in der Affäre auch die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard unter Beschuss geraten. Nachdem Polizeichef Paul Stephenson am Sonntagabend wegen angeblichen Verbindungen seiner Behörde zu News International zurücktrat, folgte am Montag der ranghohe Beamte John Yates. Er hatte 2009 entschieden, dass trotz neuer Vorwürfe keine neuen Ermittlungen aufgenommen wurden.

Die Hackergruppe Lulz Security knackte unterdessen die Internetseite der Boulevardzeitung "The Sun" und vermeldete in einer Falschmeldung den angeblichen Tod Murdochs. Die Zeitung löschte die Meldung, wonach der 80-Jährige tot in seinem Garten aufgefunden wurde, kurz nach der Veröffentlichung am Montagabend. Eine Sprecherin von News International sagte, die britische Zeitungsgruppe habe Kenntnis von dem Onlineangriff.

dpa/AFP/rts>

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20 minuten
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19.7.2011: Die Spanner-Polizei von "Scotland Yard" - und ein Chef nimmt einen "Hut"

aus: 20 minuten online: Scotland Yard: Der Mythos von der "anständigen" Polizei; 19.7.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/22440419

<
von Peter Blunschi -

Scotland Yard galt lange als beste Polizei der Welt. Korruption und Rassismus haben ihren Ruf jedoch schon vor dem Murdoch-Abhörskandal beschädigt.

Polizeichef Paul Stephenson bei seinem Amtsantritt im Januar 2009 vor dem Scotland-Yard-Hauptquartier. Jetzt musste er den Hut (oder die Mütze) nehmen.

Erst ging am Wochenende Polizeichef Paul Stephenson. Dann folgte am Montag sein Stellvertreter John Yates. Stephenson begründete seinen Rücktritt mit «Spekulationen und Anschuldigungen» über Verbindungen seiner Behörde zur Zeitungsgruppe News International von Rupert Murdoch. Yates hatte 2009 entschieden, dass trotz neuer Vorwürfe keine Ermittlungen im Abhörskandal um das Revolverblatt «News of the World» aufgenommen werden.

Die beiden Scotland-Yard-Chefs betonten, sie hätten sich nichts vorzuwerfen. Dennoch wirft ihr Rücktritt ein grelles Licht auf eine Institution, die vor allem ausserhalb Grossbritanniens den Ruf einer effizienten und integren Polizeitruppe geniesst. Unzählige Bücher, Filme und Fernsehserien haben den Mythos der Londoner Polizei verbreitet. Im deutschen Sprachraum waren es vor allem die Edgar-Wallace-Verfilmungen in den 1960er Jahren.

Bobbys und moderne Methoden

Gegründet wurde der Metropolitan Police Service (MPS), so der eigentliche Name, 1829 vom damaligen Innenminister Robert Peel. Eine schlagkräftige Polizeitruppe mit knapp 1000 Mann sollte in einer Stadt, die bereits damals mehr als zwei Millionen Einwohner zählte, für Ordnung sorgen. Die Bezeichnung Scotland Yard stammt von der ersten Adresse im Regierungsviertel Whitehall. Sie hat sich gehalten, obwohl die Polizei zweimal, 1890 und 1967, ihr Hauptquartier gewechselt hat. Der Standort heisst heute New Scotland Yard.

Nach ihrem Gründer wurden die Polizisten bald Bobbys genannt. Mit ihren schwarzen Uniformen, den unförmigen Helmen und nur mit einem Knüppel «bewaffnet» wurden sie zu einem lebenden Wahrzeichen Londons und zum Symbol für höfliche und bürgernahe Ordnungshüter. Zum Ruhm trug auch die Kriminalabteilung bei, die als erste moderne Fahndungsmethoden wie Fingerabdrücke und Telegrafen einsetzte. Scotland Yard war auch die erste Polizeibehörde, die über ein gerichtsmedizinisches Labor verfügte.

Arroganz und Misswirtschaft

Die Geschichte des Yard besteht längst nicht nur aus Erfolgen. So gelang es nicht, den legendären Prostituiertenmörder Jack the Ripper zu überführen. Ab den 1970er Jahren erhielt der Mythos endgültig Kratzer. Als Polizeichef Robert Mark 1972 sein Amt antrat, zeigte er sich laut CNN erstaunt über Arroganz und Misswirtschaft bei Scotland Yard. «Die Bewährungsprobe für eine anständige Polizei ist, ob sie mehr Verbrecher fängt als beschäftigt», sagte Mark seinen Untergebenen.

Die vermeintliche Provokation war begründet. Vor allem Spezialeinheiten der Londoner Polizei hatten ein Eigenleben entwickelt, in dem das Fabrizieren von Beweismaterial oder die Annahme von Bestechungsgeldern von Unterweltfiguren an der Tagesordnung waren. Mehrere hohe Beamte wanderten wegen Korruption selber hinter Gittern, Dutzende weitere wurden gefeuert. Doch auch in späteren Jahren wurden immer wieder Korruptionsfälle aufgedeckt.

In den 80er und 90er Jahren wurde Scotland Yard zusätzlich von Rassismus-Vorwürfen erschüttert. Eine nach der Ermordung eines schwarzen Teenagers 1993 eingeleitete Untersuchung bescheinigte der Polizei, die kaum Angehörige von Minderheiten beschäftigte, «institutionellen Rassismus». Für negative Schlagzeilen sorgte auch die Erschiessung des 27-jährigen Brasilianers Jean Charles de Menezes kurz nach den Terroranschlägen im Juli 2005 an einer U-Bahn-Haltestelle. Man hatte ihn mit einem Terrorverdächtigen verwechselt.

Tausende Promis abgehört

Nun bringt der Abhörskandal Scotland Yard erneut ins Zwielicht. Er zeigt die grosse Nähe von Polizisten und Journalisten des Murdoch-Verlags, wobei für heisse Infos auch Geld geflossen war. Für ein «Erdbeben» könnten gemäss der «New York Times» sechs Säcke mit rund 11 000 Seiten handschriftlicher Notizen sorgen, die in einer Asservatenkammer von Scotland Yard gefunden wurden. Sie sollen belegen, dass Polizisten tausende Promis und Verbrechensopfer im Auftrag von «News of the World» abgehört haben.

Hinzu kommt das «Drehtür-Prinzip»: Der ehemalige «News of the World»-Vizechefredaktor Neil Wallis arbeitete als PR-Berater für Scotland Yard, umgekehrt heuerte ein ehemaliger Polizist als Kolumnist beim Murdoch-Blatt «The Times» an. Eine interne Untersuchung soll nun Klarheit schaffen. Doch das Volk ist skeptisch. In einer Umfrage erklärten 63 Prozent laut CNN, die Londoner Polizei habe an Vertrauen eingebüsst.>

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20 minuten
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22.7.2011: Englischer Pöstler stapelt über 31.000 Pakete und Briefe bei sich zu Hause - weil er zu betrunken sei - und klaute das Geld aus der Post

aus: 20 minuten online: "Ich war zu betrunken" - der faulste Pöstler Englands; 22.7.2011;
http://www.20min.ch/people/international/story/Der-faulste-Poestler-Englands-16453269

<Ein britischer Postangestellter stapelte über 31 000 Pakete und Briefe bei sich zuhause - weil er zu betrunken war, um diese auszuliefern.

Der 43-jährige Steve Tasker hortete eine beachtliche Menge an Briefen, Postkarten und Paketen bei sich im Keller und im Gartenhäuschen. Die meisten wickelte er in Plastikfolie oder Einkaufstüten, um sie trocken zu halten - mit der Hoffnung, er würde die Pakete dann doch noch irgendwann auszuliefern.

Doch anstatt die Post ihren rechtmässigen Besitzern auszuhändigen, öffnete er verschiedenste Geschenkkarten und steckte dabei umgerechnet 266 Schweizer Franken in seinen eigenen Sack.

Zu diesem Zeitpunkt war Tasker zwölf Jahre lang schon als Pöstler aktiv. Er wurde im September 2010 unter Beobachtung gestellt, da sich einige Bürger bei der «Royal Mail» beschwert hatten, sie bekämen ihre Post nicht mehr vollständig. Bei den Observierungen fing er meistens seine Runde nicht vor zwölf Uhr mittags an. Um 14.00 Uhr beendete er seine Runde, wobei 300 Pakete immer noch nicht ausgeliefert waren.

Das Sendedatum geht bis zum März 2007 zurück

Später gab er zu, das Postbüro um neun Uhr verlassen zu haben. «Ich ging nach Hause, um zu frühstücken, später ein wenig einkaufen, und dann war ich irgendwann betrunken.» Er hatte laut eingenen Angaben eine schwere Zeit, da seine Frau und seine Tochter beide krank waren und er sich sehr zeitintensiv um sie kümmern musste. «Ich war an manchen Tagen zu betrunken, um die Post auszuliefern. Ich weiss, was ich getan habe, war falsch. Ich hätte die Geschenkkarten nicht öffnen sollen, aber ich hatte meistens zu viel getrunken und war pleite. Ich wusste mir nicht anders zu helfen», so Tasker.

Laut der britischen Tageszeitung «Daily Mail» kostete es die «Royal Mail» umgerechnet mehr als 2000 Schweizer Franken, die gelagerten Briefe und Pakete schliesslich doch noch auszulierfern. Insgesamt waren es 15 831 Zustellungen.

Die Strafe für seine «Sammlung»: acht Monate Gefägnis, ein Jahr Suspension von seinem Amt und ein Jahr Entzugsprogramm für Alkoholiker.

(djw)>

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Welt online,
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8.8.2011: Strassenschlachten in London-Tottenham mit ausgebrannten Häusern - es sieht aus wie nach einem Bombenangriff

aus: Welt online: Strassenschlachten: Tatort Tottenham - Angriffe "wie von Ameisen"; 8.8.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13533125/Tatort-Tottenham-Angriffe-wie-von-Ameisen.html

<Autor: Tina Kaiser

Abgebrannte Häuser, verkohlte Autos, Glas und Blut auf dem Boden – die brutalen Ausschreitungen breiten sich über ganz London aus. Die Polizei ist offenbar überfordert.

Es sind Szenen, die man von einem Industriestaat wie Großbritannien in der heutigen Zeit nicht erwartet hätte. Spuren der Verwüstung pflasterten am Morgen die Straßen mehrerer Stadtteile der britischen Hauptstadt. Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff.

Häuser sind bis auf die Grundmauern abgebrannt, verkohlte Autos und Busse blockieren den Weg, Glasscherben und Blutspritzer überall auf dem Boden. Viele Anwohner mussten aus den brennenden Häusern fliehen und haben alles verloren.

Nachdem sich über 200 Randalierer in der Nacht zum Sonntag im Londoner Stadtteil Tottenham eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten, breitete sich die Gewalt in der Nacht über London aus. In mehreren, als sozial schwach geltenden Stadtteilen im Norden, Osten und Süden Londons räumten über Tausend Menschen Geschäfte aus.

Auch in der Einkaufstraße Oxford Street im Londoner Zentrum kam es zu Plünderungen, die die Polizei jedoch schnell stoppen konnte. Die Krawalle waren vorab über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook angekündigt worden. Neun Polizisten wurden bei den Ausschreitungen Sonntagnacht verletzt, der angerichtete Sachschaden wird auf mehrere Millionen Pfund geschätzt.

Polizei offenbar mit Situation überfordert

Die Polizei nahm rund 160 Personen fest, war jedoch mit der Situation offenbar vollkommen überfordert. Kamerateams der TV-Sender BBC und SkyNews filmten, wie die Diebe zu Hunderten über die Straßen von Brixton strömten, gezielt in Läden einbrachen und in aller Seelenruhe Kleidung oder Turnschuhe anprobierten. Ein Fernsehteam folgte zwei Jugendlichen, die in gemütlichem Gang einen Flachbildfernseher davon trugen.

Anderen TV-Bilder zeigen, wie Personen verschieden Alters einen Supermarkt mit Tüten voller Lebensmittel verlassen, als hätten sie dort ganz normal eingekauft. Anwohner in Brixton beschrieben die Szenen der Nacht wie Angriffe von Ameisen, die emsig und ungestört die Geschäfte ausräumten.

"Kein Polizist auf der Straße"

„Wir beobachteten Hunderte von Menschen, die Kisten über die Straßen schleppten. Es gab Geschrei und kreisende Polizeihubschrauber, aber keine Polizei auf der Straße”, schilderte eine Anwohnerin die Situation dem Sender SkyNews.

Die Polizei bezeichnete die Plünderer als „kriminelle Trittbrettfahrer“, die ohne politischen Hintergrund die aufgeheizte Stimmung ausnutzen. Auslöser der ersten Krawalle am Samstag war der Tod des vierfachen Familienvaters Mark Duggan, der am Donnerstag von einem Polizisten erschossen wurde.

"Keine Entschuldigung der Gewalt"

Der stellvertretende Leiter der Polizeioperation, Steve Kavanagh, gab zu, dass die Polizei am Sonntag zu wenige Einsatzkräfte auf die Straßen geschickt habe. Das Ausmaß der Kriminalität sei jedoch nicht abzusehen gewesen. Tausende Polizisten seien von Regionen außerhalb Londons am Sonntag nach London zum Sondereinsatz beordert worden.

Er versprach noch mehr zusätzliche Beamte für die Nacht zum Dienstag einzusetzen, damit sich die Szenen nicht in einer dritten Nacht wiederholen könnten. Die britische Innenministerin Theresa May kündigte an, Randalierer und Plünderer vor Gericht stellen zu lassen: „Die Londoner haben klar gemacht, dass es keine Entschuldigung für Gewalt gibt.“

Sinkende Moral bei Scotland Yard?

Experten werteten die offensichtliche Überforderung der Polizei als Zeichen für die sinkende Moral bei Scotland Yard. Die Regierung von Premier David Cameron plant, in den nächsten vier Jahren 20 Prozent des ohnehin knappen Etats der Polizei einzusparen. Das sorgt seit langem für großen Unmut bei den Beamten.

Die Londoner Polizei war darüber hinaus im vergangenen Monat von dem Skandal um das Boulevardblatt „News of the World“ erschüttert worden. Der Londoner Polizeichef Paul Stephenson und sein Stellvertreter John Yates traten im Juli zurück, weil die Londoner Metropolitan Police bis zu 100.000 Pfund Bestechungsgelder von „News of the World“ angenommen haben soll.

Details weiter unklar

Die Londoner Polizei hatte die Gefahr der drohenden Krawalle nicht kommen sehen, als ein Beamter am Donnerstagabend den 29-jährigen Duggan in Tottenham erschoss. Die Details des Vorfalls sind weitgehend ungeklärt. Nach ersten Darstellungen der Polizei saß Duggan in einem Taxi und hatte auf die Polizisten gefeuert.

Daraufhin habe ihn ein Beamter in Notwehr getötet. Der Polizist hatte ein Funkgerät am Körper getragen, in dem sich eine Kugel fand. Diese galt zunächst als Beweis dafür, dass Duggan tatsächlich gefeuert hatte. Wie der „Guardian“ jedoch berichtete, soll die Kugel im Funkgerät nach ersten forensischen Untersuchungen von einer Polizeiwaffe stammen.

Angehörige forderten Erklärung – vergeblich

Die mangelnden Informationen über den Vorfall lösten die Ausschreitungen am Samstag in Tottenham aus. Viel spricht dafür, dass ein professionelleres Verhalten der Polizei die Gewaltausbrüche hätte verhindern können. Am späten Samstagnachmittag hatte sich die Familie des Verstorbenen mit rund hundert weiteren Menschen zu einer friedlichen Demonstration vor der Polizeiwache in Tottenham versammelt.

Sie forderten die Polizei auf, vor die Tür zu treten und eine Erklärung abzugeben. „Wenn ein Beamter gekommen wäre und mit uns geredet hätte, wären wir gegangen“, sagt der Tottenhamer Sozialarbeiter Stafford Scott dem „Guardian“. Dass die Polizei den Dialog verweigert hätte, sei gerade in einem Stadtteil wie Tottenham unverzeihlich.

Tottenham ist eines der ärmsten Regionen Londons mit einer der höchsten Ausländerquoten. In den vergangenen Jahrzehnten war das Gebiet immer wieder Schauplatz von Krawallen. „Bei unserer Geschichte kannst du keinen Typen von der Polizei erschießen lassen und über 48 Stunden den Dialog verweigern“, sagt Scott.

Zu den bisher schlimmsten Ausschreitungen kam es 1985 in Tottenham. Die Polizei durchsuchte damals die Sozialwohnung des schwarzen Verdächtigen Floyd Jarrett. Seine ebenfalls anwesende, 49-jährige Mutter Cynthia Jarrett starb dabei an einem Herzanfall. In den folgenden Krawallen wurde ein Polizist vom Mob erstochen. Damals entlud sich die Gewalt vor allem, weil sich die überwiegend schwarze Bevölkerung von einer angeblichen rassistischen Polizei gegängelt und diskriminiert fühlte.

Ökonomischer Hintergrund

Heute haben die Gewaltausbrüche auch einen ökonomischen Hintergrund. Über drei Jahre nach Beginn der Finanzkrise hat sich die britische Wirtschaft noch immer nicht erholt. Hohe Arbeitslosigkeit und die härteste Sparpolitik seit 30 Jahren führen gerade in ohnehin schon benachteiligten Regionen Englands zu hoher Frustration. Jobs sind in diesen Gegenden Mangelware.

Dazu kürzt die Regierung Sozialhilfe, Kinder- und Wohnungsgeld. In Tottenham schloss die Bezirksverwaltung in den vergangenen Monaten mehrere Jugendzentren. Die Teenager, deren Eltern oft von Sozialhilfe leben und ihnen wenig Vorbild liefern können, haben nun noch weniger Perspektiven als zuvor.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen 26-jährigen Schwarzen aus Tottenham mit den Worten, die Ausschreitungen seien ein „Schrei nach Hilfe“. Seit er die Schule verlassen habe, konnte er keinen Job finden. „Ich habe keine Arbeit, keine Perspektiven, nichts. Und dann wundern die sich über die Kriminalität.“>

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20 minuten
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England 9.8.2011: <Brutalität nimmt zu: Erster Toter bei Krawallen>

aus: 20 minuten online; 9.8.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/Erster-Toter-bei-Krawallen-26478817

[Es herrscht Anarchie in England. Bildertexte]:

<1. Die Gewalt hat sich in der Nacht zum 10. August ausgeweitet. Das Zentrum ist jetzt Manchester.
2.
Mehrere Gebäude wurden in Brand gesetzt.
3.
Hunderte maskierte Jugendliche liefen durch das Stadtzentrum von Manchester. Sie zerstörten Scheiben und plünderten Geschäfte.
4.
In Birmingham gingen die Aufstände weiter.
5.
Mit Hunden versucht die Polizei für Ordnung zu sorgen.
6.
In London, wo die Aufstände begonnen haben, blieb es in der vierten Nacht der Krawalle in England verhältnismässig ruhig. Im Stadtteil Croydon war die Feuerwehr mit Löscharbeiten beschäftigt.
7.
Wie nach einem Bombenangriff sehen Teile Londons nach der dritten Krawallnacht in Folge aus.
8.
Die Ausschreitungen haben in der Nacht auf Dienstag ihr erstes Todesopfer gefordert.
9.
Premierminister David Cameron eilte am Dienstag aus den Ferien zurück. Er beorderte 10 000 zusätzliche Polizisten in die englische Hauptstadt.
10.
In England sind die Krawalle, die am Samstag (6. August) begonnen haben, eskaliert.
11.
In mehreren Stadtteilen Londons werden in der Nacht auf den 9. August Autos angezündet.
12.
In Londons Stadtteilen Brixton, Hackney,Camden, Endfield und auch am Oxford Circus, mitten in der Londoner Innenstadt, wird randaliert und geplündert.
13.
Filialen des Elektronikhändlers Currys gehören zu den bevorzugten Zielen plündernder Jugendlicher.
14.
Zu Gewalt und Plünderungen kommt es auch in Städten wie Birmingham (Bild), Liverpool und Bristol.
15.
Die Polizei ist zunehmend überfordert.
16.
In drei Tagen hat die Polizei über 300 Personen festgenommen.
17.
35 Polizisten sind verletzt worden, auch Fotografen (im Bild).
18.
Ganze Strassenzüge stehen in Flammen.
19.
Bereits am Abend des 8. Augustes weiten sich die Krawalle auf den Londoner Stadtteil Hackney aus.
20.
Auch in Hackney werden Autos in Brand gesetzt.
21.
In der Nacht auf den 7. August ist es im Londoner Stadtteil Tottenham zu schweren Ausschreitungen gekommen.
22.
Eine zunächst friedliche Demonstration gegen Polizeigewalt artete in Unruhen aus.
23.
Die Demonstranten protestierten gegen die Tötung eines 29-jährigen Familienvaters und Drogenhändlers durch die Polizei am 4. August.
24.
Zu den Ausschreitungen kam es, als sich bis zu 500 wütende Menschen vor dem Polizeirevier versammelten und es zu stürmen versuchten.
25.
Manche der Randalierer kamen von weither nach London gereist.
26.
Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Grossbritanniens.
27.
Fast die Hälfte aller Kinder in Tottenham wächst in Armut auf.
28.
Neben Gebäuden wurden auch Autos angezündet.
29.
Mehrere Streifenwagen ...
30.
... und ein Doppeldeckerbus wurden in Brand gesteckt.
31.
Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert.
32.
Es sah aus wie im Krieg
33.
Bei den schweren Krawallen im Londoner Stadtteil Tottenham sind nach Polizeiangaben 26 Beamte verletzt worden. >

<Die Ausschreitungen fordern ihr erstes Opfer: Die Polizei hat einen toten Mann in einem Auto gefunden. 16 000 Polizisten sollen in London nun eine vierte Chaos-Nacht verhindern.

Die schweren Krawalle von Jugendlichen in London haben den ersten Toten gefordert: Ein 26-Jähriger, der in der Nacht zum Dienstag angeschossen wurde, starb im Krankenhaus, teilte Scotland Yard mit. Der Mann war am Montagabend mit mehreren Schusswunden in einem Auto im Bezirk Croydon gefunden worden. Zu den Hintergründen seines Todes ist bisher nichts bekannt.

Einige Teile Londons sehen aus wie nach einem Bombenangriff: Häuser liegen ausgebrannt in Trümmern, Rauch steigt über der englischen Hauptstadt auf. Nun hat sich der aus den Ferien zurückgeeilte Premierminister David Cameron erstmals an die Öffentlichkeit gewandt: «Wir werden alles tun, um die Ordnung wiederherzustellen», sagte er in einer Fernsehansprache. Als Sofortmassnahme werden 10 000 zusätzliche Polizisten aus ganz England in die Vororte Londons geschickt. Ingesamt kämpfen dann 16 000 Ordnungshüter gegen die Randalierer.

«David Cameron kann sich auf keinen Fall eine vierte Krawallnacht leisten», erklärt eine BBC-Korrespondentin die Aufstockung. Die Londoner Polizei hat inzwischen Eltern in der britischen Hauptstadt aufgefordert, ihre Kinder in der kommenden Nacht zu Hause zu behalten.

Social Media als Brandstifter

Die Ausschreitungen hatten sich in der Nacht auf Dienstag auf weitere Stadtteile ausgeweitet, so auch auf das Quartier Ealing. «Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet, unfassbar», sagt ein Anwohner zur BBC. Die Polizei - mit 6000 Beamten im Einsatz - verhaftete rund 450 Randalierer, die teilweise Molotow-Cocktails auf Polizisten geworfen hatten. Gegen 69 Personen sei Anklage erhoben worden. Damit nicht genug: In der Nacht zum Dienstag hat es erstmals auch Plünderungen, Brandstiftungen und Randale in Birmingham, Liverpool und Bristol gegeben.

Die Regierung versucht mit allen Kräften, die Ausschreitungen in den Griff zu kriegen. Das Problem: Viele der zumeist kleinen Gruppen von Jugendlichen nutzen SMS, Instant Messenger und Twitter, um ihre Angriffe zu koordinieren und sich einen Vorsprung vor der Polizei zu verschaffen. Sie gehen skrupellos vor: «30 maskierte Jugendliche haben vor meinen Augen einen Floristen-Laden angegriffen und niedergebrannt – völlig ohne Grund», sagt eine Augenzeugin.

Mob fackelt Autos ab

Die Jugendlichen schrecken auch nicht vor Gewalt gegen Beamte zurück: In London nahm die Polizei drei Personen unter dem Verdacht des versuchten Polizistenmordes fest. Der Beamte war am frühen Dienstagmorgen in Brent im Norden der Hauptstadt angefahren worden. Er hat nach Plünderungen mehrere Fahrzeuge angehalten. Dabei sei ein Auto davongefahren und habe den Beamten erfasst, teilte die Polizei mit. Das Fahrzeug sei später erneut gestoppt und drei Personen festgenommen worden.

Im Stadtteil Croydon brannte ein ganzer Häuserblock, meterhohe Flammen züngelten in den Nachthimmel. Anwohner mussten evakuiert werden. Der «Guardian» zitierte einen Polizisten mit den Worten: «Wir kommen nicht dagegen an. Wir haben die Zerreissgrenze überschritten.»

Polizeiwache in Brand gesetzt

In Hackney attackierten hunderte Jugendliche Geschäfte und zündeten Autos an. Plünderer erbeuteten Alkohol, Zigaretten, Süssigkeiten und Toilettenpapier. «Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse. Wir verteilen den Wohlstand um», sagte der 28-jährige Bryan Phillips, der sich selbst als Anarchist bezeichnet.

Gewalt schwappt in weitere Städte über

Die Gewalt griff erstmals auch auf Städte ausserhalb Londons über. Im Zentrum von Birmingham wurden in der Nacht zum Dienstag 87 Jugendliche festgenommen, nachdem sie Schaufenster eingeworfen und Auslagen geplündert hatten. Eine Polizeiwache wurde den Angaben zufolge von Randalierern in Brand gesetzt.

In Liverpool zog ein Mob von mehreren hundert Vermummten durch die Strassen, zwang Autofahrer aus den Fahrzeugen auszusteigen und setzte die Wagen danach in Flammen. In Bristol versuchten Polizisten, eine randalierende Meute von rund 150 Jugendlichen in Schach zu halten.

Ballistische Test erwartet

Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag im Problemviertel Tottenham begonnen. Zwei Tage zuvor war dort der 29-jährige Mark Duggan von einem Polizisten erschossen worden. Unklar war, ob der farbige Familienvater das Feuer eröffnet hatte. Ergebnisse ballistischer Tests sollen am Dienstag veröffentlicht werden.

Randalierer hatten daraufhin in Tottenham Büros, Wohnungen, Supermärkte, Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus in Brand gesetzt und Geschäfte ausgeplündert. Die Sachschäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen gehen in den mehrstelligen Millionenbereich.

(am/sda)>


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10.8.2011: <Aufstände in England: Drei Tote bei Krawallen in Birmingham> - sie wollten die Nachbarschaft schützen

aus: 20 minuten online; 10.8.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/25489092

<In Grossbritannien haben die Krawalle in der vierten Nacht in Folge angehalten. Im zentralenglischen Birmingham sind drei Männer ums Leben gekommen, als sie die Nachbarschaft schützen wollten.

Am Rande der Krawalle in Grossbritannien sind in der Nacht zum Mittwoch drei Männer ums Leben gekommen. Sie wurden nach Angaben der Polizei bei Ausschreitungen in der zentralenglischen Stadt Birmingham von einem Auto erfasst. Einem Bericht des Radiosenders BBC zufolge waren die Männer kurz vor dem Vorfall aus einer Moschee gekommen und wollten ihre Nachbarschaft während der Unruhen schützen. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Ihren Angaben zufolge wurde ein Verdächtiger wegen des Verdachts auf vorsätzliche Tötung festgenommen.

emäss der Zeitung «The Times» soll es sich bei den Opfern um zwei Brüder und einen befreundeten Mann handeln, die ihr Geschäft vor den plündernden Krawallanten schützen wollten. Andere Quellen schreiben, dass die Männer die Moschee hätten schützen wollen. Dabei seien sie von den marodierenden Massen getötet worden.

Grossbritannien wurde in der Nacht zum Mittwoch die vierte Nacht in Folge von schweren Ausschreitungen erschüttert. Während sich die Behörden in London mit 16 000 Polizisten auf mögliche weitere Unruhen vorbereiteten und dort eine gespenstische Ruhe herrschte, kam es andernorts erneut zu chaotischen Zuständen.

In Manchester setzten Randalierer ein Bekleidungsgeschäft in Brand (siehe Video unten) und griffen mehrere weitere Läden an. An den Krawallen im Zentrum der nordwestenglischen Stadt beteiligten sich mehrere hundert Menschen, die vermummt durch die Strassen zogen. Ein Polizeivertreter sprach von den schwersten Krawallen in Manchester in den vergangenen 30 Jahren. Mindestens 50 Menschen wurden demnach festgenommen.

Schule in Brand gesteckt

In Nottingham warfen Randalierer mit Brandsätzen, setzten eine Schule sowie ein Fahrzeug vor einer Polizeiwache in Brand, berichteten die Sicherheitskräfte. 90 Personen wurden festgenommen, Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Weder Manchester noch Nottingham waren zuvor von den Ausschreitung betroffen gewesen. In Birmingham hingegen gingen die Proteste vom Vortag weiter.

Zudem gab es erstmals kleinere Zusammenstösse in Leicester, Wolverhampton und West Bromwich. In West Bromwich errichtete eine Gruppe von 200 Menschen Barrikaden, zündete Autos an und bewarf Polizisten.

In London hatten viele Geschäfte und Büros aus Sorge vor neuen Unruhen vorzeitig geschlossen. Auch Cafés, Restaurants und Pubs hatten sich dafür entschieden, die Nacht über zu schliessen. In vielen normalerweise belebten Strassen herrschte Stille. Einige Bewohner der Hauptstadt hatten sich darauf vorbereitet, ihre Häuser und Geschäfte zu schützen. In Tottenham bekämpfte die Feuerwehr einen Grossbrand im Bereich eines Recyclingzentrums und Treibstofflagers, wobei nicht klar war, ob das Feuer etwas mit den Unruhen zu tun hatte.

Die Gefängnisse platzen aus allen Nähten

Die Gefängnisse in London sind mittlerweile überfüllt, wurden doch allein in der Hauptstadt bisher 685 Menschen festgenommen. Landesweit verhaftete die Polizei insgesamt über 1100 Personen.

Gegen mehr als 100 mutmassliche Randalierer in London wurde Anklage erhoben. Unter den Beschuldigten ist auch ein elfjähriges Kind.>

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Welt
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10.8.2011: Die Plünderer in England sind gar nicht "arme Kinder", sondern mutwillige Randalierer mit einem "falschen Anspruchsdenken"

aus: Welt online: Plünderer sehen sich als Opfer - zu Unrecht; 10.8.2011;
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13536948/Pluenderer-sehen-sich-als-Opfer-zu-Unrecht.html

<Die marodierenden Banden in Großbritannien sind keine Opfer schlechter Verhältnisse. Sie sind die Kinder eines falschen Anspruchsdenkens.

Egal ob der Amoklauf in Winnenden, das Massaker in Norwegen oder nun die Unruhen in Großbritannien: Kaum hat sich die Öffentlichkeit von einem ersten Schock über bis dato undenkbare Verbrechen erholt, läuft unweigerlich die Interpretationsmaschine an. Weil wir es nicht ertragen, dass sich menschliche Handlungen gängigen Interpretationsmustern entziehen, muss den Ereignissen irgendeine Sinnstruktur unterlegt werden, die das Geschehene in bekannte Schubladen einordnet. Das macht sich geistig leichter verdaulich und handhabbar.

Es hat nur zwei Tage gedauert, da waren die Sinnstifter der Republik in der Lage, die britischen Unruhen in verlässliche Denkmuster einzubetten. Da wird dann wahlweise der Sparkurs der britischen Regierung verantwortlich gemacht, die Perspektivlosigkeit der Armenviertel und die mangelnde soziale Durchlässigkeit der britischen Gesellschaft. Keine dieser Erklärungen liegt gänzlich falsch.

Aufwertung zu Sozialrevolutionären

Das Problem ist nur, dass die Soziologisierung der britischen Unruhen zwangsweise auch ein Element der Entschuldung beinhaltet. Denn wer die Ereignisse erklärbar macht, macht sie in gewisser Weise auch entschuldbar. Denn wenn letztlich die britische Regierung oder die Gesellschaft als Ganzes für die Ausbrüche der Gewalt verantwortlich sein soll, reduziert das den einzelnen Plünderer und den ganzen brandschatzenden Mob auf Opfer der Verhältnisse, die einer irgendwie nachvollziehbaren Wut auf nicht ganz so nachvollziehbare Weise Luft gemacht haben. Gewöhnliche asoziale Verbrecher werden damit zu Sozialrevolutionären aufgewertet.

Es liegt in der Natur demokratischer Gesellschaften, dass sie immer im Werden und nie vollendet sind. Das heißt, natürlich gibt es immer und überall Anlass für berechtigte Kritik und Raum für Verbesserungen. Und tatsächlich schneidet Großbritannien unter den OECD-Staaten nicht sonderlich gut ab beim Kriterium soziale Mobilität. Der schulische und berufliche Erfolg ist im Vereinigten Königreich noch immer stark vom sozialen Status des Elternhauses abhängig. Wohlgemerkt: Das heißt nicht etwa, dass sozialer Aufstieg nicht möglich wäre. Sondern es sind statistische Werte die deutlich machen, dass ein durchschnittlich begabter Bürgerssohn es wahrscheinlich weiter bringen wird als ein durchschnittlich begabtes Kind der Unterschicht.

Wegerzogene Anstrengungskultur

Andererseits ist es genauso wahr, dass wir in den durchlässigsten Gesellschaften leben, die es historisch gesehen je gab. Das heutige Großbritannien unterscheidet sich eben deutlich von dem am Beginn der Industrialisierung, als es undenkbar war, dass ein Arbeiterkind jemals den Aufstieg schaffen würde. Heute geht das. Das Unterschichtskind muss sich nur ein wenig mehr anstrengen als die Tochter aus dem Bürgertum, um nach oben zu kommen.

Und hier kommen wir zur eigentlichen gesellschaftlichen Misere in den europäischen Elendsvierteln: Gerade den auf Sozialhilfe lebenden Unterschichten haben die Jahrzehnte des fürsorglichen Sozialstaats jede Anstrengungskultur wegerzogen. Denn es ist ja nicht so, dass der Staat in den Problemvierteln keine Bildungsangebote machen würde. Nur viel zu viele entscheiden sich, diese Angebote gar nicht zur Entwicklung der eigenen Fähigkeiten annehmen zu wollen. Schließlich gibt es auch keinen Grund dafür. Der Scheck vom Sozialamt kommt ja ohnedies.

Hang zur Selbstviktimisierung

Die Plünderer und Brandschatzer sind Kinder genau jenes Anspruchsdenkens, das nur noch danach fragt, was die Gesellschaft einem angeblich schuldet anstatt zu fragen, was man selbst zur Gesellschaft (oder auch nur zur eigenen Entwicklung) beitragen könnte. Jahrelang wurde ihnen eingeredet - und sie haben es sich selbst eingeredet - , dass sie Opfer der Verhältnisse sind. Und dieser Hang zur Selbstviktimisierung macht es dann weit einfacher, die Schwelle zur Gewalt zu überschreiten. Schließlich holt man sich ja nur das, wovon man glaubt, dass es einem ohnehin zustehen würde.

Es ist deshalb höchste Zeit, die Debatte wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und das Offensichtliche zu artikulieren: Jeder ist seines Glückes Schmied und selbst dafür verantwortlich, ob er die vielen Gelegenheiten nutzen will, die ihm die Gesellschaft zur Ausbildung und zum Aufstieg bietet. Die marodierenden Banden von London, Liverpool und Birmingham sind keine Sozialrevolutionäre. Es sind Verlierer, die anstrengungslosen Wohlstand wollen und nun die Gelegenheit gesehen haben, eine Abkürzung zu nehmen, indem sie Scheiben von Läden einschlagen und sich dann bedienen.

Diese Phänomene wird man nur eindämmen können, wenn man diesen Leuten keine Entschuldigungen mehr liefert für ihr Verlierertum. Das heißt, den Sozial-Diskurs weg zu führen von den angeblich so widrigen Verhältnissen und wieder nach der Eigenverantwortung jedes Einzelnen zu fragen. Die Gesellschaft kann und sollte Chancen eröffnen. Ergreifen muss sie dann schon jeder selbst.>

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11.8.2011: <Nicht nur die Unterschicht: Alle plünderten - selbst eine Millionärstochter>

aus: 20 minuten online; 11.8.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/12488521

<von Simon Beeli -

Die ersten Prozesse, die im Eilverfahren von den Londoner Gerichten abgehalten werden, zeigen Erstaunliches: Viele der Angeklagten kommen aus einer sozial gut integrierten Mittelschicht.

Während die schockierte Öffentlichkeit mit Entsetzen die Bilder der Krawalle von England kommentiert und die Regierung Camerons über die Gründe der Entgleisung von Teilen einer wütenden Zivilgesellschaft spekuliert, müssen die Richter bereits die Hemdsärmel hochkrempeln. Seit gestern stehen die ersten Angeklagten Krawallmacher vor Gericht – und viele weitere werden in den nächsten Tagen noch folgen.

Alleine in London wurden bisher mehr als 900 Menschen festgenommen, im ganzen Land befinden sich inzwischen fast 1200 in Polizeigewahrsam. Nach mehr als hundert Verdächtigen wird noch per Haftbefehl gefahndet. Und ihnen allen soll jetzt möglichst schnell der Prozess gemacht werden. Premierminister Cameron hat ein hartes Vorgehen angekündigt. An einer Krisensitzung vor dem Parlament zeigt er sich entschlossen, die Ordnung auf den Strassen wieder herzustellen. Den Randalierern ginge es nicht um Politik und Protest, urteilte Cameron, «da geht es einfach nur um Diebstahl.»

Doch viele staunten nicht schlecht, als die ersten Angeklagten nun den Richtern präsentiert wurden. Konnten viele von ihnen während den Raubzügen und Strassenschlachten ihre Identität noch hinter grossen Kapuzen und dem Dunkel der Nacht verstecken, bekommen sie jetzt erstmals ein Gesicht. Zur allgemeinen Überraschung mussten sich vor dem Gericht nicht nur einschlägig vorbestrafte Jugendliche aus einem sozial benachteiligten Milieu für ihre Taten verantworten, zu den Angeklagten gehörten genauso viele einer gut integrierten und respektierten Mittelschicht an. Die englische Zeitung «Daily Mail» hat eine Liste veröffentlicht, die zeigt, aus was für unterschiedlichen beruflichen und ethnischen Hintergründen die Vandalen und Plünderer stammen.

Die faulen Ausreden der Angeklagten

Der jüngste Angeklagte war ein gerade mal 11-jähriger Bub, der von seiner verzweifelten Mutter begleitet wurde. Er hatte zugegeben, einen 50 Pfund teuren Abfalleimer aus einem Supermarkt gestohlen zu haben, dessen Scheiben seine Gang zuvor eingeschlagen hatte. Diebesgut von etwas mehr Wert, hatte eine Millionärstochter mitgehen lassen. Die 19-jährige Studentin an einer öffentlichen Eliteschule wurde am Steuer ihres Autos von der Polizei erwischt. Bei der anschliessenden Durchsuchung kam eine kostbare Fracht ans Licht: Elektronikzubehör, eine Mikrowelle, Mobiltelefone, alles Güter, die die junge Frau aus einer Filiale eines Warenhauses in London mitgehen liess. Der Wert wird auf über 5000 Pfund geschätzt.

Doch hatten die Angeklagten auch interessante Ausreden bereit: Ein 19-jährige Student, der von der Polizei in Hackney mit einer Flasche Whiskey, Rubbellosen, Tabak, Süssigkeiten und Bargeld aufgegriffen wurde, erklärte heroisch, dass er mit der ganzen Ware gerade auf dem Weg zum nächsten Polizeiposten sei. Ein frisch gebackener Familienvater entschuldigte das Entwenden von Windeln, dass er diese dringend für seinen neugeborenen Sohn zu Hause gebraucht hätte. Dann musste sich auch noch ein Briefträger und sein Neffe erklären, die zusammen von der Polizei im Auto mit Notebooks und Handys erwischt wurden. Der 18-Jährige beteuerte, dass ihn sein Onkel zum Diebstahl überredet hatte.

Moment der Anarchie

Auf einer unvollständigen Liste findet man auch noch einen Hilfslehrer, einen Jugendarbeiter, einen zukünftigen Soldaten, eine Sozialarbeiterin und einen Grafikdesigner, die als Plünderer, Gelegenheitsdiebe oder einfach als Menschen, die den Moment der Anarchie für sich nutzten, allesamt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen und sich nun vor einem Richter zu verantworten haben.

Die Gerichte, die vorerst über eine weitere Inhaftierung oder eine Freilassung gegen Auflagen entscheiden müssen, werden in den nächsten Tagen rund um die Uhr tagen, um in Eilverfahren die riesige Liste an Angeklagten abarbeiten zu können.>

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12.8.2011: Schwerverletzter Helfer der England-Krawalle erliegt seinen Verletzungen

aus: 20 minuten online: Unruhen in England: Krawalle fordern weiteres Todesopfer; 12.8.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/london/story/Krawalle-fordern-weiteres-Todesopfer-31570147

<Den Unruhen in London ist in der Nacht auf Freitag erneut ein Mensch zum Opfer gefallen. Ein 68-jähriger Mann war attackiert worden, als er ein Feuer löschen wollte. Jetzt ist er seinen Verletzungen erlegen.

Der 68-Jährige starb am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht an seinen Verletzungen. Scotland Yard hat Mordermittlungen aufgenommen. Der Mann war am Montag im Londoner Stadtteil Ealing attackiert worden, als er ein Feuer löschen wollte. Er hatte schwere Kopfverletzungen erlitten.

Im Fall von drei während der Krawalle ums Leben gekommenen Männern nahm die Polizei drei Tatverdächtige fest, darunter einen 16-Jährigen. Die Männer waren am frühen Mittwochmorgen in Birmingham von einem Autofahrer überrollt und getötet worden. Nach Angaben von Zeugen hatten sie Geschäfte ihrer Wohngegend vor Plünderern schützen wollen.

Ein 26-Jähriger, der in der Nacht zum Dienstag angeschossen wurde, war im Spital gestorben. Der Mann war mit mehreren Schusswunden in einem Auto im Bezirk Croydon gefunden worden. Nach Angaben der Polizei waren zu dem Zeitpunkt zwei weitere Personen anwesend. Sie wurden verhaftet, weil sie Diebesgut bei sich trugen.

(sda)>

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Nun kommt eine knallharte Analyse über die England-Krawalle:


Standard
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12.8.2011: <Klassenkrieg: Die Reichen plündern insgeheim, die Armen offiziell>

Und das gilt nicht nur für England, wo das Königshaus 33% des gesamten Vermögens des Landes besitzt, sondern das gilt auch für fast alle anderen Länder.

aus: Der Standard online; 12.8.2011;
http://derstandard.at/1313024159906/Klassenkrieg-Die-Reichen-pluendern-insgeheim-die-Armen-offiziell

<Autor

Stefan Gärtner, The European, Jahrgang 1973, hat Geisteswissenschaftliches in Mainz und New York studiert und schreibt u.a. Politessays für The European.

Straßengangs rekrutieren sich selten aus Privatschülern

In Großbritannien gehen junge, gelangweilte Leute auf die Straße und machen Randale, ohne zu wissen warum – diese Version der Geschichte birgt, wie jede dicke Lüge, die Wahrheit -

Von Stefan Gärtner

Als ein nicht unerheblicher Teil Londons in Flammen aufgegangen ist, gab es im Grundsatz zwei Interpretationen: Tom Buhrow, der in den "Tagesthemen" so aussah, als komme er sich sehr gescheit vor, als er feststellte, er habe auf den Fernsehbildern keine Plakate mit politischen Forderungen wahrgenommen, und eine politische Demonstration sehe doch wohl, bitte schön, anders aus, stand für die erste. Auch die "Frankfurter Allgemeine" bemühte sich, die Ausschreitungen in erster Linie für Randale "without a cause" und "spaßgesellschaftlich grundierten Hooliganismus" zu halten, während ihre Münchner Konkurrentin der Wahrheit vermutlich näher kam: "Hier die Superreichen, unbefleckt von der Wirtschaftskrise - dort die Messerstecher, Schießwütigen, Plünderer, gestürzt vom Klippenrand einer bröckelnden Nation. In Großbritannien ist soziale Ungleichheit so festzementiert wie nirgendwo sonst in Europa. Wer sagt, die Krawalle kämen überraschend, lügt." Nach Auffassung des britischen Premiers Cameron wiederum geht es "den Randalierern um Diebstahl, nicht um Protest oder politische Aussagen".

Politischer Krawall

Was nun aber, wenn Diebstahl eine politische Aussage ist? Das Ausräumen einer Bank ist nichts gegen die Gründung einer Bank - Brechts Kalenderspruch mag den scheinbaren diagnostischen Widerspruch zwischen Hooliganismus hier und sozialer Rebellion da auflösen, denn niemand schlägt grundlos eine Scheibe ein, genauso wenig wie jemand grundlos einen Menschen in der U-Bahn tottritt, auch wenn Boulevardmedien das gerne behaupten. Mag sein, unter den Randalierern von London sind tatsächlich Hools, denen Gewalt Selbstzweck ist, die sich, schlicht gesagt, einfach gerne prügeln, und man weiß, dass unter denen, die an Wochenenden ins Stadion gehen, um den gegnerischen Fanblock aufzumischen, auch Bankangestellte sind. Aber es sind - Ausnahmen mögen auch hier die Regel bestätigen - immer die aus dem unteren Viertel der Gesellschaft, die treten, schlagen, plündern. Dass sie dabei in den seltensten Fällen ein politisches Programm haben, muss man ihnen nicht vorhalten, denn hätten sie je Gelegenheit gehabt, sich eins zu bilden, müssten sie das, was zu artikulieren ihnen nie jemand beigebracht hat, nicht ohne Worte ausdrücken. Was sich dem Vorwurf aussetzt, bloß das bequeme Schreibtischgerede von Gutmenschen und Sozialfuzzis zu sein, hat den Vorteil, dass es empirisch nicht zu widerlegen ist, denn auch wenn Kinder aus Gutverdienerhaushalten auf- oder sogar straffällig werden, ist fast immer von Verwahrlosung die Rede, die es durchaus auch als eine des Wohlstands gibt. Und doch seltsam jedenfalls, dass es keine Straßengangs gibt, die sich aus Privatschülern rekrutieren.

Es protestieren die Abgehängten

Die Beobachtung, dass physische, konkrete Gewalt gegen Sachen und Menschen ohne Umweltbedingungen, die diese Gewalt fördern, so gut wie nicht vorkommt, müsste für genügend Scham reichen, sich nicht als Regierungschef vor seinen Oxford- und Cambridge-Kumpanen aufzubauen und nach den Ursachen für Gewalt nicht einmal fragen zu wollen, wo man doch selbst für diese Ursachen bolzengerade einsteht. Dass in Tel Aviv die Menschen friedlich zelten, während Hackney und Tottenham brennen, hat hauptsächlich damit zu tun, dass in Israel die Mittelschicht demonstriert, in Großbritannien aber die Abgehängten auf die Straße gegangen sind, die wissen, dass ihnen in der exemplarisch starren Klassengesellschaft des Vereinigten Königreichs niemand zuhört, wenn sie nicht Zunder geben, und dass sie in Zeiten, wo es auch den Mittelschichten längst an den Kragen geht, sich die Studiengebühren in Großbritannien mehr als verdoppelt haben, jeder zweite junge Mensch in Spanien arbeitslos ist und jedes sechste deutsche Kind armutsgefährdet, nicht damit zu rechnen brauchen, es ändere sich irgendetwas zu ihren Gunsten. Schon eher ganz im Gegenteil. (Stefan Gärtner, derStandard.at, 12.8.2011)>

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Welt
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13.8.2011: <Krawalle in Grossbritannien: Die meisten Angeklagten bestätigen alle Klischees>: Ausländer, vorbestraft, arbeitslos

aus: Welt online; 13.8.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13542760/Die-meisten-Angeklagten-bestaetigen-alle-Klischees.html

<Autor: Tina Kaiser

Rechtssprechung am Fließband im 24-Stunden-Gericht: Trotz einiger Ausnahmen bestätigen die meisten Angeklagten alle Klischees: Ausländer, vorbestraft, arbeitslos.

Marek Janowski* blickt unsicher um sich, als der Gerichtsdiener ihn in die kleine, verglaste Zelle schiebt. Auf der anderen Seite der Scheibe sitzt unter dem Siegel der königlichen Krone eine Haftrichterin, vor ihr die Staatsanwältin und Mareks Pflichtverteidiger. In dem neonbeleuchteten, fensterlosen Gerichtssaal 2 des Westminster Magistrates’ Court ist es heiß und stickig.

Ein Verurteilter Randalierer wird nach seiner Verhandlung abgeführt. Er hat sich das T-Shirt über den Kopf gezogen, um unerkannt zu bleiben

Alle im Raum haben dunkle Ringe unter den Augen. Es ist kurz vor ein Uhr am Freitagmorgen. Seit vergangenem Dienstag tagt das Londoner Gericht rund um die Uhr, um der Masse der festgenommenen Randalierer Herr zu werden. Über 1700 Verdächtige hat die Polizei seit Beginn der Ausschreitungen festgesetzt. 600 von ihnen wurden im Eilverfahren angeklagt. Jetzt ist Marek an der Reihe.

Der polnische Schüler sieht nicht gerade nach jemandem aus, vor dem man Angst haben müsste. Den Blick verlegen auf den Boden gerichtet, das Gesicht blass, an seinem dünnen Körper schlackern ein beige Cargohose und ein schwarzer Kapuzenpulli.

„Wie alt bist du?“, fragt die Haftrichterin. „15“, antwortet Marek mit leiser Stimme. „Dir wird vorgeworfen, im Besitz von gestohlenen Gütern gewesen zu sein. Bekennst du dich schuldig?“ Hilfesuchend schaut Marek zu seinem Pflichtverteidiger. Der raunt ihm zu: „Schuldig.“ Marek wiederholt: „Schuldig.“

Geschenk oder Diebesgut? Marek bleibt über Nacht in Haft

Die Staatsanwältin liest die Anklage von einem Blatt ab: Marek sei am Vortag im Londoner East End mit einer Reihe gestohlener Dinge im Wert von 400 Pfund aufgegriffen worden. „Mehr steht hier nicht.“ Die Richterin verdreht die Augen. So könne sie doch kein Urteil sprechen. Ob denn der Verteidiger etwas wüsste.

Der weiß tatsächlich mehr: Am Montagabend sei Marek in der Nähe seines Zuhauses an einem Geschäft vorbeigekommen, das gerade geplündert worden sei. Die Plünderer hätten Marek ein paar Sachen geschenkt. Mehr Details habe er auch nicht. Dafür versichert er: „Marek stammt aus einem stabilen Elternhaus und kann deswegen auf Kaution freigelassen werden.“

Die Richterin ist nicht überzeugt: „Ach ja, und wieso sind die Eltern dann nicht hier?“ Der Verteidiger sagt, das wisse er auch nicht. „Vielleicht hat der Vater sich verfahren?“

„Verfahren, so, so“, brummt die Richterin. In dem Fall müsse Marek über Nacht in Gewahrsam bleiben und werde am nächsten Morgen einem Jugendgericht vorgeführt. „Vielleicht findet der Vater dann den Weg.“ Die Anhörung hat gerade mal zehn Minuten gedauert. Marek wird abgeführt, die Richterin verlässt den Saal. Wie lange die Pause dauert, kann keiner sagen. „Wir nehmen sie, wie sie kommen“, sagt die Schriftführerin.

Verteidiger und Richter sind 24 Stunden lang im Dienst

Nicht nur auf Londons Straßen, auch in den Gerichten herrscht in dieser Woche Ausnahmezustand. „Keine Ahnung“, ist die häufigste Antwort, wenn man einen Gerichtsmitarbeiter eine Frage stellt. Noch nie zuvor haben die Gerichte im Land über mehrere Tage rund um die Uhr getagt.

Das glaubt zumindest ein Justizsprecher. „So ganz sicher sind wir uns dabei selbst nicht.“ Die Sonderschichten sind nötig, weil Verdächtige in Untersuchungshaft das Recht haben, innerhalb von 48 Stunden einem Richter vorgeführt zu werden. Sonst muss die Polizei sie wieder freilassen.

Mareks Verteidiger sitzt erschöpft auf einem Stuhl im Gerichtssaal. Robert Katz heißt er, arbeitet seit acht Jahren als Strafverteidiger und riecht ehrlich gesagt ein bisschen. „Ich fühle mich ganz schön ekelig, alles klebt“, sagt er entschuldigend.

Vor 16 Stunden hat er angefangen zu arbeiten, bis zum Feierabend dauert es noch weitere acht Stunden. „Das ist ein totales Chaos hier.“ Dass die Staatsanwältin kaum Details über den Angeklagten hatte, sei ziemlich normal.

In Großbritannien leitet nicht die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen, sondern die Polizei. Sie entscheidet auch, wann die Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwälte bekommen meist erst wenige Minuten vor der jeweiligen Anhörung die Akten hereingereicht, die oft nur ein oder zwei DIN-A4-Blätter umfassen. „Mehr als vom Papier ablesen, was dort steht, können die nicht.“

"Vergessen Sie das Geschwätz von Protest – diese Typen sind gierig"

Als Strafverteidiger hat es Katz da vergleichsweise komfortabel. Er weiß zwar auch nicht, welche Fälle noch auf ihn warten, vor jeder Anhörung kann er aber zumindest kurz mit dem Angeklagten reden. „Maximal 20 Minuten spreche ich mit denen, die Richter wollen die Sache hier möglichst schnell über die Bühne bringen.“

Dementsprechend gibt es auch keine Beweisführung oder Zeugenbefragung. Rechtsprechung am Fließband eben, zack, der nächste bitte. Nur in den wenigstens Fällen spricht der Richter direkt ein Urteil. Möglich ist das nur, wenn der Angeklagte sich schuldig bekennt und das Strafmaß der Tat nicht höher als sechs Monate ist. Sonst muss der Richter den Angeklagten an ein anderes Gericht verweisen, an dem ihm dann der Prozess gemacht wird.

Katz kann sich nicht mehr erinnern, wie viele Randalierer und Plünderer er heute schon verteidigt hat. Dafür ist er sich ziemlich sicher über deren Motive. „Vergessen Sie das Geschwätz über Protest und politische Motive“, sagt er. „Diese Typen sind gierig, haben die Situation ausgenutzt und sich am Adrenalinkick berauscht.“

Die Hälfte der Angeklagten ist minderjährig

In den vergangenen Tagen berichteten viele britischen Medien über Angeklagte, die so gar nicht den Vorurteilen des typischen Krawallmachers entsprachen. Da gab es den angehenden Sozialarbeiter, der einen Flachbildfernseher stahl, den Studenten, der zwei T-Shirts mitgehen ließ oder der Grundschullehrer, der in ein Musikgeschäft einbrach.

Eine Nacht im Westminster Magistrates’ Court vermittelt jedoch ein anderes Bild: Fast alle Verdächtigen haben einen Migrationshintergrund, keinen Job, aber ein stattliches Vorstrafenregister. Rund die Hälfte der Angeklagten ist minderjährig, trotzdem halten es die wenigsten ihrer Eltern für nötig, im Gericht aufzutauchen.

Vielen sind die Strafen gegen Randalierer nicht hart genug

Unter den rund 30 Zuschauern in dem ebenfalls durch eine Glaswand vom Gerichtssaal abgetrennten Besucherraum sitzt auch Ali Mackliesh. Der 25-Jährige betreibt einen Gebrauchtwagenhandel in Nordlondon. In den vergangenen Tagen habe er kaum ein Auge zugetan, weil er seinen Laden vor den Randalierern beschützen musste.

„Ich bin hierher gekommen um zu sehen, wie diese Verbrecher eingebuchtet werden“, sagt er. Die Strafen seien viel zu gering. „Das ist doch alles Gesocks, die werden das wieder tun, sobald sie rauskommen.“

So wie Mackliesh denkt auch Londons stellvertretender Polizeichef Stephen Kavanagh. Er sagte am Donnerstag, in seiner Truppe herrsche große Unzufriedenheit, weil das Gericht bislang zu milde mit den Angeklagten umgehen würde.

Die Richter scheinen sich diese Kritik zu Herzen zu nehmen. Niemand kommt in dieser Nacht auf Kaution frei. Selbst eine alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Kindes muss bis zu ihrer nächsten Anhörung am 18.?August in Untersuchungshaft bleiben, obwohl sie als eine der wenigen keine Vorstrafe hat.

Es drohen zehn Jahre hinter Gittern – der Angeklagte feixt

Es ist zwei Uhr morgens, als im Besucherraum des Gerichtssaals 1 Unruhe aufkommt. Eine Gruppe von zehn Männern drängt sich zu den anderen Zuschauern in die Glaskabine. Sie tragen Trainingsanzüge, Tätowierungen und kurzgeschorene Haare.

Nebenan, in den verglasten Raum für die Angeklagten, wird jetzt Joe Hillyard geführt. Der 20-Jährige aus dem Ostlondoner Problembezirk Newham hat offenbar schon viel Zeit im Fitnessstudio zugebracht. Während der Staatsanwalt die Anklage verliest, verständigt sich Hillyard feixend mit seinen Kumpels über Handzeichen.

Es scheint ihn nicht wirklich zu interessieren, dass ihm Diebstahl und gewalttätige Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen wird. Allein für den letzten Straftatbestand könnte Hillyard zehn Jahre hinter Gitter wandern. Vorstrafen hat er ohnehin schon.

Der Staatsanwalt hat ausnahmsweise recht ausführliche Informationen vorliegen und verliest: „Der Angeklagte soll als Teil einer Gruppe aus 15 bis 20 vermummten Personen versucht haben, einen Bankautomaten aus der Wand zu schneiden.“ Hillyard scheint gar nicht zuzuhören. Stattdessen zieht er mit beiden Händen sein T-Shirt in der Höhe seiner Brustwarzen nach vorn.

Das soll wohl weibliche Brüste symbolisieren. Seine Kumpels schlagen sich auf die Schenkel vor Lachen. Der Staatsanwalt liest weiter: „Dazu ist ein Metallschneider benutzt worden. Anschließend hat die Gruppe den Automaten mit einem Auto gerammt, den Sicherheitsmann eines Supermarktes attackiert und den Supermarkt ausgeraubt.“

Ob die Verteidigung irgendetwas hinzuzufügen hätte, will die Richterin wissen. Die Strafverteidigerin schüttelt den Kopf. Sie versucht noch nicht einmal mehr, einen Kautionsantrag zu stellen. Bis zum Prozessbeginn am 8. September bleibt Hillyard in Untersuchungshaft.

Er hebt die Faust, als die Gerichtsdiener ihn abführen. Seine Kumpels johlen, einer ruft: „Bleib aufrecht, Joe.“ Während die Männer breitbeinig und fluchend das Gericht verlassen, schaut Autohändler Mackliesh dem Trupp hinterher: „Sag ich doch, alles Gesocks.“

* Name geändert>

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Spiegel
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14.8.2011: Englands Randale hatten eine einzige Ursache: Es war die Gier - Banken, Politiker und Medien haben die Gier salonfähig gemacht

aus: Spiegel online: Randale in England: Schlussverkauf in der Hölle; 14.8.2011;
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,780158,00.html
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,780158-2,00.html

<Ein Essay von Thomas Hüetlin

Student Ashraf Haziq (r.): Erst überfallen und verletzt, dann ausgeraubt.

Das lodernde Inferno in Englands Großstädten schockt die britische Gesellschaft. Nicht Protest trieb die brutal zuschlagenden Plünderer auf die Straßen, sondern reiner Konsumrausch. Banker, Politiker und Medienmogule haben die Gier salonfähig gemacht.

Ashraf Haziq ist 20 Jahre alt, ein Student aus Malaysia. Er fastete für den Ramadan und hatte das Pech, letzte Woche mit seinem Fahrrad in Barking, einem Stadtteil im Osten Londons, unterwegs zu sein.

Erst kam eine Gang von Kindern. Sie bedrohten ihn mit Messern, brachen ihm den Kiefer und klauten ihm das Rad. Als er benommen auf dem Bürgersteig saß, auf das Blut starrte, das aus seinem Gesicht auf den Boden tropfte, kam die nächste Gang. Die Mitglieder waren älter, zum Teil vermummt. Einer half ihm auf die Beine, stützte ihn, aber die vermeintliche Rettung war nur ein Ablenkungsmanöver. Denn gleichzeitig räumte ein anderer aus der Gang den Rucksack des Verletzten aus, warf einen Teil der Beute weg, steckte den Rest in die Tasche. Breit grinsend, tänzelnd vor Freude.

Es waren Bilder wie diese, die mit der Legende aufräumten, bei den Krawallen in Britannien handele es sich um Proteste oder eine Revolte. Um ein Aufbegehren der Jugend, wie es in anderen europäischen Ländern gegen die Sparbeschlüsse der Regierungen stattgefunden hatte.

Nichts dergleichen. Das, was auf den Straßen Londons und anderen Städten Englands vergangene Woche geschah, war brutal und voller Enthusiasmus, und es ging darum, maximalen Schaden anzurichten, und sei es nur bei Passanten, die zufällig des Weges kamen oder im Weg standen. Als ob die Gang aus Kubricks Film "A Clockwork Orange" von der Leinwand hinabgestiegen war und sich mit BlackBerrys gewappnet hatte.

Zu den Opfern gehörten zum Beispiel die drei Söhne pakistanischer Einwanderer , die sich auf einen Bürgersteig in Birmingham gestellt hatten, um die Tankstelle eines Freundes zu schützen und von einem Auto umgemäht wurden. Es gab andere Opfer, wie den alten Mann im karierten Hemd , der einen brennenden Mülleimer löschen wollte und so zusammengetreten wurde, dass er später starb. Und es gab diese ältere schwarze Lady, die im Osten Londons auf einer mit Müll übersäten Straße stand, hinter sich eine Wand, beschmiert mit obzönen Graffiti, und in die Nacht schimpfte: "You lot piss me the fuck off! Ich schäme mich, jemand aus Hackney zu sein. Weil wir uns nicht versammeln und für eine Sache kämpfen, sondern nur zu Foot Locker rennen und Schuhe klauen."

Mit anderen Worten: Es war wie ein Sale in der Hölle. Nur dass die Gierigen nicht mit Pfund Sterling bezahlten, sondern mit der Zerstörung ihres eigenen Stadtviertels.

"O2, O2, O2, O2"-Gesänge beim Plündern

Vor allem auf Markenartikel hatten es die Krawallmacher abgesehen, und wenn man dabei ein paar Polizisten verprügeln konnte, schien dies den Spaß an der Sache noch zu steigern. "Alle nach Tottenham jetzt", twitterte einer namens "English Frank", "fuck the police, hoffe, wir bringen einen um diese Nacht." Worauf jemand namens "Sonny Twag" zurücktwitterte: "Auf nach Tottenham, um zu plündern. Ich will einen Fernseher umsonst. Wer will das nicht?"

Getwittert, getan. Es durfte auch gern etwas teurer sein. Im Londoner Stadtteil Camden brach der Mob durch die Scheiben eines O2-Ladens, sammelte Mobiltelefone ein, singend, als sei er auf einem Fußballspiel: "O2, O2, O2, O2". In Manchester plünderten sie T-Mobile, die Klamottenläden French Connection und Miss Selfridge, das Kaufhaus Marks & Spencer, den Juwelier Swarovski und die neu eröffnete Boutique des ehemaligen Oasis-Sängers Liam Gallagher. Im Londoner Viertel Clapham nahmen sie ein ganzes Einkaufszentrum auseinander - das Einzige, was verschont blieb, war eine Buchhandlung. Nein, nein, sie schützten nicht die Bücher, die Bücher waren ihnen total schnuppe.

Revolutionsromantiker trauten ihren Augen nicht. Das war kein "Macht kaputt, was euch kaputt macht", sondern Warenfetischismus in seiner giftigsten Form. Manche probierten die Klamotten sogar an, bevor sie sie in Designertüten stopften.

Als das Inferno loderte, rieben sich Politiker, Medien und Kommentatoren die Augen. Dabei gab es Mahner, zu ihnen hatte auch einmal David Cameron gehört. Bevor er Premierminister wurde, hatte er das Großbritannien der Nuller-Jahre als "broken society", als "kaputte Gesellschaft" diagnostiziert. Einmal an der Macht, wollte er davon nicht mehr viel wissen.

Schulzuschüsse an Kinder einkommensschwacher Familien - gestrichen. Gestrichen in vielen Vierteln auch die Zentren für Jugendliche, mitsamt den Beratungsstellen für Arbeitslose und Schwangere. Gestrichen allein in einem Stadtteil wie Lewisham fünf Bibliotheken. Wie geht es weiter? Wo ist das Ende? Das Limit? Der Boden? Es gibt keinen. Im Bezirk Haringey, zu dem der Stadtteil Tottenham gehört, sollen in den nächsten drei Jahren 75 Prozent der "Youth Services" eingespart werden.

Kann man so die "broken society" reparieren?

"Von Fäusten zu Messern, von Messern zu Schusswaffen"

Dabei gäbe es eine Menge zu tun. Denn Großbritannien, das Land, in dem der Graben zwischen Arm und Reich immer noch so tief ist wie sonst kaum irgendwo in der westlichen Welt, ist besonders für die Kinder der Armen oft ein erbärmlich hartes Pflaster. Laut einer Unicef-Studie wird das Königreich unter den 21 wichtigsten Industrienationen als das kinderfeindlichste eingestuft. Es hält mit 3,4 Millionen Kindern, die unterhalb der Armutsgrenze aufwachsen, einen traurigen Rekord. Und wer das Pech hat, in einem miesen Viertel groß werden zu müssen, für den gehören Prügel und Überfälle zum Alltag. 60 Prozent der Kinder werden im Alter zwischen 10 und 15 Jahren mindestens einmal zum Opfer von Straftaten.

Das Durchschnittsalter derer, für die solche Konfrontationen tödlich enden, ist in den letzten Jahren von 24 Jahre auf 19 gesunken. Es ist "wie Evolution", sagt ein Gangsterveteran aus Nottingham über die Eskalation der Gewalt unter den Teenagern der Inner Cities: "von Fäusten zu Messern, von Messern zu Schusswaffen."

Die Anlässe sind nichtig. Oft geht es um Drogen, ein Mobiltelefon oder nur ein Paar Turnschuhe. Die dramatisch gesunkene Gewaltschwelle kann jeden treffen, Unbeteiligte wie jenen jungen Mann, der es beispielsweise nicht in Ordnung fand, dass Jugendliche einen angebissenen Schokoriegel in das Auto seiner Schwester warfen. Er stellte sie zur Rede und wurde kurzerhand erstochen.

Die Liste solcher Beispiele ist lang, und es kaum verwunderlich, dass die britische Polizei längst Zivilisten davon abrät, gewalttätigen Jugendlichen entgegenzutreten. Männer, die es dennoch tun, wie der Londoner Schriftsteller Andrew Anthony, ziehen sich nicht nur den Zorn der Schläger zu, sondern auch die Wut anderer Passanten. Anthony war eingeschritten, als er erlebte, wie zehn Mädchen das Gesicht einer anderen Jugendlichen mit einer abgebrochenen Flasche malträtierten. Als er die Gang in die Flucht geschlagen hatte, fragte Anthony einen anderen Passanten, warum der nichts unternommen habe. Die Antwort: "Lass mich in Ruhe, du aufgeblasener Arsch. Warum sollte ich mich einmischen? Das Ganze hatte nichts mit mir zu tun."

Teil 2:

<2. Teil: "Keiner hat mir je eine Chance gegeben"

Dieser trostlose Alltag aus Drogen, Rumhängen und Waffen in den Vierteln, die durch Margaret Thatchers Politik in den achtziger Jahren verwüstet und von Blair und Brown nie wirklich repariert wurden, ist das Schicksal jener, die in Großbritannien als "Neets" bezeichnet werden: "Not in education, employment or training". 1,2 Millionen Menschen, die nicht in Ausbildung, Beschäftigung oder Weiterbildung sind, sie regieren ihre Viertel nach dem Recht des Stärkeren, mit einem Gefühl tiefer Nutzlosigkeit in einer Welt, in der fast jede Freizeitaktivität Geld kostet, das sie nicht haben.

Louis James heißt einer dieser Neets, und Reporter der "New York Times" sprachen ihn an, weil er einen Pullover im Wert von 120 Pfund bei den Plünderungen geklaut hatte. James, 19, lebt in Nordlondon, die Miete bezahlt der Staat, alle zwei Wochen bekommt er 77 Pfund Stütze. Die Suche nach Arbeit hat er aufgegeben, die Schule mit 15 verlassen, lesen kann er erst seit drei Jahren. Die Mutter hat kaum Geld für sich, und seine Stiefgeschwister, der Vater, ein Heroinsüchtiger, ist tot. "Keiner hat mir je eine Chance gegeben", sagt James. "Ich bin wütend, wie das System funktioniert. Sie geben mir gerade genug, um zu essen und den ganzen Tag fernzusehen."

Die Werte, die Großbritannien einmal zum Vorbild für den Rest der Welt werden ließen, sind nie angekommen bei Menschen wie James: Selbstverantwortung, Individualität, Common Sense, Stoizismus, Understatement, Disziplin. Wer hätte sie ihm beibringen können? Die Eltern? Die Freunde? Die Eliten, die sich erst in teuren Privatschulen abkapseln, hinterher 70 Prozent der gut bezahlten Jobs im Land besetzen und wahrscheinlich lieber eine Lepra-Kolonie besuchen würden als einen Stadtteil wie Tottenham?

Den eigentlichen öffentlichen Ton gab in den vergangenen 30 Jahren ohnehin einer vor: Rupert Murdoch, der australische Medienmogul, der das moderne Großbritannien mehr prägte als jeder britische Politiker, Unternehmer oder Intellektuelle. Zusammen mit Margaret Thatcher brach Murdoch in den achtziger Jahren die Macht der Gewerkschaften, befeuerte die Entfesselung der Märkte, zusammen mit dem aufstrebenden Finanzsektor der City of London machte er die Gier salonfähig und so aus den Briten eine Nation von Shoppern, in der nun vor allem eines zählte: "Loads of Money".

Alle zitterten vor Murdoch

Alle berauschten sich an dieser lauten, ruppigen Konsumkultur. Die Banker sowieso, mit ihren Booten samt Hubschrauberlandeplatz, aber wie sich beim Spesenskandal vor zwei Jahren herausstellte, auch viele Politiker. Es gab Konservative, die ihre Burggräben und Entenhäuser mit Steuergeldern finanzierten. Es gab Labour-Abgeordnete, die funkelnde Klobrillen und seidene Kissen abrechneten. Es gab den ersten Unterhausvorsitzenden seit dem Jahr 1695, der zurücktreten musste, weil aufgeflogen war, dass er für über 4000 Pfund Taxiquittungen abgerechnet hatte, die seine Frau bei ihren Shoppingtouren angesammelt hatte.

Sie alle zitterten nicht vor dem Wähler, sondern vor Murdoch und seinem Medienimperium. Als Gordon Brown von der Chefredakteurin der "Sun" erfuhr, dass eine auf zweifelhafte Weise recherchierte Geschichte über die schwere Krankheit seines Sohnes am nächsten Tag die Zeitung zieren würde, weinten Brown und seine Frau einen Nachmittag lang. Danach galt wieder: Business as usual mit den Murdochs.

"Bereichert euch lieber heute als morgen." "Du bist, was du kaufst." Das ist jener von der grellen Geldkultur produzierte Nihilismus, der sich über die Stadt an der Themse legte wie früher der Nebel. Die wenigsten konnten sich ihm entziehen, nicht das Königshaus, nicht das Parlament, nicht die Polizei, und auch nicht die Sängerin Amy Winehouse, ein Jahrhunderttalent. Auch sie lieferte sich den Paparazzi und dem Klatsch aus, der Ruhm war ihre Zusatzdroge.

"Die Konsumgesellschaft beruht auf der Fähigkeit, an ihr teilnehmen zu können", sagt Alex Hiller, ein Marketingexperte an der Business School in Nottingham. "Man braucht dazu kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und Kredite. Mit Leuten, die nur niedrige oder gar keine Löhne haben und auch keine Kredite bekommen, funktioniert dieser neue Gesellschaftsvertrag nicht."

So gingen sie trotzdem shoppen wie die Beckhams. Allerdings mit einem Flammenwerfer in der Hand statt der schwarzen Karte von American Express.>

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16.8.2011: <Krawalle in London: Die Top 5 der Plünderungsartikel> - Elektronik, Handys, Kleider, Schuhe und das Anti-Durchfallmittel "Imodium" mit dem Drogen-Wirkstoff Loperamid

aus: 20 minuten online; 16.8.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/london/story/Die-Top-5-der-Pluenderungsartikel-19157876

<Nach den Krawallen analysierten Jugendpsychologen die gestohlenen Waren. Sie stiessen dabei auf ein überraschendes Produkt. Noch viel erstaunter ist ein 85-jähriger Coiffeur – aus ganz anderem Grund.

Tonnenweise Ware schleppten die Plünderer während ihrer Zerstörungsmärsche durch London, Birmingham und Manchester aus den Geschäften. Eine Kultur «der Faulheit, der Verantwortungslosigkeit und des Egoismus» sind nach Ansicht des konservativen britischen Premierministers David Cameron verantwortlich für die landesweiten Krawalle. Einen Zusammenhang mit dem Sparprogramm der Regierung sieht er nicht.

Weder Armut noch Spannungen zwischen Bürgern unterschiedlicher Herkunft seien Ursachen der Krawalle, sagte Cameron am Montag in einer Rede in einem Jugendzentrum in Oxfordshire in Südengland. Hintergrund seien vielmehr pure Kriminalität, Disziplinlosigkeit und fehlendes persönliches Verantwortungsgefühl.

Anti-Durchfallmittel ist ganz oben auf der «Einkaufsliste»

Ihm zu widersprechen dürfte Jugendpsychologen und Soziologen schwerfallen – wenn man die Liste der begehrtesten Plünderungsartikel analysiert. Tatsächlich sind die jungen Briten sehr selektiv bei ihren Klau-Rallyes vorgegangen: Vor allem Elektronik, Handys, Kleider, Schuhe und das Anti-Durchfallmittel «Imodium» wurden aus den Regalen gestohlen. Auch Alkohol war bei den Jungen eine beliebte Beute. Die Bücherläden hingegen blieben, man hätte es sich denken können, von den Plünderungen verschont.

Doch dass ausgerechnet ein Mittel gegen Durchfall auf der Top-5-Liste der Plünderungsartikel steht, schien den Experten zunächst unverständlich. Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, gab der Filialleiter der Pharmazie- und Drogeriekette Boots im Londoner Stadtteil Clapham die aufschlussreiche Erklärung: Das Antidiarrhoikum enthält den Wirkstoff Loperamid, das neuerdings zur Drogenherstellung verwendet wird.

Cool – und kriminell

Ebenfalls sehr beliebt bei den Dieben waren Geschäfte von Streetwear-Mode - allen voran Footlocker und JD Sports. Unter den begehrten Artikeln befanden sich Adidas-Sportschuhe und Nike-Trainingsanzüge. Tom Lloyd, Manager des Sportgeschäfts LA1, beobachtete seinerseits, wie die Krawallmacher sich vor allem auf Produkte der Marken Diesel, Carhartt und Fred Perry stürzten.

Jugendforscher werfen besonders diesen Marken nun vor, den Gangster-Look in ihren Werbekampagnen gefördert zu haben. Es sei ja sogar mit Musikern aus der US-amerikanischen Rapper-Szene wie Snoop Dogg, einem verurteilten Kriminellen, geworben worden. Nun hätten sie genau das bekommen, was sie in ihrer Werbung als besonders «cool» dargestellt hätten.

Eine Geschichte mit Happy End

Unter den vielen schrecklichen Plünderungsberichten sticht aber auch einer heraus, der trotz allem glücklich endete: Am 6. August wurde bei den Ausschreitungen der kleine Coiffeursalon von Aaron Biber zerstört, den der 85-Jährige über 40 Jahre lang im Londoner Stadtteil Tottenham betrieben hatte. An jenem Samstag zerstörten die Randalierer sein Lebenswerk: Sie brachen die Ladentür auf, verwüsteten den kleinen Salon und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war.

Das Bild des traurigen Mannes in seinem verwüsteten Laden machte rasch in Internetforen und Blogs die Runde. In einem Interview mit der britischen Zeitung «The Telegraph» gab er an, alles verloren zu haben, da er nicht versichert gewesen sei. Daraufhin kamen drei junge Frauen auf die Idee, Biber zu helfen: Die drei Praktikantinnen der britischen Werbeagentur BBH bauten eine Webseite auf, auf der sie zu Spenden für den alten Mann und seinen Friseurladen aufriefen. Über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook machten sie zusätzlich Werbung für ihre gute Aktion.

Es vergingen keine vier Tage, da waren schon 35 000 Pfund (etwa 45 000 Franken) zusammengekommen, erzählten die Initiantinnen in einem Interview mit der BBC. Der Salon von Aaron Biber ist inzwischen renoviert und konnte bereits wieder eröffnet werden. Und weil noch etwas Geld übrig blieb, wollen nun Biber und sein Neffe Eddie auch anderen kleinen Geschäftsleuten in ihrer Strasse beim Wiederaufbau helfen.

(kle)>

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16.8.2011: Spanner-Skandal mit der geschlossenen Zeitung "News of the World": Das Abhören von Promis war ausdrückliche Chef-Strategie

aus: 20 minuten online: News of the World: Führung stimmte Abhörpraktiken zu; 16.8.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/Fuehrung-stimmte-Abhoerpraktiken-zu-26624758

<Nach neuesten Enthüllungen hat das höchste Management der eingestellten Boulevardzeitung «News of the World» offenbar das Abhören von Promis und Politikern ausdrücklich befürwortet.

Nach einem Bericht der britischen Zeitung «The Guardian» wurde das Anzapfen von Telefonen unter ranghohen Mitarbeitern der im Zuge eines Skandals eingestellten Boulevardzeitung «News of the World» ausdrücklich befürwortet. Das geht aus einem Brief des früheren «News of the World»-Reporters Clive Goodman hervor, der dem «Guardian» vorlag.

Die illegale Abhörpraxis bei «News of the World» war keineswegs nur ein Einzelfall, sondern wurde unter Andy Coulson, dem früheren Chefredaktor und späteren Regierungssprecher von Premierminister David Cameron «breit diskutiert».

Durch die neuesten Behauptungen kommt auch der Sohn des Medienunternehmers Rupert Murdoch mehr und mehr unter Druck. Hat James Murdoch vor einem Parlamentsausschuss nicht die volle Wahrheit? Es stehe die Frage im Raum, ob James Murdoch den Ausschuss in die Irre geführt hat, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson.

Der 38-Jährige James Murdoch hatte an der Seite seines Vaters vor dem Ausschuss aussagen müssen. Er ist Europa-Chef des Medienkonzerns News Corp., zu dem in Grossbritannien auch die Verlagsholding News International gehört, wo die «News of the World» erschienen war.

«The Guardian» berichtete am Dienstag, Goodman habe den Brief vor vier Jahren verfasst, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war. In dem Schreiben heisst es demnach, das illegale Abhören sei in «voller Kenntnis und mit voller Unterstützung» der «News of the World»-Führung erfolgt.

(dapd)>

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17.8.2011: <Krawalle in England: Vier Jahre Haft für Aufruf zu Randale>

aus: 20 minuten online; 17.8.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/london/story/Vier-Jahre-Haft-fuer-Aufruf-zu-Randale-16614524

<Zwei junge Briten sind im Zusammenhang mit den Krawallen in England verurteilt worden. Einer der Männer richtete die Facebook-Seite «Macht Northwich nieder» ein.

Im Nordwesten von England sind zwei junge Briten wegen Aufrufs zu Randale zu je vier Jahren Haft veurteilt worden. Sie hatten über das soziale Netzwerk Facebook im Internet zu Krawallen aufgerufen.

Ein Polizeisprecher bezeichnete den Urteilsspruch am Dienstag als «abschreckendes Beispiel und klare Botschaft an potenzielle Krawallmacher». Die Facebook-Einträge der beiden Männer hätten gezeigt, wie heutzutage die Technologie für kriminelle Aktivitäten missbraucht werden könne.

Aufruf via Facebook-Seite

Einer der Verurteilten ist ein 20-Jähriger, der die Facebook- Seite «Macht Northwich nieder» einrichtete und darauf unter anderem zum Sturm auf eine McDonald's-Filiale aufrief. Der zweite Verurteilte, ein 22-Jähriger, hatte zu Protesten in Warrington - ebenfalls im Nordwesten Englands - aufgerufen.

In ganz Grossbritannien war es in der vergangenen Woche zu Ausschreitungen vor allem durch junge Menschen gekommen. Bei den vier Nächte dauernden Unruhen kamen insgesamt fünf Personen ums Leben.

(sda)>

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Welt
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17.8.2011: Englands Wirtschaft schmiert ab - die Inflation galoppiert - die Krawalle brachten den Ausschlag: Die Investoren gehen, das Pfund fällt

aus: Welt online: Wertverlust: Anleger flüchten in Scharen aus britischem Pfund; 17.8.2011;
http://www.welt.de/finanzen/article13550244/Anleger-fluechten-in-Scharen-aus-britischem-Pfund.html

<Die britische Wirtschaft liegt am Boden, die Inflation erreicht Rekorde. Weil Investoren ihr Geld abziehen, verliert das Pfund stark an Wert.

Die Unruhen in vielen britischen Vorstädten scheinen nicht nur Entsetzen bei Fernsehzuschauern im In- und Ausland ausgelöst zu haben. Sie haben offenbar auch dazu geführt, dass viele Investoren ihren Blick auf Großbritannien verändert haben. Investoren hätten in den vergangenen Tagen in solch raschem Tempo Geld aus dem Land abgezogen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Und eine Umfrage von Bank of America/Merrill Lynch unter Fondsmanagern weltweit brachte nun aktuell ans Licht, dass diese in Bezug auf keine andere Anlageregion so negativ eingestellt sind wie gegenüber der britischen Insel. Das Schlimme ist: Dafür gibt es gute Gründe. Am 11. August hatte Schatzkanzler George Osborne verkündet, dass die Konjunkturerholung länger dauern und schwieriger werden würde als erwartet.

Und das ist noch schöngeredet. Die Wirtschaft wird in diesem Jahr höchsten 1,2 Prozent wachsen, noch weniger als in der Euro-Zone, zu der immerhin eine Reihe von Ländern gehört, deren Wirtschaft schrumpft. Und das, obwohl der Leitzins weiterhin bei 0,5 Prozent liegt und die Notenbank zuletzt andeutete, erneut Geld zu drucken.

Dies hat bereits jetzt dazu geführt, dass die Inflationsrate auf 4,4 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig werfen britische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit gerade mal noch 2,4 bis 2,5 Prozent an Rendite pro Jahr ab. Sparer werden auf der Insel also klammheimlich und Stück für Stück enteignet, in der Hoffnung auf diese Weise den maroden Staatshaushalt zu sanieren.

Die Schulden haben inzwischen eine Höhe von 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht. Im vergangenen Haushaltsjahr betrug die Neuverschuldung zudem elf Prozent des BIP. Diese Quote soll durch ein drastisches Sparprogramm innerhalb von fünf Jahren auf ein Prozent reduziert werden. Dies tut die Regierung vor allem, um die Bestnote AAA bei den Ratingagenturen nicht einzubüßen.

Doch dieser Schuss könnte am Ende nach hinten losgehen. „Die Sparmaßnahmen sind gut für die Ratings, aber in den Augen des Marktes unterminieren sie auch den Ausblick für das Wachstum”, sagt Ken Dickson, Direktor Deviseninvestments bei Standard Life Investments in Edinburgh.

Experten bleiben daher pessimistisch für Großbritanniens Wirtschaft und vor allem für seine Währung. Analysten haben ihre Prognosen für den Kurs des Pfundes gegenüber dem Euro für dieses Jahr mittlerweile um 5,7 Prozent zurückgenommen – mehr als bei jedem anderen wichtigen Währungspaar. „Ich bleibe ziemlich pessimistisch für das Pfund”, sagt Stephen Gallo, Leiter Markt-Analyse bei Schneider Foreign Exchange in London. Bis zum Jahresende erwartet er einen Kursverlust des Pfundes gegenüber dem Euro von über acht Prozent auf dann 96 Pence je Euro.

Das macht Investments in Großbritannien zusätzlich unattraktiv. Denn durch das stetig schwächer werdende Pfund verlieren ausländische Anleger stetig Geld. Kein Wunder also, dass der Geldabfluss aus Großbritannien schon einige Zeit anhält.

Im ersten Quartal haben Investoren netto 48,9 Milliarden Pfund (55,7 Milliarden Euro) aus britischen Aktien, Anleihen und Geldmarktprodukten abgezogen. In den drei Monaten davor beliefen sich die Kapitalabflüsse auf 55,3 Milliarden Pfund (63 Milliarden Euro), wie aus den jüngsten Daten des britischen Statistikamtes hervorgeht.

Ähnlich schlimme Zahlen musste das Amt zuletzt im dritten Quartal 2005 verkünden. Noch größere Probleme konnte das Land bisher nur aus zwei Gründen vermeiden. Zum einen werden die Staatsanleihen zu 70 Prozent im Großbritannien selbst an den Mann gebracht. Und für die Briten ist der eigene Staat immer noch vertrauenswürdig, so dass es bislang zu keinem Finanzierungsengpass kam wie in einigen Euro-Ländern. Zum anderen aber verhindern die Probleme in der Euro-Zone einen noch drastischeren Absturz des Pfundes.

Noch. Denn je länger die Malaise auf der Insel andauert, desto stärker könnte sie ins Bewusstsein der Investoren gelangen. „Die Fundamentaldaten der britischen Wirtschaft sind sehr schwach”, sagt Sara Yates, Strategin bei Barclays in London. Die Euro-Zone sehe im Vergleich dazu wesentlich besser aus. „Das Pfund ist daher stärker verwundbar.“

fhs/Bloomberg>

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n-tv
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19.8.2011: Kriminelle Gangs in London warten nur auf neue Gewalt

aus: n-tv online. Bericht nach Krawallen in London: Gangs dürstet nach Gewalt; 19.8.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Gangs-duerstet-nach-Gewalt-article4093051.html

<Der Rauch der großen Krawalle hat sich verzogen, in die Londoner Vorstädte kehrt das Tagesgeschäft zurück. Die Gangs denken gar nicht daran, bei der Gewalt nachzulassen. Schon wieder gibt es erste Morde. Ein neuer Bericht erklärt die Struktur der kriminellen Banden.

Die Feuer sind gelöscht, die Fernsehsender haben ihre Kamerapositionen wieder verlassen, die Politiker sind verstummt. Zwei Wochen nach den vor allem von Jugendbanden ausgelösten Krawallen ist der Alltag in London zurück. Und der sieht nicht immer rosig aus: Am Mittwoch starb ein 14-Jähriger durch einen Messerstich im Norden der Stadt. Am gleichen Tag konnte ein Afghanistan-Soldat einem niedergestochenen Jungen gerade noch das Leben retten - mitten in der belebten Oxford Street, der Haupteinkaufsmeile Londons.

Bandenkriminalität ist in der Themse-Metropole Tagesgeschäft. Mit dem 14-Jährigen Leroy James aus Enfield starb am Mittwoch der zehnte Teenager in diesem Jahr - und der jüngste. Damit ist 2011 bisher kein besonderes Jahr. 2010 kamen 18 Teenager in zwölf Monaten ums Leben. Die Volljährigen, die bei Bandenkriegen sterben und die Unschuldigen, die in die Schusslinie geraten, zählt Scotland Yard in anderen Statistiken. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer durch Bandenkriminalität ist also deutlich höher.

Strenge Hierarchien

In den USA war das Comeback der Straßengangs der 80er und 90er Jahre schon vor fünf Jahren ein großes Thema. In London hatte man das Problem lange Zeit unter dem Teppich gehalten. "Was Bandenkriminalität angeht, sind wir noch immer nicht aufgewacht", schrieb der frühere Bandenexperte von Scotland Yard, Kevin Hurley, am Freitag in der Zeitung "The Sun". "Unsere kaputte Gesellschaft macht es den Banden leicht, die Macht über unsere Jugend zu bekommen und sich als Vorbilder aufzuspielen."

Wer sind diese jungen Leute, die sich in Gangs organisieren? Was treibt sie? Wie sind die Gruppen organisiert? Allen Davis, Bandenexperte der Londoner Polizei, und James Densley, Sozialforscher an der Universität von Minnesota (USA), haben jetzt einen fundierten Bericht vorgelegt, den das Fachmagazin "Janes Police Review" in seiner neuen Ausgabe druckt. Ihr Ergebnis: Es sind streng hierarchische Strukturen; es geht um Geld, Drogen, Statussymbole und Sex. Wer sich durch Gewalt oder Geldbeschaffung auszeichnet, klettert auf der Gang-internen Karriereleiter nach oben.

Gewalt und Geld gehen einher

Junge Bandenmitglieder dürsten förmlich danach, gewalttätig werden zu können. Oft filmen sie ihre Taten und machen sie dann zum Nachweis über soziale Netzwerke öffentlich. "Je aggressiver ein Angriff ist, desto höher wird er bewertet und mit desto besseren Waffen wird er belohnt", schreiben Davis und Densley in ihrem Bericht, für den sie 69 Mitglieder von 12 der 169 bekannten Londoner Straßengangs interviewt hatten.

Neben strikter Verschwiegenheit ist das Geldverdienen ein weiterer Stützpfeiler im Gerüst der Banden. Gangs verfahren hauptsächlich nach dem Pyramidenprinzip. Das Geld fließt von unten nach oben, in Richtung der höhergestellten Gang-Mitglieder. Belohnungen werden abhängig vom eingegangenen Risiko ausgezahlt. Das Geld wird in Statussymbole investiert: Turnschuhe, Mobiltelefone, TV-Geräte.

Missbrauch für Karrieresprung

Damit kann man dann Mädchen imponieren - die in den Hierarchien der Gangs keinerlei Rolle spielen. Der Londoner Sozialwissenschaftler Gus John war schon in einer Studie vom November vergangenen Jahres zu dem Schluss gekommen, dass 95 Prozent der Bandenmitglieder "männlich und schwarz" sind.

Mädchen zu missbrauchen und zum Sex zu nötigen, gilt als erstrebenswert und bringt einen weiter auf der Karriereleiter. "Gangmitglieder habe einen sehr lockere Sichtweise bis hin zur völligen Missachtung, was das Thema Einvernehmlichkeit angeht", heißt es in dem Bericht von Densley und Davis.

Ein großer Teil des Gang-Lebens scheint dagegen recht langweilig zu sein: Eine der Hauptaufgaben der jüngeren "Soldaten" ist es dem Report zufolge, "Streife" zu gehen. Das heißt, durchs Viertel zu streichen und Ausschau nach der Polizei zu halten - und nach den Mitgliedern rivalisierender Banden. Die dürfen keinesfalls die Grenzen des eigenen Territoriums übertreten. Das könnte nach Meinung der Ermittler auch dem 14-Jährigen Leroy James zum Verhängnis geworden sein. "Vielleicht war er einfach zur falschen Zeit an der falschen Adresse."

Michael Donhauser, dpa>

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Basler
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20.8.2011: Krawalle: <Randalierer schossen auf unbewaffnete Polizisten> - "koordiniertes, kriminelles Verhalten"

aus: Basler Zeitung online; 20.8.2011;
http://bazonline.ch/ausland/europa/Randalierer-schossen-auf-unbewaffnete-Polizisten/story/13409849

<Schockierende Szenen: Randalierer schiessen auf einen Polizeihelikopter. (Video: Reuters)

Die britische Polizei hat dramatische Videoaufnahmen veröffentlicht: Sie zeigen, wie während den Unruhen in Grossbritannien Randalierer in Birmingham auf unbewaffnete Polizisten schossen.

Krawalle in London
Nachdem ein vierfacher Familienvater durch eine Polizeikugel getötet wurde, haben dutzende Menschen gewaltsam demonstriert. In verschiedenen Stadtteilen Londons ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Auf Aufnahmen von Überwachungskameras aus der mittelenglischen Stadt Birmingham ist zu sehen, wie eine Gruppe von 30 bis 40 maskierten jungen Männern am Abend des 9. August im Viertel Newtown ein Polizeiauto mit einem Molotow-Cocktail bewirft und auf unbewaffnete Polizisten sowie einen Polizeihelikopter schiesst, der zur Beobachtung der Ausschreitungen eingesetzt wurde.

Insgesamt seien elf Schüsse abgegeben worden, erklärte die Polizei gemäss «Guardian». Die Aufnahmen zeigten «offenbar koordiniertes kriminelles Verhalten». Es werde wegen versuchten Mordes ermittelt, erklärte die Polizei und rief die Öffentlichkeit zur Hilfe bei der Suche nach den Tätern auf. Auf den Videobildern ist auch zu sehen, wie die Männer eine Kneipe und mehrere Geschäfte verwüsten.

Sechs Tote

Die viertägigen Unruhen waren am 6. August durch den Tod des 29-jährigen Mark Duggan ausgelöst worden, der im Londoner Stadtteil Tottenham bei seiner Festnahme durch die Polizei erschossen worden war. Bei den Ausschreitungen wurden fünf weitere Menschen getötet.

Darunter waren drei junge Männer in Birmingham, die ihr Viertel vor Plünderern schützen wollten. Sie wurden offenbar mutwillig von einem Auto überfahren. Acht Menschen wurden wegen des Vorfalls bisher festgenommen, vier davon wurden angeklagt. (bru)>

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Basler
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16.8.2011: Krawalle durch Männer haben ihre Ursachen: <Wenn Jungs ohne Vater aufwachsen> - oder ohne Vaterfigur - so meint Michèle Binswanger von der BaZ

aus: Basler Zeitung online; 16.8.2011;
http://blog.bazonline.ch/mamablog/index.php/18504/die-randalierer-und-die-abwesenden-vater/

<Michèle Binswanger am Dienstag den 16. August 2011

Machokultur als Vaterersatz: Verurteilter junger Mann. Jung, arbeits- und orientierungslos: Randalierer in London.

Sogar ein Laie wie ich durfte damit rechnen, dass die Finanzmärkte den Herbst nicht schadlos überstehen würden. Aber was während der letzten zwei Wochen in England geschah, hat alle überrascht. Und es muss zu denken geben. Wie aus dem Nichts brachen die Unruhen aus, ganze Stadtteile gingen in Flammen auf, der Mob plünderte, raubte, mordete und weder die Polizei noch die Zivilbevölkerung wusste auf die anarchischen Zustände zu reagieren.

Nun hat die Stunde der Analysten geschlagen, um die tieferen Ursachen für die scheinbar aus dem nichts kommende Gewalt zu diagnostizieren. «Die Randalierer sind schwarz und ohne Väter» hiess es etwa in der «SonntagsZeitung». Tatsache ist, dass die 18 Stadtteile, die am meisten von der Randale betroffen waren, alle eine extrem hohe Zahl alleinstehender Mütter und «zerbrochener Familien» aufweisen. Es handelt sich dabei um junge Männer ohne Ausbildung und Perspektive, aufgewachsen mit den Anreizen des modernen Sozialstaates, aber ohne väterliche Autorität. Der britische Premier David Cameron hat nun angekündigt, dass er den Randalierern jegliche Sozialhilfe streichen wird. Ob das das Problem entschärfen wird, ist fraglich. Zumal das tiefer liegende Problem ja eher die Sache mit den abwesenden Vätern sein dürfte.

Kriminelle Banden waren die Hauptakteure bei den Krawallen. Mit ihrer strikten Hierarchie, ihrer Machokultur und der Forderung nach unbedingtem Gehorsam bieten sie den orientierungslosen jungen Männern jene stabilen Strukturen, welche diese in der Familie vermissen. Dazu kommen verhängnisvolle Rollenmuster, an welche die Männer sich umso mehr zu klammern scheinen, je weniger die gesellschaftlichen Grundlagen dazu gegeben sind. Die jungen Männer, so hielt der emeritierte Soziologieprofessor Walter Hollstein im Tagesanzeiger fest, orientierten sich an einem traditionalistischen Männerbild und seien deshalb unfähig, sich den veränderten Bedingungen anzupassen.

Was er damit meint, ist Folgendes: In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Arbeitsleben fundamental gewandelt. Mit der Globalisierung kam die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, man spricht auch von einer Feminisierung der Arbeitswelt. Das heisst, heute müssen auch Männer unter Bedingungen arbeiten, die bislang vor allem für weibliche Arbeitnehmerinnen typisch waren: eher flexibel, unregelmässig, unsicher, fristig, vielfältig und vor allem vermischt mit anderen Aktivitäten. Den Männern fällt dieser Übergang schwer, wie der Soziologe Lord Dahrendorf schon 1995 im Interview mit dem «Spiegel» feststellte: «In Grossbritannien haben wir jetzt schon mehr beschäftigte Frauen als Männer. Eines der sozialen Hauptprobleme besteht darin, dass junge Männer nicht bereit sind, die Teilzeitberufe und befristeten Arbeitsverträge zu akzeptieren, die Frauen hinnehmen. Sie hängen herum und gefährden Recht und Ordnung, was dann wieder zu autoritären Reaktionen führt. Das Problem der zornigen jungen Männer könnte bald auch anderen europäischen Ländern zu schaffen machen.»

Es bleiben Fragen: Könnte so etwas auch bei uns geschehen – zumal in der Schweiz mehr als drei Viertel der jungen Gewalttäter aus Familien mit allein erziehenden Müttern stammen? Und was muss man unternehmen, um das zu verhindern? Wo sind eigentlich die Väter dieser Kids und warum kümmern sie sich nicht um ihre Familien? Braucht es ganz einfach wieder ein bisschen mehr Zucht und Ordnung und das Problem ist gelöst, wie konservative Kreise sagen würden? Würde eine Aufwertung des Sozialstaates etwas bewirken können, wie Linke wahrscheinlich sagen würden? Oder liegt der Kern des Problems tatsächlich in der Krise der Männer, die aufgrund ihrer traditionellen Rollenbilder unfähig sind, sich in einer sich immer schneller drehenden Welt anzupassen? Und wer wäre fähig, hier ein Umdenken zu bewirken?

Natürlich gibt es auf komplexe Probleme selten einfache Rezepte. Aber wenigstens auf meine letzte Frage scheint mir die Antwort eindeutig: Die Männer müssen ran. Sie müssen ihre Rolle hinterfragen und neu definieren, es braucht neue Vorbilder für neue Männer. Denn letzlich ist es ja auch ein Integrationsproblem. Die Einwanderer leben auf der untersten sozialen Stufe und zelebrieren ihr Machotum und den Hang zur Kriminalität als Gegenkkultur zur Klasse der Besitzenden, des schweizerischen Mittelstands. Hier braucht es von der Politik ein klares Bekenntnis zur Gleichberechtigung der Geschlechter als zentraler Wert der hiesigen Kultur. Und man muss vor allem auch den immigrierten Männern ermöglichen, zu arbeiten, ein Auskommen zu finden, so dass sie ein menschenwürdiges Leben führen können. Sonst sind sie eine soziale Zeitbombe.>

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26.9.2011: <Scheinwerfer für Linksverkehr anders einstellen>

aus: n-tv online; 26.9.2011;
http://www.n-tv.de/ticker/Reise/Scheinwerfer-fuer-Linksverkehr-anders-einstellen-article4392091.html

<Landsberg (dpa/tmn) - Bei einem Auto mit dem Steuer auf der linken Seite müssen Fahrer die Scheinwerfer für den Linksverkehr anders einstellen. Das gilt für deutsche Urlauber, die nach Großbritannien mit einem Auto fahren, das für den Rechtsverkehr ausgelegt ist.

Wer von Deutschland aus mit dem Auto nach Großbritannien fährt, muss seinen Wagen auf den Linksverkehr ausrichten. Um den Gegenverkehr nicht zu blenden, würden in der Regel bestimmte Bereiche an der Abdeckung abgeklebt, sagte Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Während früher dazu bei Scheinwerfern mit geriffelten Streuscheiben aus Glas noch Schere und Klebeband ausreichten, sind die abzuklebenden Bereiche bei heutigen Fahrzeugen nicht mehr markiert. In vielen Fällen hilft nur die Fahrt in die Werkstatt.

Vom Abkleben in Eigenregie bei modernen Fahrzeugen rät Thiemel auch aus einem anderen Grund ab: «Die UV-Schutzlacke moderner Klarglas-Abdeckscheiben könnten dadurch Schaden nehmen.» Stattdessen kommen spezielle Folien oder Schablonen der Hersteller zum Einsatz. Teilweise kann die Umstellung auch nur über einen Hebel am Scheinwerfer oder einen Diagnosetester in der Werkstatt vorgenommen werden. «Die Betriebsanleitung gibt Auskunft, was beim jeweiligen Auto genau notwendig ist», so der Experte.

Im Vorteil sind Fahrzeuge mit Kurvenlicht: «Sie haben inzwischen fast immer einen Reisemodus für den Linksverkehr», erläuterte Thiemel. Über ein Menüpunkt im Cockpit werde der rechte Scheinwerfer leicht nach links gedreht und abgesenkt und der linke ein wenig angehoben.

Quelle: n-tv.de / dpa>

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Financial
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6.10.2011: Englische Politik: Inflation? Ja, bitte - der kapitalistische Selbstmord in England

aus: Financial Times Deutschland online: Ultralockere Geldpolitik: Bank of England pfeift auf die Inflation; 6.10.2011;
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:ultralockere-geldpolitik-bank-of-england-pfeift-auf-die-inflation/60112767.html

<BoE-Chef Mervyn King macht die Konjunktur mehr Sorgen als die Inflation

Die Londoner Zentralbank stützt die schwächelnde Konjunktur: Sie will mit dem Kauf von Wertpapieren 75 Mrd. Pfund in die Märkte pumpen - trotz einer Teuerungsrate nahe fünf Prozent. Das Pfund geht auf Talfahrt.

von Barbara Schäder  Frankfurt

Die Bank of England (BoE) wirft die Notenpresse an: Das geldpolitische Komitee um Notenbankgouverneur Mervyn King  kündigte am Donnerstag an, durch den Kauf von Wertpapieren 75 Mrd. Pfund in die Märkte zu pumpen. Den Leitzins beließen die Währungshüter auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das britische Pfund  fiel nach der Entscheidung in der Spitze um ein Prozent auf ein Tagestief von 1,1461 Euro. Zum Dollar  gab die Devise zeitweise ebenfalls um ein Prozent nach.
Die Notenbank reagiert mit den Wertpapierkäufen auf die Eintrübung der Konjunkturaussichten. Im zweiten Quartal wuchs die britische Wirtschaft laut revidierten Zahlen vom Mittwoch nur noch um 0,1 Prozent. Finanzminister George Osborne hatte bereits vor einigen Wochen eingeräumt, dass die bisherige Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für das gesamte Jahr nicht mehr zu halten sei.

Während der jüngsten Rezession hatte die BoE Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 200 Mrd. Pfund erworben, um die Wirtschaft zu stützen. Das Programm, das analog zu den Anleihekäufen in den USA als Quantitative Easing (geldpolitische Lockerung) bezeichnet wurde, lief Anfang 2010 aus. Während die US-Notenbank Federal Reserve bereits im vergangenen Jahr eine zweite Runde (QE2) einläutete, widersetzte sich die BoE Forderungen nach einer Wiederaufnahme der Anleihekäufe lange aus Sorge um die Inflation. Noch im August lagen die Verbraucherpreise 4,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Währungshüter erwarten "mittelfristig" niedrigere Teuerungsraten

Die Notenbank räumte am Donnerstag ein, die Teuerungsrate werde in den kommenden Monaten voraussichtlich sogar auf fünf Prozent steigen. Das hänge aber mit Sonderfaktoren zusammen: Versorgungsunternehmen hätten eine Erhöhung der Energiepreise angekündigt. Die Entwicklung der vergangenen Monate gehe auf die Mehrwertsteuererhöhung im Januar und den Anstieg der internationalen Rohstoffpreise zurück. Beide Effekte dürften mittelfristig abklingen, schreibt die BoE. "Die Verschlechterung der Konjunkturaussichten macht es wahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig unter der angestrebten Rate von zwei Prozent liegen wird.">

Teil 2

aus: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:ultralockere-geldpolitik-bank-of-england-pfeift-auf-die-inflation/60112767.html?page=2

<Ausweitung nicht ausgeschlossen

Als Hauptgrund für die Abkühlung des Wirtschaftswachstums betrachten die britischen Währungshüter die Euro-Krise. "Der weltweite Aufschwung hat an Fahrt verloren, besonders in den wichtigsten Exportmärkten des Vereinigten Königreichs. Die Probleme im Zusammenhang mit der Verschuldung einiger Euro-Staaten und Banken haben zu erheblichen Verspannungen auf dem Interbankenmarkt und den Finanzmärkten insgesamt geführt", schreiben sie in ihrer Begründung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verzichtet vorerst dennoch auf eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Die Währungshüter beließen den Leitzins auf ihrer monatlichen Sitzung bei 1,5 Prozent. Möglich sind weitere geldpolitische Schritte, die der scheidende Präsident Jean-Claude Trichet auf seiner bevorstehenden letzten Pressekonferenz an der EZB-Spitze bekannt geben könnte.

Die von der BoE angekündigten Anleihekäufe dürften nach Einschätzung der Notenbank innerhalb von vier Monaten abgeschlossen sein. Eine Ausweitung des Programms ist aber nicht ausgeschlossen: Bei der ersten Runde im Jahr 2009 hatte die BoE ebenfalls mit einem Volumen von 75 Mrd. Pfund begonnen und es schrittweise auf 200 Mrd. Pfund erhöht.>

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7.10.2011: <Moody's schlägt wieder zu: Briten-Banken herabgestuft> - 12 britische Banken betroffen - Royal Bank of Scotland (RBS) wird gleich um zwei Stufen herabgesetzt

aus: n-tv online; 7.10.2011;
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Briten-Banken-herabgestuft-article4474826.html

<Kurz vor dem Wochenende wird Moody's noch einmal aktiv. Die Ratingagentur senkt die Bonität von zwölf britischen Geldinstituten. Dabei wird die Royal of Scotland (RBS) um zwei Stufen heruntergesetzt. Die Regierung in London schließt nicht mehr aus, dass die RBS weitere Staatshilfen benötigt. Schatzkanzler Osborne versucht dennoch zu beruhigen.

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Finanzinstitute sowie Berichte über mögliche Probleme bei der Royal Bank of Scotland (RBS) haben Sorgen um Großbritanniens Banken ausgelöst. Die Ratingagentur Moody's setzte die Kreditwürdigkeit von zwölf britischen Banken herab. Betroffen sind unter anderem Lloyds, die britische Tochter der spanischen Bank Santander sowie die Bausparkasse Nationwide. Hinzu kommen sieben kleinere Bausparkassen.

Moody's begründete den Schritt damit, dass die Geldinstitute bei künftigen Notlagen weniger Hilfen der britischen Regierung erwarten könnten. Zuvor hatte die Agentur bereits das Rating von neun portugiesischen Banken angesichts der Schuldenkrise im dem südeuropäischen Land herabgesetzt.

Das Rating der Lloyds Banking Group wurde um eine Stufe von "Aa3" auf "A1" gesenkt, das der RBS um zwei Stufen von "Aa3" auf "A2". Beiden Banken hatte die damalige Labour-Regierung von Premierminister Gordon Brown in der Finanzkrise 2008/2009 unter die Arme gegriffen. Die RBS zählt weltweit zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Derzeit liegen 82 Prozent ihrer Aktien beim Staat. Die "Financial Times" berichtete, in der britischen Regierung wachse die Sorge, dass die RBS erneut eine Geldspritze vom Staat brauchen könnte.

RBS-Probleme mit Staatspapieren

Es sei möglich, dass die RBS beim Ausfall von Staatspapieren aus den Ländern der Eurozone nicht genug Kapital hätte. "Wenn es in Europa eine breite Bewegung zur Rekapitalisierung von Banken gibt, dann ist es denkbar, dass auch die RBS mehr Staatshilfen benötigt", zitierte die Zeitung einen Regierungsvertreter. Das Blatt beruft sich auf einen Bericht vom Vortag, in dem es hieß, die Europäische Bankenaufsicht EBA prüfe derzeit, wie die Banken auf mögliche Ausfälle von Staatspapieren etwa aus Griechenland vorbereitet seien. Die EBA hatte dies nicht bestätigt.

Die RBS hat viel Geld in Staatspapiere von Euro-Schuldenländern angelegt. Bereits im ersten Halbjahr korrigierte sie den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen von 1,2 Milliarden Euro nach unten. In Italien hat sie noch 4 Milliarden Euro im Feuer. Die RBS hatte in den Jahren 2008 bis 2010 einen Verlust von rund 29 Milliarden Pfund angehäuft und musste verstaatlicht werden. Die Kosten für die Rettung der Bank belaufen sich laut Zeitung bislang auf 45 Milliarden Pfund (52 Milliarden Euro).

Ein RBS-Sprecher sagte, es gebe keinen Anlass zur Sorge. Es sei "pure Spekulation", in welchem Ausmaß Banken von einem Ausfall von Staatspapieren getroffen werden könnten. RBS habe eine Eigenkapitalquote von 11,1 Prozent aufzuweisen und sei damit eine der stärksten Banken in Europa. In den Bankenstresstests der EBA vom Juli sei bereits errechnet worden, wie gut die Banken auf mögliche Ausfälle vorbereitet seien. Dabei habe die RBS gut abgeschnitten.

Osborne macht auf Optimismus

Am Vortag hatte die Bank of England (BoE) neues Geld in die britische Volkswirtschaft gepumpt, um die lahmende Konjunktur in Fahrt zu bringen. Um zusätzliches Kapital für Investitionen bereitzustellen, sollen für 75 Milliarden Pfund Unternehmensanleihen gekauft werden. Bereits 2009 hatte die britische Notenbank so 200 Milliarden Pfund in die Wirtschaft gepumpt. BoE-Chef Mervyn King hatte die derzeitige Schulden- und Bankenkrise als möglicherweise schlimmer als die Depression der 1930er Jahre bezeichnet.

Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne versuchte, Zuversicht zu verbreiten. Der Plan der Regierung, die Schulden zu bewältigen, sei "zuverlässig", sagte der konservative Politiker in einem BBC-Interview. "Der Kurs harter geldpolitischer Maßnahmen und verantwortlicher Finanzpolitik ist der richtige Weg, und diesem folgen wir."

wne/dpa/AFP>

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Der schiefe Turm von London:


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10/10/2011: <Big Ben se inclina como la Torre de Pisa>



10.10.2011: Big Ben neigt sich wie der Turm von Pisa
http://peru21.pe/noticia/1315711/big-ben-se-inclina-como-torre-pisa

La torre del reloj de 96 metros del Parlamento británico se ha inclinado medio metro con respecto al eje perpendicular, según expertos.

Un grupo de expertos reveló que el Big Ben, uno de los mayores símbolos del Reino Unido, se ha inclinado medio metro con respecto al eje perpendicular desde que el edificio fue construido, en el año 1853.

La medición arrojó que la torre está inclinada hacia el noroeste en 0.26 grados. Sin embargo, los expertos dijeron que no hay razones para alarmarse, al menos en un‘corto plazo’ de 4,000 años, tiempo que le llevaría tener el ángulo de inclinación de su par italiana, la Torre de Pisa, que es de cuatro grados.

Los trabajos subterráneos serían la principal causa de tal fenómeno en la torre del reloj de 96 metros del Parlamento británico, conocido mundialmente como Big Ben. “La inclinación ahora empieza a ser visible. Lo puedes ver si estás en la plaza del Parlamento y miras al este, hacia el río”, dijo John Burland, profesor emérito e investigador sénior del Imperial College de Londres, al Sunday Telegraph.




Der Glockenturm mit 96 Metern des britischen Parlaments neigte sich um einen halben Meter im Vergleich zur senkrechten Achse.

Eine Expertengruppe entdeckte, dass der Big Ben, enies der besten Symbole im Vereinigten Königreich, sich um einen halben Meter gegenüber der senkrechen Achse geneigt hat. Der Turm wurde im Jahre 1853 errichtet.

Die Messung ergab, dass der Turm sich um 0,26 Grad nach Nordosten geneigt hat. Jedoch sei dies noch kein Grund zur Beunruhigung. Im Vergleich dazu sei der schiefe Turm von Pisa um 4 Grad geneigt.

Grund für die Neigung des 96 Meter hohen Turms "Big Ben" seien unterirdische Arbeiten. Nun wird die Neigung aber sichtbar. Wer am englischen Parlament steht und nach Osten in Richtung Fluss schaut, der sieht die Neigung schon", sagte John Burland, emerierter Professor und ehemaliger Wissenschaftler am Imperial College in London, an Sunday Telegraph.

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5.12.2011: Notstand an Englands Westküste: Die Regierung ersetzt die Wellenbrecher nicht und lässt England 2 m pro Jahr verkleinern - die Nordsee frisst Happisburgh

aus: n-tv online: Klimawandel verändert Küste: Nordsee frisst Häuser; 5.12.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Nordsee-frisst-Haeuser-article4928351.html

<Wenn in diesen Tagen in Durban über Klimawandel geredet wird, dann bleibt es oft abstrakt. An der englischen Ostküste sind die Auswirkungen gut zu sehen. Im Dörfchen Happisburgh hat die anschwellende Nordsee schon 26 Häuser verschluckt.

Bildertexte:

<26 Häuser sind in Happisburgh schon von den Wellen der Nordsee verschluckt worden, zehn weitere stehen kurz vor dem Abriss.

Etwa zwei Meter Land holt sich die Nordsee hier jedes Jahr.

Diana Wrighton in dem ehemaligem Vorgarten ihrer kleinen Pension mit Meerblick.>

Von der kleinen Pension mit Meerblick, in der Diana Wrighton 30 Jahre lang ihre Gäste mit englischem Tee verwöhnt hat, sind ihr nicht einmal mehr die Schlüssel geblieben. Das "Cliff House" in Happisburgh, an der englischen Ostküste zur Nordsee gelegen, steht leer. Diebe haben sogar schon die Wasserleitungen aus Kupfer geplündert. Im Mai dieses Jahres hatte die alte Dame vor den Folgen des Klimawandels kapituliert, zog in ein Bauernhaus rund 20 Meilen landeinwärts. "Das Meer ist zu nahe gekommen", sagt die ältere Dame achselzuckend.

26 Häuser sind in Happisburgh schon von den Wellen der Nordsee verschluckt worden, zehn weitere stehen kurz vor dem Abriss. Diana Wrighton und ihre Nachbarn gehören zu den ersten echten Opfern des Klimawandels in Europa. Über die Jahre hat sich die Nordsee immer mehr vom Land genommen. Der Jahrtausende alte Prozess der Erosion, sagen Wissenschaftler, wurde durch den steigenden Meeresspiegel, höheren Wellendruck und häufigere Stürme deutlich verschärft - und vor allem beschleunigt.

Zwei Meter Land pro Jahr

Diana Wrighton und ihre Freundin Jille Morris gehörten zu den letzten Einwohnern der 800-Seelen-Gemeinde, die es noch an der Cliffkante in Happisburgh ausgehalten hatten. Zehn Häuser stehen dort, am Fuße eines traditionellen Leuchtturmes. Die Gemeinde muss sie nach Lage der Dinge noch in diesem Winter abreißen. Sie drohen einzustürzen, weil ihnen das Meer den Boden unter den Füßen wegfrisst.

Wenn Diana Wrighton an die Kante der Klippen tritt, kann sie vor ihrem geistigen Auge noch die Straße sehen, die einst unten vorbeiführte. "Dort draußen war eine Reihe Bungalows", sagt sie und deutet aufs offene Meer. Das ist erst ein paar Jahre her. Jedes Jahr frisst sich die Nordsee an dieser Stelle zwei Meter weiter ins Land, vor allem im Winter. Die Bodenstruktur aus Ton und Sand macht es ihr leicht. Früher musste Diana Wrighton etwa 25 Meter gehen, bis sie an der Kante stand. Heute sind es nicht einmal mehr zehn.

Vorwürfe an die Regierung

"Die Ostküste Großbritanniens leidet seit vielen Jahrhunderten unter Erosion, weil die tektonische Platte, die die britischen Inseln trägt, nach Osten hin abfällt und nach Westen hin ansteigt", sagt der britische Klimaforscher und Regierungsberater in Sachen Klimawandel, Sir David King. "Aber jetzt, wegen des steigenden Meeresspiegels, leidet die Ostküste umso mehr. Denn entlang des kontinentalen Festlandsockels haben wir ebenfalls steigende Wasserspiegel", erklärt der Wissenschaftler von der Universität Oxford. Die wärmeren Temperaturen führten zu einer Ausdehnung der Wassermasse und damit zu einem Anstieg des Pegels.

Verschärft hat die Situation der Anwohner in Happisburgh eine folgenschwere Entscheidung der britischen Regierung vor vielen Jahren. "Als die Wellenbrecher durchgerostet waren, hat man sie einfach nicht mehr ersetzt", sagt Malcolm Kerby, Vorsitzender der örtlichen Initiative Coastal Concern Action Group. Auch Diana Wright erinnert sich: "Solange wir die Wellenbrecher hatten, gab es keine Probleme." Kerby wählt noch drastischere Worte in Richtung Westminster: "Sie haben uns aufgegeben, aber sie haben immer noch keine Strategie, wie es weitergehen soll." Und diese werde nicht nur für Happisburgh gebraucht, sondern für die gesamte englische Ostküste.

Naturgewalten fordern Rückzug

Zumindest die Entscheidung, die küstennahe Besiedelung aufzugeben, hält Klimaforscher David King für durchaus geboten. "An vielen Stellen ist ein geordneter Rückzug das Mittel der Wahl", sagte er. Für den 70 Jahren alten Malcolm Kerby, der seit Jahrzehnten das Meer und seine Bewegungen beobachtet, ist der Rückzug aber keineswegs geordnet. Von den 26 Hauseigentümern, die ihre Heimat verloren haben, habe kein einziger auch nur einen Pence Entschädigung erhalten. Immerhin habe man für die noch stehenden Häuser einen Weg gefunden, dass die Regierung zumindest 40 bis 50 Prozent des einstigen Wertes zahlt.

Auch Diana Wrighton hat einen Betrag bekommen, den sie als "besser als nichts" bezeichnet. Wenn sie aus dem Fenster ihres alten Cliff-Houses schaut und auf die graue Nordsee blickt, wird der alten Frau warm ums Herz. Mehr als das Geld von der Regierung fehlt ihr das Meer und der Blick auf den Leuchtturm, den sie 30 Jahre lang mit den Gästen ihrer 13-Betten-Pension geteilt hatte. Tun kann sie nun nichts mehr. Ein paar Leute vom Umweltamt schauen noch nach, ob sich vielleicht seltene Fledermäuse im Cliff House eingenistet haben. Wenn nicht, kommt der Abrissbagger. "Die Natur ist stärker als der Mensch", sagt Diana Wrighton.

Michael Donhauser, dpa>

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24.1.2012: <Britische Staatsschulden mit Rekord: 1.000.000.000.000 Pfund>

aus: n-tv online; 24.1.2012;
http://www.n-tv.de/wirtschaft/1-000-000-000-000-Pfund-article5303736.html

<The Queen is not amused: Obwohl die Staatsausgaben Großbritanniens 2011 sinken und gleichzeitig die Einnahmen steigen, klettert auch die Neuverschuldung und erreicht einen Rekordwert. Der Kampf gegen die Wirtschaftsflaute erhält damit einen herben Dämpfer. Eine nachhaltige Trendwende ist zudem nicht in Sicht.

Großbritanniens Staatsschulden haben erstmals die Billionen-Grenze überschritten. Die Verbindlichkeiten beliefen sich am Jahresende auf 1,004 Billionen Pfund (1,2 Billionen Euro), teilte die Nationale Statistikbehörde mit. "Dies belegt das untragbare Ausgabenniveau, das dieses Land in den vergangenen Jahren erreicht hat", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. "Es zeigt auch, dass wir das Defizit der Zukunft unseres Landes wegen entschlossen angehen müssen."

Im Haushaltsjahr 2010/11 türmte das gegen eine Wirtschaftsflaute kämpfende Land neue Schulden in Höhe von 127 Mrd. Pfund auf - obwohl die Staatsausgaben um 0,9 Prozent fielen und die Einnahmen um 7,3 Prozent zulegten. Im laufenden Jahr wird ein Defizit von  127 Mrd. Pfund erwartet, 8,4 Prozent der Wirtschaftsleistung.

"AAA"-Status gefährdet

Der Maastrichter EU-Vertrag erlaubt eigentlich nur eine Obergrenze von drei Prozent. Großbritannien hat viele Banken teilweise oder ganz verstaatlicht, was enorme Summen verschlingt.

Schätzungen zufolge ist die britische Wirtschaft am Jahresende leicht geschrumpft. Die Ratingagentur Moody's hatte davor gewarnt, dass Großbritanniens Bestnote "AAA" wegen der Auswirkungen der Schuldenkrise in den Euro-Ländern verlieren.

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